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Der drei Monate alte Matteo - seine Eltern hoffen auf eine Stammzellenspende.
© BR/Viktoria Wagensommer

Autoren

Roswitha Polaschek
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Der drei Monate alte Matteo - seine Eltern hoffen auf eine Stammzellenspende.

Man sieht Mattheo nichts an, wenn er sich wohlig an den Hals seiner Mama kuschelt. Damit er keine Infekte und Abszesse kriegt, muss er allerdings starke Medikamente kriegen, denn er leidet unter einem angeborenen Immundefekt: Chronische Granulomatose. Er kann Pilze und Bakterien nicht abwehren. Die Krankheit hatte als Baby auch sein älterer Bruder Benjamin:

"Das wird über das X-Chromosom vererbt. Das heißt, Mädchen erkranken an diesem Defekt nicht selbst, sondern übertragen es nur und Jungs haben dann natürlich das Risiko - je nachdem, ob die Eizelle das gesunde oder das kranke X-Chromosom trägt."

Tanja Heel, Mutter von Mattheo

Eine Knochenmarksspende hat Matteos Bruder das Leben gerettet

Als die Ärzte die Krankheit bei Benjamin vor fünf Jahren festgestellt haben, hat es eine große Typisierungsaktion gegeben, 1.500 Menschen haben sich in Kraftisried typisieren lassen. Tatsächlich wurde ein Spender gefunden und nach der Knochenmarkstransplantation ist Benjamin jetzt geheilt.

Tanja Heel ist, als der erste Schock verdaut war, deshalb wieder an die Öffentlichkeit gegangen, um für Typisierungen zu werben. Manche Reaktionen auf einen Fernsehbericht haben sie aber sehr verletzt: "Ob man noch ein Kinde bekommen darf und dass das vielleicht die falsche Entscheidung war und so weiter."

"Ich finde das völlig legitim, dass andere Eltern sagen, wir machen eine Pränataldiagnostik und wenn wir jetzt ein behindertes oder krankes Kind bekommen müssten, dann möchten wir das nicht. Dann sollen die das genau so handhaben und sich auch für einen Abbruch entscheiden, da habe ich vollstes Verständnis. Aber dann erwarte ich so viel Verständnis auch für uns, dass wir sagen, wir für uns persönlich wollten aber das eben nicht." Tanja Heel, Mutter von Mattheo

Erfolgreiche Werbung für Stammzellentypisierung - wegen Matteo

Geplant war die Schwangerschaft nicht, sagt die 34-Jährige, gewollt ist Mattheo trotzdem, er ist ein Geschenk sagt sie. Trotz der zum Teil verletzenden Reaktionen geht die Familie weiter an die Öffentlichkeit, um für die Stammzellentypisierung zu werben. Mit Erfolg, sagt Julia Runge von der Deutschen Knochenmarksspenderdatei:

"Dadurch haben wir schon über 8.000 Freiwillige bisher erreichen können, die sich aufgrund des Schicksals von Matteo bei uns wieder das Registrierungsset bestellt haben." Julia Runge von der Deutschen Knochenmarksspenderdatei

So hat die Krankheit trotz all der Belastung auch etwas Gutes sagt Tanja Heel, nicht für Mattheo, aber für all die anderen Patienten, die auf eine Spende warten. Sie ist zuversichtlich, dass Mattheo die Krankheit gut übersteht.

Wer sich typisieren lassen möchte, kann sich im Netz die Wattestäbchen für den Mundschleimhautabstrich bestellen

Autoren

Roswitha Polaschek

Sendung

Mittags in Schwaben vom 15.01.2018 - 12:05 Uhr