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Statusuntersuchung gegen Afrikanische Schweinepest | BR24

© pa/dpa/Maria Gabriela Bertolini

Status-Untersuchung gegen Afrikanische Schweinepest

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Statusuntersuchung gegen Afrikanische Schweinepest

Eine vorbeugende Maßnahme im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest: Bayerische Landwirte können mit einer sogenannten Statusuntersuchung ihre Tiere weiterhin vermarkten, auch falls wegen infizierter Wildschweine Sperrbezirke errichtet werden.

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Von
  • Susanne Wimmer
  • Jutta Schilcher
  • Christine Schneider

Noch liegen die Fundorte infizierter Wildschweine in Brandenburg, also weit weg von Bayern. Doch die Landwirte im Freistaat sind dennoch in Sorge, denn jederzeit könnte auch in Bayern die Afrikanische Schweinepest (ASP) ausbrechen. Mit einer freiwilligen sogenannten "Statusuntersuchung", die der Tierarzt durchführt, können Schweinehalter für den Ernstfall vorsorgen.

ASP: Biosicherheitsmaßnahmen reichen nicht

Schweinemäster Franz Kratzer aus dem Landkreis Augsburg hat das Gelände rund um seinen Stall schon im Frühjahr eingezäunt, um Wildschweine fernzuhalten – eine Biosicherheitsmaßnahme. Aber die Folgen der ASP könnte er auch spüren, ohne dass der Erreger es bis auf seinen Hof schafft.

"Gefährdetes Gebiet" rund um den Fundort

Denn wenn irgendwo ein infiziertes Wildschwein entdeckt wird, wird im Umkreis von 15 Kilometern zum Fundort alles zum "gefährdeten Gebiet" erklärt. Das heißt: Kratzers Schweine dürften dann nicht außerhalb dieses Gebiets geschlachtet oder verkauft werden.

Liegt der Hof in der sogenannten 45 Kilometer großen Pufferzone rund um den Fundort, dürfen die Schweine aus landwirtschaftlichen Betrieben nur national, aber nicht in andere EU-Mitgliedstaaten oder Drittländer vermarktet werden.

Bluttests erforderlich

Um im Ernstfall doch Ferkel an einen anderen Betrieb außerhalb des gefährdeten Gebiets verkaufen zu können, bräuchte Landwirt Kratzer von jedem Tier einen negativen Bluttest. Das ist bei vielen hundert Tieren auf die Schnelle nicht machbar und viel zu teuer. Selbst wenn er Mastschweine an den Schlachthof verkauft, bräuchte er für einen Teil von ihnen noch Bluttests.

Die Statusuntersuchung ist eine vorbeugende Maßnahme

Aus diesem Grund setzt Landwirt Kratzer lieber auf eine vorbeugende Maßnahme: die sogenannte Statusuntersuchung. Sie ermöglicht ihm, im Krisenfall ohne große Einschränkungen weiter zu vermarken.

Konkret heißt das: Kratzer meldet sich beim Veterinäramt für das freiwillige Programm an. Zweimal im Jahr überprüft der Tierarzt dann die Gesundheit der Tiere, sowie die Biosicherheit im Betrieb. Stichprobenartig und bei auffälligen Tieren wird die Temperatur gemessen.

Wenn Mastschweine - etwa wegen Herz-Kreislauf-Versagens – verenden, müssen auch hier Blutproben untersucht werden. Bei maximal zwei Tieren pro Woche.

Status "seuchenfrei" gibt es nach frühestens vier Monaten

Sind alle Proben negativ, erhält der Landwirt nach zwei Betriebs-Untersuchungen - frühestens nach vier Monaten - den Status "ASP-frei". Die Tierarztkosten von ein paar hundert Euro im Jahr zahlt der Landwirt selbst, die Laboruntersuchung die Tierseuchenkasse.

"Für mich ist das alternativlos. Weil sonst ist auf meinem Betrieb Stillstand, und dann ist Feierabend, wenn im Umkreis ein totes Wildschwein gefunden wird." Landwirt Franz Kratzer

Umweltminister Glauber appelliert an Landwirte

Dennoch hat von rund 4.300 Schweinehaltern in Bayern bislang nicht einmal ein Dutzend diese neue Statusuntersuchung beantragt. Dabei wäre sie nach Einschätzung von Veterinären für viele Bauern sinnvoll, wenn nicht gar überlebenswichtig.

Schweinefachtierarzt Andreas Palzer aus Scheidegg (Lkr. Lindau) findet es "äußerst angebracht", dass jeder Landwirt sich gemeinsam mit seinem Hoftierarzt überlegt, was die Errichtung eines gefährdeten Gebietes für seinen Betrieb bedeuten würde.

Auch Bayerns Umwelt- und Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber appelliert an die Landwirte, diese Statusuntersuchung beim Veterinäramt zu beantragen. Die Maßnahme könne helfen, Existenzen zu sichern .

© BR

Deutschland ist von der Afrikanischen Schweinepest bedroht. Mehrere asiatische Länder haben deswegen einen Exportstopp für deutsches Schweinefleisch verhängt. Die bayerischen Schweinemäster befürchten nun einen weiteren Preisverfall.

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