BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Start der Grippesaison: Wenn impfen, dann jetzt | BR24

© BR/Claudia Grimmer

Es tut kaum weh. Und jeder, der sich impfen lässt, hilft mit, den Ausbruch einer Grippewelle zu verhindern. Daher wollen Apotheken, Ärzte und Behörden die "Durchimpfungsquote" steigern. Alles zum aktuellen Impfschutz und den Hintergründen.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Start der Grippesaison: Wenn impfen, dann jetzt

Es tut kaum weh. Und jeder, der sich impfen lässt, hilft mit, den Ausbruch einer Grippewelle zu verhindern. Daher wollen Apotheken, Ärzte und Behörden die "Durchimpfungsquote" steigern. Alles zum aktuellen Impfschutz und den Hintergründen.

Per Mail sharen
Teilen

Die Apotheken machen mobil für eine Grippeschutzimpfung. Auch Ärzte unterstützen die Impfkampagne. Der kleine Piks hilft, eine große Grippewelle zu verhindern. Im Moment liegt die Zahl der Influenza-Erkrankten im Durchschnitt - doch das kann sich ändern.

In der Grippesaison 2017/2018 gab es laut Robert-Koch-Institut mehr als 25.000 Todesfälle in Deutschland. Das war die höchste Zahl in den vergangenen 30 Jahren. Normal seien in einer Grippesaison einige hundert Fälle.

Neue Grippesaison ab 1.Oktober

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wertet nur gemeldete Fälle von Influenza aus. Die Grippesaison beginnt statistisch gesehen immer am 1. Oktober. In den Monaten Januar bis September 2019 wurden im Freistaat 45.750 Influenza-Erkrankte gezählt. Betrachtet man nur die letzte Woche im September, dann wurden die meisten Grippepatienten in Oberbayern gemeldet (sechs Fälle), gefolgt von Oberfranken (vier Fälle).

"Durch den sogenannten Herdenschutz trägt jeder Einzelne dazu bei, dass insgesamt weniger Menschen an der Grippe erkranken." Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes

Vierfachimpfschutz für alle

Die Stammzusammensetzung der Impfstoffe muss jedes Jahr an die aktuelle Situation angepasst werden, weil sich die im Umlauf befindlichen Viren verändern. In diesem Jahr ist in Bayern der Vierfachimpfstoff für gesetzlich Versicherte Standard.

Im vergangenen Jahr noch gab es für die Krankenkassen keine verbindliche Regelung, ob für die Influenza-Impfung ein Drei- oder Vierfach-Impfstoff zu verwenden ist. Viele Kassen hatten Rabattverträge mit Pharmaherstellern über einen trivalenten (dreiwertigen) Impfstoff abgeschlossen. Ab dieser Saison steht aber fest, dass ein Vierfachimpfstoff grundsätzlich zum Einsatz kommt, auch für Kassenpatienten.

Pommes für die Impfquote

Trotz allen Werbens erreicht Deutschland nur eine Durchimpfungsquote von rund 35 Prozent bei über 60-Jährigen; bei den chronisch Kranken liegt sie bei 27 bis 40 Prozent. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO wird eine Zielmarke von 75 Prozent bei den über 60-Jährigen vorgegeben.

Um die Quote zu erhöhen, ließ sich beispielsweise das Franziskus-Hospital in Münster etwas Besonderes für sein Personal einfallen. Wer sich gegen Influenza impfen ließ, erhielt einen Gutschein für eine Portion Pommes in der Cafeteria. Jedes Team mit einer Impfquote von 100 Prozent bekam einen Gutschein für ein gemeinsames Frühstück. Der Erfolg: Die Impfquote verdoppelte sich, in der Ärzteschaft lag sie nach der Aktion bei über 90 Prozent.

Welcher Grippevirus wird uns in diesem Jahr treffen?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO untersucht systematisch, in welchem Teil der Welt welche Influenzaviren zirkulieren. Danach werden die Virenstämme ausgewählt, die letztendlich in den Impfdosen landen.

Eine Wirksamkeitsgarantie gibt es nicht: Es ist die bestmögliche Abschätzung, die die WHO treffen kann. Die Auswahl beginnt frühzeitig, denn bereits im März legen die Behörden der Länder fest, welcher Impfstoff geordert werden muss. In Deutschland bestimmt das Robert-Koch-Institut den Impfstoff. Die Herstellung ist aufwändig und braucht einen langen Vorlauf. Bis zur letztendlichen Impfung können jedoch wieder andere Viren auftauchen, die nicht mehr berücksichtigt werden können.

Wie wirksam ist die Influenza-Impfung?

Durch jede verhinderte Grippe kann eine Kettenwirkung verhindert werden. Ein Nicht-Infizierter schützt viele andere. Würden sich nur wenige impfen lassen, dann würde die Grippewelle einen extrem starken Verlauf nehmen.

"Die Influenza-Wirkstoffe haben eine Wirksamkeit von 50 bis 70 Prozent. Das heißt, es gibt noch immer eine ganze Reihe von Geimpften, die selbst nicht von der Impfung profitieren. Unterschätzt wird aber, dass, wenn ich zu Beginn der Saison eine Infektion verhindere, dadurch die Infekt-Kette unterbrochen wird." Dr. Klaus Überla, Uni-Klinikum Erlangen

Kann es zu einem Engpass bei Grippeimpfstoff kommen?

Das Paul-Ehrlich-Institut ist unter anderem dafür verantwortlich, genügend Impfstoffdosen zu ordern. Dabei richtet sie sich bei der Zusammensetzung nach den Empfehlungen verschiedener Institutionen, vor allem der Weltgesundheitsorganisation. In der Saison 2019/2020 wurden bis Ende September 16,5 Millionen Impfdosen geordert und damit mehr als im Vorjahr.

Influenzaimpfstoffe werden üblicherweise unter Verwendung von Hühnereiern hergestellt, so dass trotz Aufreinigung Spuren von Hühnereiweiß im Impfstoff enthalten sein können. In der Saison 2019/20 ist wieder ein hühnereiweißfreier (in Zellkulturen hergestellter) Influenzaimpfstoff verfügbar, der für Allergiker geeignet ist.

Was ist Influenza?

Die Grippe wird durch Viren ausgelöst und ist damit eine Infektionskrankheit. Sie wird durch Tröpfchen – etwa beim Niesen, Husten oder Sprechen – übertragen. Zudem kann man sich durch Händeschütteln und über Türgriffe oder andere Gegenstände anstecken. Typische Symptome sind hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und ein trockener Reizhusten. Sind bei einer Erkältung zumeist nur die Atemwege betroffen, so treten also bei einer Influenza auch weitere körperliche Beschwerden auf.

Grippeviren sind weltweit verbreitet und können sich schnell verändern. Senioren, Schwangere und Menschen mit einer chronischen Grunderkrankung haben ein höheres Risiko für schwere Verläufe einer Grippe. Wichtig ist, sich in der Saison regelmäßig die Hände zu waschen sowie Abstand zu Personen zu halten, die bereits Symptome aufweisen.

Wie funktioniert die Auswertung der Influenza-Fälle?

Große Kliniken wie das Uni-Klinikum in Erlangen haben eigene virologische Abteilungen, die jeden Fall, der in der Notaufnahme mit schweren Atemwegsinfektionen eingeliefert wird, untersuchen. Mittels genbasierter Verfahren wird festgestellt, ob und welche Ansteckung durch Krankheitserreger vorliegt.