Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Stau bei der Digitalisierung in bayerischen Schulen | BR24

© BR

Bayerns Klassenzimmer sollen digitaler werden. Über 200 Millionen Euro nimmt die Staatsregierug in die Hand. Weiteres Geld kommt mit dem "Digitalpakt Schule" vom Bund. Doch ein Schreiben von Bildungsminister Michael Piazolo sorgte für Verunsicherung.

2
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Stau bei der Digitalisierung in bayerischen Schulen

Der Digitalisierungsprozess in bayerischen Klassenzimmern stockt. Derzeit können die Kommunen keine Anträge stellen. Gegen Schuljahresende soll wieder Geld fließen, sagt Kultusminister Michael Piazolo.

2
Per Mail sharen
Teilen

Dass die Digitalisierung inzwischen schon im frühesten Kindesalter eine Rolle spielt, das ist Michael Piazolo erst vor kurzem in der U-Bahn wieder einmal deutlich geworden, als er ein nicht mal zweijähriges Kind in einem Kinderwagen sah, das auf einem Smartphone herumwischte.

Medienkonzepte für Digitalisierung

Die Gesellschaften müsse die Kinder auch auf die Risiken des digitalen Konsums mit Medienkonzepten für die bayerischen Schulen vorbereiten. Über 6.000 solcher Konzepte haben Lehrerinnen und Lehrer der bayerischen Schulen in diesem Schuljahr schon erstellt und sind folgenden Fragen nachgegangen: Wie soll der Einsatz digitaler Medien etwa im Englischunterricht der siebten Klasse einer Realschule aussehen, wie im Religionsunterricht der Mittelschule? Auch der Bedarf an Ausstattung und Fortbildung sei ermittelt worden, so Piazolo.

Streit um Finanzierung der digitalen Klassenzimmer

Das Geld dafür kommt aus den Töpfen des Freistaats und aus dem Digitalpakt von Bund und Ländern. Bayern selbst stellt 212 Millionen Euro zur Verfügung, der Bund überweist nochmal knapp 780 Millionen Euro. Um die digitale Ausstattung der Klassenzimmer kümmern sich dann die Kommunen. Das Geld dafür bekommen sie vom Freistaat.

Doch gerade bei der Frage der Finanzierung hat es in den vergangenen Tagen einiges an Irritationen in den bayerischen Rathäusern gegeben – der bayerische Städtebund sprach von Wortbruch. Anlass war ein Brief aus dem Kultusministerium, in dem die Kommunen gebeten worden waren, derzeit keine neuen Förderanträge für die Digitalisierung in den Schulen zu stellen.

Piazolo gibt Entwarnung: Bald wieder Gelder vom Digitalpakt

Kultusminister Piazolo versuchte heute, die Wogen zu glätten: Weil das Geld vom Bund noch nicht überwiesen sei, habe man die Kommunen gebeten, mit den neuen Förderanträgen noch ein wenig zu warten.

"Wir haben schon über 10.000 digitale Klassenzimmer geschaffen und wollen das auf 50.000 erhöhen. Deshalb fließt sukzessive Geld und wir erhoffen uns, schon um die Sommerpause Geld vom Digitalpakt der Bund-Länder-Vereinbarung auch Geld zu bekommen." Michael Piazolo, Bayerischer Kultusminister

Dann sollen die Gemeinden auch wieder Anträge für die digitale Ausstattung ihrer Schulen stellen können, verspricht der Kultusminister.

"Finanzierungslücke bedauerlich"

Beim Bayerischen Städtetag findet man die Finanzierungslücke bis zu den Sommerferien dennoch bedauerlich. Denn Ende des Jahres hatte es geheißen, dass die Kommunen bis Frühjahr nur einen Teil ihres Budgets beantragen können.

"Jetzt tritt eben eine Pause bis zum Sommer ein, das ist unbefriedigend. Die Bürgermeister sind verunsichert und ich glaube, auch Lehrer und Schulen sind verunsichert." Bernd Buckenhofer, Geschäftsführer des Bayerischen Städtetags

Der Bayerische Städtetag fordert darum, die Staatsregierung müsse künftig auch das eigene bayerische Landesprogramm zur Schuldigitalisierung weiterführen.

Opposition: Bayern muss mehr investieren

Die Grünen im Bayerischen Landtag kritisieren, der Stop der IT-Investitionen an den bayerischen Schulen sei ein schlechtes Signal.

"Der Minister hat vollmundig eine Digital-Milliarde angekündigt, schmückt sich aber mit fremden Federn, weil der Großteil des Geldes vom Bund kommt." Max Deisenhofer, Digital-Bildungsexperte der Landtagsgrünen

Auch die SPD im Bayerischen Landtag verlangt, dass der Freistaat die Finanzierung der digitalen Bildung ohne Unterbrechung sicherstellt.

"Das derzeitige Programm läuft aus, es sind keine neuen Ansätze da, die Kommunen erleben einen Antragsstau, und wer so Digitalisierung als Perspektive plant, der hat keine Perspektive." Horst Arnold, Fraktionsvorsitzende der Landtags-SPD

Tatsächlich will auch Kultusminister Michael Piazolo das landeseigene Digitalprogramm weiterführen – das müsse dann aber zum nächsten Doppelhaushalt verhandelt werden.