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Im Mai erreichte die Inflationsrate 7,9 Prozent in Deutschland. Vor allem die steigenden Lebensmittelpreise machen vielen Menschen zu schaffen.

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Steigende Lebensmittelpreise: So helfen die Kirchen

Die Inflation lag im Mai bei fast acht Prozent. Dass Lebensmittel immer teurer werden, sorgt bei ärmeren Menschen für existenzielle Probleme. Die Tafeln sind am Limit, kommen mit dem Nachschub nicht hinterher. Auch die Kirchen versuchen zu helfen.

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Nelly RitzNelly RitzBR24  RedaktionBR24 RedaktionAndrea NeumeierAndrea Neumeier
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Im Mai erreichte die Inflationsrate mit 7,9 Prozent einen neuen Höchststand in Deutschland. Speiseöle sind im Vergleich zum Vormonat um rund 40 Prozent teurer geworden. Vor allem bei den Tafeln werden die Auswirkungen des Preisanstiegs sichtbar, aber auch in kirchlichen Lebensmittelausgaben ist der Andrang groß.

Viele Bedürftige fragen nach Mehl, Öl und Nudeln

"Hier war alles voller Dosen. Das sind 123 Regale. Es war wirklich alles brechend voll", erinnert sich Lothar Beyer an die Zeit vor der gestiegenen Inflation. Heute steht er zwischen leeren Regalen, darauf nur noch vereinzelte Konservendosen und Teepackungen. Im Keller des Gemeindehauses der evangelischen Hoffnungskirche München-Freimann lagern sonst Lebensmittel, die für Bedürftige in der Gemeinde bestimmt sind. Einmal im Monat gibt Beyer die Spenden aus.

Kirchenhelfer bei Lebensmittelausgabe

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Doch die Regale sind leer. Pfarrer Stephan Seidelmann fährt deshalb mit Lothar Beyer einkaufen, um die Regale wieder aufzufüllen. Viele Bedürftige fragen nach Mehl, Öl und Nudeln. Doch davon ist auch nichts mehr übrig. Die Lebensmittelausgabe der Hoffnungskirche gibt es seit 2016.

Jedes Jahr an Weihnachten sammeln die Jugendleiter der Gemeinde haltbare Lebensmittelspenden wie Dosenravioli oder Kaffeepulver von Supermarktkunden. Normalerweise reichen diese für ein ganzes Jahr. Dass Beyer und Seidelmann nun selber einkaufen müssen, ist neu. Dafür gibt es laut Pfarrer Seidelmann zwei Gründe: "Auf der einen Seite sind es die vielen ukrainischen Flüchtlinge und auf der anderen Seite die tatsächlich gestiegenen Lebensmittelpreise, weshalb die Tafeln gerade einen großen Ansturm erleben."

Lebensmittelausgabe kann keine Vollverpflegung leisten

Die Lebensmittelausgabe der Hoffnungskirche soll eine kleine Unterstützung sein, könne aber keine Vollverpflegung der Bedürftigen leisten, sagt Pfarrer Seidelmann. "Wir können nur Hoffnung geben, dass es eine Perspektive gibt, jenseits von all dem Schlimmen und Schwierigen." Zwischen acht und zwölf Personen kommen einmal im Monat hierher.

Auch der Ansturm auf die sieben Lebensmittelausgaben der Caritas in der Region werde in Zukunft noch größer werden, glaubt Antje Spilsbury von den Caritas-Diensten im Landkreis München. Aktuell würden viele bedürftige Menschen noch knausern und sparen, um möglichst lange selbst über die Runden zu kommen.

Doch das könne auf Dauer keine Lösung sein, meint Spilsbury. Gleichzeitig gebe es weniger Lebensmittelspenden von Supermärkten und Discountern. "Die Lieferketten reichen aktuell gerade so aus", sagt die Caritas-Mitarbeiterin. Deshalb nehmen viele Einzelhändler aktuell auch kleine Margen ins Sortiment, die kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums liegen. Diese Lebensmittel fehlen dann beispielsweise bei der Caritas.

Sammelaktion der Kirche kann Tafeln helfen

In der katholischen Pfarrei Mariä Verkündigung in Altenerding haben Ehrenamtlich deswegen eine Sammelaktion ins Leben gerufen. Katharina Wille, Mitglied des Pfarrgemeinderats, glaubt, die Kirche könne ihre Position nutzen, den Tafeln zu helfen. "Wenn sie sagen, wir sammeln Lebensmittelspenden bei uns in der Pfarrei, dann kommen viele Leute zu uns. Das würden viele nicht machen, wenn wir sagen: Spendet es einfach an die Tafel", so Wille.

Dann spenden viele Menschen, die fast jede Woche in die Kirche gehen und immer bei kirchlichen Aktionen dabei sind. Insgesamt 900 Kilo Lebensmittelspenden kamen so bei einer Sammelaktion schon zusammen.

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