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Helmut Jahn gehörte zu den erfolgreichsten deutschen Architekten. Der gebürtige Zirndorfer hat Hochhäuser, Flughafen-Terminals und Messetürme geplant. Der Star-Architekt starb bei einem Fahrradunfall in der Nähe von Chicago.

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Star-Architekt Helmut Jahn: Schwieriges Verhältnis zu Nürnberg

Nach dem Tod von Helmut Jahn erinnern sich in Nürnberg viele daran, dass der Star-Architekt einst einen Entwurf für das Augustiner-Gelände machte – der nach einer hitzigen Debatte abgelehnt wurde und zum ersten Bürgerentscheid Bayerns führte.

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Von
  • Anja Bühling
  • Christian Schiele

2012 kehrte Helmut Jahn nach Nürnberg und damit in seine fränkische Heimat zurück. Der in Zirndorf bei Fürth geborene Star-Architekt eröffnete damals im Neuen Museum Nürnberg die erste Ausstellung seines Lebens – vielleicht eine kleine Genugtuung für eine seiner größten Niederlagen, die Jahn ausgerechnet in Nürnberg hinnehmen musste. 1991 hatte er einen Entwurf für den Nürnberger Augustinerhof eingereicht. Doch der wurde zum Zankapfel und am Ende nicht realisiert.

Erfolge in der ganzen Welt – aber nicht in Nürnberg

Mit seinen Entwürfen hatte der am 4. Januar 1940 in Zirndorf geborene Architekt die ganze Welt erobert. Spektakuläre Monumentalbauten für die ganze Welt: Flughäfen, Hochhäuser, Wolkenkratzer zwischen Berlin und Bangkok, Chicago und Shanghai, New York und München, Brüssel und Dubai.

Auch in Nürnberg hatte der Architekt einen großen Wurf geplant: 1991 hatte er für den Augustinerhof einen spektakulären Entwurf erstellt. Das rund 5.000 Quadratmeter große Gelände zwischen Trödelmarkt und Hauptmarkt wurde 1989 von Mohammad Abousaidy erworben. Er beauftragte Jahn damit, einen Gebäudekomplex für das Gelände zu entwerfen. Dort also, wo nun das Zukunftsmuseum, ein Hotel, Wohnungen und Büroräume entstanden sind. Doch der Entwurf des international renommierten Architekten wird abgelehnt.

"Im Nachhinein gesehen ist das wirklich eine Tragödie. Nicht für mich persönlich, sondern für diese Stadt." Helmut Jahn, in einem AZ-Interview

Jahn hatte einen fünfgeschossigen, leicht geschwungenen Gebäudekomplex entworfen. 100 Meter lang, 22 Meter hoch. Mit einem scharfen Schnitt in der Mitte, einer offenen Passage, die in Anlehnung an die engen Gassen der Altstadt nur wenige Meter breit sein sollte. Ein Glasdach in der Mitte sollte alle, die durchgehen, vor Regen und Schnee schützen. Die Fassade plante Jahn mit großen Fenstern, Kalkstein aus der Region und Metall. Drinnen sollten Büros, Wohnungen, Geschäfte, Restaurants und Parkmöglichkeiten entstehen.

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Bildrechte: Murphy/Jahn

Modellentwurf des Augustinerhofs von Helmut Jahn. Von Verächtern auch "die aufgeschnittene Bratwurst" genannt.

Widerstand gegen "die aufgeschnittene Bratwurst"

Ein durch Nürnbergs Altstadtfreunde organisierter Bürgerentscheid – der erste in Bayern – brachte 1996 das "Projekt einer aufgeschnittenen Bratwurst im Augustinerhof" zu Fall. Auch wenn sich nur 27 Prozent der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger beteiligten, das Projekt war vom Tisch. Anfangs sei er sehr empört gewesen, sagte Jahn später in einem AZ-Interview und: "... ich wollte mit dem Augustinerhof ein Zeichen setzen", so Jahn. "Die Nürnberger dachten, sich nach der Wende als Mitte Europas besonders zu profilieren – da hätte der Augustinerhof eben ein Zeichen setzen können, dass sich Nürnberg nach außen hin öffnet – und das ist eben nicht passiert!"

Die Zeit veränderte Jahns Perspektive auf Architektur

Helmut Jahn sah in einer bestehenden historischen Altstadt den "Ausgangspunkt der Architektur und nie der Endpunkt". Doch auch das half ihm nichts. Als das Aus für seinen Augustinerhof-Entwurf kam, beklagten viele den "Abschied von einer weltoffenen und zeitgemäßen Architektur" und schüttelten nach "dem Sieg einer provinziellen Kleinstadt-Butzenscheibenromantik" den Kopf. Jahn selbst war nach der Absage seines Projekts lange Zeit nicht mehr nach Nürnberg gekommen. Erst die Ausstellung im Neuen Museum zog in wieder in die Frankenmetropole.

Nun ist Helmut Jahn bei einem Fahrradunfall in Chicago tödlich verunglückt und die Menschen werden nicht mehr erfahren, was er von dem Museumsgebäude hält, das nun auf dem Gelände des Augustinerhofs steht.

Doch schon 2012, als er nach Nürnberg kam, hatte sich sein Blick auf Architektur verändert. "Das komplizierte Innenleben von Gebäuden ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden, die Ansichten über Fassade und Gestalt eines Gebäudes einerseits und das Innenleben andererseits haben sich geändert", sagte er damals und: "Wir müssen an die Menschen denken, an vernünftige Arbeitsplätze, an ein sinnvolles Umfeld, an die Ökologie, an Energiesparmaßnahmen, an eine humane Umgebung".

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