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Starnberger Randale: Bewährungsstrafen für Jugendliche | BR24

© pa/dpa/Sina Schuldt

Ein eingeschlagenes Fenster der Polizeiinspektion Starnberg. Rund 50 Schüler hatten versucht, einen 15-Jährigen aus Polizeigewahrsam zu befreien.

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    Starnberger Randale: Bewährungsstrafen für Jugendliche

    Im Prozess um die Randale vor der Polizeidienststelle in Starnberg im Juli 2019 sind die Urteile gefallen. Die beiden Hauptangeklagten erwarten Jugendstrafen auf Bewährung und Dauerarreste, die anderen drei kommen mit milderen Strafen davon.

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    Im Prozess um die Randale vor der Polizeidienststelle im Juli 2019 hat das Amtsgericht Starnberg am Abend die Urteile verkündet: Der damals 15-jährige Jugendliche, der von der Polizei festgenommen worden war, wird zu acht Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Ein weiterer Angeklagter, im Sommer 2019 ebenfalls 15 Jahre alt, wurde vom Gericht zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung und drei Wochen Dauerarrest verurteilt. Beide waren vorher schon straffällig geworden.

    Auch Geldstrafe, Sozialstunden und soziales Kompetenztraining

    Ein 19-jähriger Jugendlicher wurde zu einem Dauerarrest von einer Woche verurteilt, außerdem zu einer Zahlung von 600 Euro Geldstrafe, da er sich mittlerweile in Ausbildung befindet. Zwei weitere Jugendliche, eine junge Frau und ein junger Mann, die zum Zeitpunkt des Geschehens im Sommer 2019 beide 16 Jahre alt waren, wurden jeweils zu 54 Sozialstunden und einem sozialen Kompetenztraining verurteilt. Allen Angeklagten, außer dem Jugendlichen, der von der Polizei festgenommen worden war, haben sich nach Ansicht des Gerichts des Landfriedensbruchs schuldig gemacht.

    Der Richter erklärte in der Urteilsbegründung, dass das jugendliche Alter der Angeklagten, der Alkoholeinfluss - aber auch die Gruppendynamik - berücksichtigt wurden.

    Anwälte machten hohen Alkoholkonsum geltend

    Zuvor hatten die fünf Anwälte der Angeklagten auf milde Urteile plädiert. Sie verwiesen auf das jugendliche Alter und auf den teils hohen Alkoholkonsum am Tag der Randale. "Schädliche Neigungen" könnten ausgeschlossen werden, denn sie seien nicht mit festem Vorsatz, Krawalle zu verüben, zum Ort des Geschehens aufgebrochen. Vielmehr sei die Situation unkontrolliert aus dem Ruder gelaufen, durch den Konsum von Alkohol, die Gruppendymamik, aber auch durch das Verhalten der Polizei.

    Der Anwalt des 15-Jährigen, der von der Polizei in Gewahrsam genommen worden war, machte in seinem Plädoyer deutlich, dass die gerichtsmedizinische Gutachterin nicht ausgeschlossen habe, dass es bei der Festnahme des Angeklagten nicht doch zu unnötiger Gewalt von Seiten der Polizisten gekommen war, auch wenn der Angeklagte bei der Untersuchung am Tag danach nur leichte Kratzer und Hautrötungen aufwies.

    Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung und vier Wochen "Warnschuss-Arrest" für zwei der Angeklagten gefordert und zehn Monate Jugendstrafe auf Bewährung und eine Woche "Warnschussarrest" für die anderen drei Angeklagten.

    Angeklagte bedauern ihr Verhalten

    Alle fünf Angeklagten äußerten in ihrem Schlusswort Bedauern über das Vorgefallene. Durch die Zeugenaussagen sei ihnen erst bewusst geworden, wie die andere Seite das Geschehen wahrgenommen habe. "Als eine Polizistin davon sprach, wie viel Angst sie hatte, hat mich das traurig gemacht", sagte ein Angeklagter.

    Der Konflikt soll im Juli 2019 auf dem Sommerfest des Starnberger Gymnasiums seinen Anfang genommen haben. Laut Anklagebehörde hatte ein 15-jähriger Jugendlicher einen Platzverweis durch die Security nicht befolgt. Hinzugerufene Polizeibeamte nahmen den Jugendlichen fest, um ihn auf die Starnberger Polizeiinspektion zu führen. Der Jugendliche soll sich gewehrt haben. Zeitgleich hätten sich rund 50 Jugendliche zusammengerottet und seine Freilassung gefordert. Schon auf der Abschlussfeier sollen laut Staatsanwaltschaft einige Jugendliche in Richtung der Polizeibeamten getreten, geschlagen und geschubst haben. Mindestens die Hälfte der Gruppe sei den Beamten dann schreiend zur Dienststelle gefolgt. Die Jugendlichen traten und schlugen gegen die Türe, ein Fenster zersprang durch den Wurf von Steinen und einer Flasche. Rund 70 Polizeibeamte waren damals im Einsatz.

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