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Starke Frauen bei der Bundeswehr - Von Hammelburg bis Litauen | BR24

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Sie fliegen Kampfflugzeuge und Hubschrauber. Sie springen aus Flugzeugen und fahren Panzer. In diesem Jahr feiert die Bundeswehr ein besonderes Jubiläum: Seit 20 Jahren stehen Frauen uneingeschränkt alle militärischen Laufbahnen offen.

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Starke Frauen bei der Bundeswehr - Von Hammelburg bis Litauen

Sie fliegen Kampfflugzeuge und Hubschrauber, springen aus Flugzeugen und fahren Panzer. In diesem Jahr feiert die Bundeswehr ein besonderes Jubiläum: Seit 20 Jahren stehen Frauen uneingeschränkt alle militärischen Laufbahnen offen.

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Von
  • Christina Haas

Notärztin Rebecca S. hat einen anstrengenden Vormittag hinter sich. Viele Kameraden haben sich bei einer Übung im Gelände Prellungen zugezogen. Rebecca S. kommt ursprünglich aus Wunsiedel und ist eine von zwei Truppenärztinnen, die derzeit in Litauen stationiert sind. Eineinhalb Stunden von der Hauptstadt Vilnius entfernt, liegt die Kaserne in Rukla. 1.200 Soldatinnen und Soldaten aus sechs Nationen sind hier stationiert. Deutschland führt seit 2017 den multinationalen NATO-Verband. Die Mission dient der Abschreckung von Bedrohungen des Bündnisgebietes. Unter den circa 550 deutschen Soldaten in Litauen sind momentan auch rund 30 Soldatinnen im Einsatz.

Von Wunsiedel in die Welt

Bis zu 30 Grad Minus in den Wintermonaten, Schlamm und unwegsames Gelände. Der gepanzerte Rettungswagen vom Typ Boxer - bahnt sich während einer Übung den Weg zu einem Soldaten. Von der Narkose bis hin zum Intubieren - Oberstabsärztin Rebecca S. kann alle lebenserhaltenden Maßnahmen im Gelände durchführen. Die fränkische Truppenärztin bleibt vier Monate in Litauen und wird danach mit vielen neuen Erfahrungen an ihren Heimatstützpunkt zurückkehren.

Der Durchbruch

Als 1955 die Bundeswehr gegründet und damit die Wehrpflicht eingeführt wurde, wurden Frauen explizit vom Dienst an der Waffe ausgeschlossen. Erst 1975 gab es die ersten Ausnahmen. Fünf weibliche Sanitätsoffiziere durften den Dienst in der Bundeswehr antreten. Zwar wurden Frauen damals auch an der Waffe ausgebildet, allerdings nur zum Selbstschutz. 1988 kamen zum Sanitätsdienst auch der Militärmusikdienst für Frauen dazu. 1996: eine Frau bewarb sich als Technikerin, das ließ das Grundgesetz aber nicht zu. Der Fall ging bis zum Europäischen Gerichtshof. Am 11. Januar 2000 dann das bahnbrechende Urteil: Auch Frauen dürfen uneingeschränkt an der Waffe dienen. Der Ausschluss sei nicht mit der EU-Gleichbehandlungsrichtlinie vereinbar.

Frauen auf dem Vormarsch

Inzwischen leisten gut 22.800 Soldatinnen ihren Dienst bei der Bundeswehr – Tendenz steigend. Damit sind rund zwölf Prozent der insgesamt rund 183.000 militärischen Angehörigen der Bundeswehr Frauen. Die Bundeswehr erwartet, dass der Anteil von Frauen in den kommenden Jahren auf bis zu etwa 15 Prozent ansteigen wird. Ob in Franken oder im Ausland - es bieten sich viele abwechslungsreiche Einsatzmöglichkeiten.

Karriere trotz Kind

Ob in Mali oder am Horn von Afrika - die Leiterin der Zahnarztgruppe Hammelburg, Dr. Christiane Noack, hat schon viel Erfahrung im Ausland gesammelt. Mittlerweile ist sie selbst Mutter einer zweijährigen Tochter. Das hinderte sie nicht daran, zwei Monate in Afghanistan zu arbeiten.

"Ich schaffe das, weil ich einen starken Mann an meiner Seite habe, der Fallschirmjäger-Offizier ist bei der Bundeswehr und trotz seiner schwierigen Aufgabe auch immer da ist, wenn ich nicht immer da sein kann für unsere Tochter." Dr. Christiane Noack, Leiterin Zahnarztgruppe Hammelburg

Als 19-Jährige wollte sie nach dem Abitur eigentlich bei der Bundeswehr Sport studieren und wurde erstmal beim Sanitätsdienst der Marine eingestellt. Es sei erst einmal ein Schock gewesen, als einzige Frau auf einem Schiff mit 220 Männern durch die Weltmeere zu schippern. "Aber die Aufregung war nach zwei Wochen vorbei, dann war ich akzeptiert in der Mannschaft und gehörte einfach dazu. Und es liegt an uns Frauen, ob wir das schaffen oder nicht", sagt die heute 40-Jährige.

Frau mit Führungsanspruch

Dr. Christiane Noack und ihr Team können seit vergangenem Jahr auch komplexe oralchirurgische Eingriffe in Hammelburg vornehmen – und sind damit nur selten auf ein Bundeswehrkrankenhaus angewiesen. Dr. Noack hat noch viel vor. Ab Oktober besucht sie den Generalstabslehrgang - die höchste Laufbahnausbildung der Bundeswehr.

Willenskraft und Motivation

Vier Kilometer weiter in Bonnland – einem Trainingsgelände. Heute stehen Orts- und Häuserkampf auf dem Programm. Oberleutnant Ann-Katrin Schubert ist höchst konzentriert. Die 26-Jährige nimmt am Offizierlehrgang an der Infanterieschule im unterfränkischen Hammelburg teil. Sie lernt bei der Übung in einem besetzten Haus eine Gruppe von acht bis zwölf Soldaten zu führen.

"Meine Stärke ist eigentlich, dass ich die Willenskraft hab und wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, dann schaff ich das auch dann durchzusetzen." Ann-Katrin Schubert, Oberleutnant

Kühlen Kopf bewahren

120 Soldaten machen derzeit die Zugführerausbildung für die Kampftruppe – darunter auch fünf Frauen. Ann-Katrin Schubert muss mit ihren 1 Meter 63 die gleiche Ausrüstung schleppen wie ihre männlichen Kameraden und übernimmt noch dazu große Verantwortung. Es sei schon sehr anstrengend, aber in einer Führerposition dürfe die Anstrengung nicht vorne anstehen, erzählt Ann-Katrin Schubert. Schließlich treffe sie wichtige Entscheidungen für andere und müsse einen freien Kopf behalten. Die Gebirgsjägerin hat Sportwissenschaften bei der Bundeswehr studiert. Bis Juli lernt sie einen Zug von 35 Soldaten zu führen. Zehn Stunden unter Dauerbelastung – ganz normal.

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Als 1955 die Bundeswehr gegründet und damit die Wehrpflicht eingeführt wurde, wurden Frauen explizit vom Dienst an der Waffe ausgeschlossen. Am 11. Januar 2000 dann das bahnbrechende Urteil: Auch Frauen dürfen uneingeschränkt an der Waffe dienen.

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