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Stillgelegte Bahnlinie (Symbolbild)

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    Steigerwaldbahn-Gegner fordern Ende der Diskussion

    Ein Gutachten sieht nicht genügend Nachfragepotenzial für eine Reaktivierung der stillgelegten Bahntrasse zwischen Schweinfurt und Kitzingen. Gegner der Steigerwaldbahn fordern daher ein Ende der Diskussion um deren Reaktivierung.

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    Von
    • Norbert Steiche
    • Julia Kuhles

    Nachdem die Bayerische Eisenbahngesellschaft BEG das Ergebnis ihrer Potenzialanalyse zur Reaktivierung der Steigerwaldbahn bekannt gegeben hat, äußern sich nun auch die Vertreter von vier Bürgerinitiativen aus Gerolzhofen, Prichsenstadt, Gochsheim und Grettstadt, die gegen eine Reaktivierung der Bahnlinie sind: Sie sind der Meinung, dass "das Thema Reaktivierung jetzt endlich ein Ende haben" müsse.

    Jörg Bergmann von der Bürgerinitiative Gochsheim kritisiert, dass stets von einer kostenlosen, weil durch Fördergelder finanzierten Bahn gesprochen werde: "Und wer zahlt die Fördergelder? Der Steuerzahler, der letztendlich für eine fast leer fahrende Bahn aufkommen müsste." Das Gutachten habe aufgezeigt, dass kein Potenzial auf der gesamten Strecke vorhanden ist.

    Gutachten bescheinigt zu geringe Nachfrage

    Das Ergebnis der Potenzialanalyse ergab, dass bei einer Reaktivierung der knapp 50 Kilometer langen sogenannten unteren Steigerwaldbahn Schweinfurt-Kitzingen weniger Nachfrage von Passagieren bestehe, als in Statuten festgelegt. Bei einer Reaktivierung würde demnach ein Nachfragepotenzial von 563 sogenannten "Personenkilometern pro Kilometer Streckenlänge" bestehen. "Mit dieser Zahl wird der maßgebliche Schwellenwert deutlich verfehlt", heißt es von der BEG: Der Mindestwert für die Reaktivierung einer Bahnlinie liegt demnach bei 1.000.

    Widersprüchliche Gutachten

    Über diese geringe Fahrgastnachfrage waren Befürworter der Steigerwaldbahn wie etwa der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Kreisverband Mainfranken-Rhön erstaunt, ebenso das Landratsamt Schweinfurt. Denn zwei vorangegangene Gutachten kamen zu weitaus höheren Zahlen. Konrad Schliephake vom Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg errechnete im Dezember 2016 ein "vorsichtiges Nachfragepotenzial" von 1.230 Personenkilometer für die Gesamtstrecke, von 1.628 für den Nordabschnitt Schweinfurt-Gerolzhofen und 786 für den Südabschnitt Gerolzhofen-Kitzingen.

    Das kobra-Gutachten vom Dezember 2018 kam für die Strecke Schweinfurt-Gerolzhofen auf 1.172 Personenkilometer. Aufgrund der Diskrepanz forderte der VCD Kreisverband Mainfranken-Rhön eine Offenlegung aller Berechnungsverfahren in der Potenzialanalyse der BEG und auch das Landratsamt Schweinfurt will sich gemeinsam mit dem Landkreis Kitzingen das aktuelle Gutachten von einem Sachverständigen der BEG in einem persönlichen Gespräch erklären lassen.

    Bayerische Eisenbahngesellschaft erklärt Unterschiede

    Die Unterschiede in den Ergebnissen der Gutachten entstehen vor allem durch unterschiedliche Annahmen zur Frage, wie viele Personen die Steigerwaldbahn nutzen würden, so die BEG auf BR-Anfrage. So würden beispielsweise Einzugsbereiche der Haltestellen von bis zu fünf Kilometer unterstellt, während die BEG beim so genannten direkten Potenzial Einzugsbereiche von 1.500 Meter rund um die Haltestellen betrachtet.

    Große Unterschiede gebe es auch beim unterstellten Anteil des Freizeitverkehrs, der im Reaktivierungsfall auf die Bahn verlagert werden könnte. Hier geht die BEG angesichts der örtlichen Voraussetzungen von einem geringeren Wert aus als die beiden anderen Gutachter. Die BEG betont ihre 20-jährige Erfahrung bei der Berechnung von Nachfragepotenzialen. "Bei der von der BEG üblicherweise angewandten Methodik zeigte sich in der Vergangenheit, dass die BEG in der Regel die Nachfrage genauer vorhergesagt hat als von Dritten vorgelegte Gutachten."

    Gegner bevorzugen Radschnellweg

    Die Gegner der Reaktivierung fordern unterdessen Steuergelder für eine Verbesserung der Verkehrssituation im Landkreis durch den Bus zu verwenden. Die Stadt Gerolzhofen und der Landkreis Schweinfurt müssten sich nun klar positionieren. Für die Bahntrasse können sich die Vertreter der Bürgerinitiativen einen Radschnellweg vorstellen. Die CSU schlägt zusätzlich eine Fahrbahn für ein Pilotprojekt mit autonomen Bussen vor.

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