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#Städtepartnerschaft: Wie in Landshut aus Feinden Freunde wurden | BR24

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Blick über die Altstadt von Landshut in Niederbayern mit der St.-Martin-Kirche

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    #Städtepartnerschaft: Wie in Landshut aus Feinden Freunde wurden

    Heute feiern sie gemeinsam - damals herrschte Krieg. Aus Feindschaft wurde Freundschaft, aus Misstrauen Vertrauen. Doch es war ein langer Weg. Der Beginn der Partnerschaft zwischen Landshut und Compiègne war im Grunde das Ende des Ersten Weltkriegs.

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    Vor 57 Jahren wurden aus ehemaligen Feinden Freunde - die Städtepartnerschaft zwischen der deutschen Stadt Landshut und der französischen Stadt Compiègne wurde 1962 unterzeichnet. Doch bis dahin war es ein langer, von Kriegen gezeichneter Weg zwischen Deutschland und Frankreich.

    Compiègne: Erster Waffenstillstand 1918

    Es ist der Morgen des 11. November 1918, 11 Uhr in einem Wald nahe der Stadt Compiègne: Staatssekretär Matthias Erzberger für die deutsche Delegation und Marshall Ferdinand Foch als Oberbefehlshaber der Alliierten stehen sich in einem Eisenbahnwaggon gegenüber. Die Bedingungen der Alliierten müssen angenommen werden, unter anderem die Räumung der besetzten Gebiete in Frankreich und Belgien sowie der Rückzug aus Elsass-Lothringen. Trompetensignale an den Fronten verbreiten das Ende des Ersten Weltkriegs – die Waffen schweigen, die Deutschen fühlen sich erniedrigt.

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    Waffenstillstand zwischen Deutschland und den Alliierten im Wald von Compiègne am 11. November 1918. Foch und Erzberger.

    Compiègne: Zweiter Waffenstillstand 1940

    22. Juni 1940: Es ist der zweite Waffenstillstand, der im Wald von Compiègne unterzeichnet wird. Bewusst sucht sich Adolf Hitler diesen Ort für die Unterzeichnung aus. Der Salonwagen, in dem einst Foch die Bedingungen der Alliierten diktierte, wird aus dem Museum von Compiègne geholt. Frankreich wird jetzt in ein besetztes und ein unbesetztes Gebiet geteilt.

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    Waffenstillstand im Wald von Compiègne am 22. Juni 1940, im historischen Salonwagen.

    Compiègne: Gedenkfeier 2018

    Dass an diesem historischen Ort einmal der jetzige Oberbürgermeister Landshuts, Alexander Putz, neben dem französischen Staatspräsidenten Emanuel Macron und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel stehen wird, daran ist zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Doch das wird er: am 11. November 2018 - 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs. Denn seit 1962 sind die Städte Landshut und Compiègne Partner, sogar Freunde.

    © picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

    Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel feiern 2018 in Compiègne das hundertjährige Jubiläum des Waffenstillstands.

    Durch Zufall und Bekanntschaften zur Städtepartnerschaft

    Walter Blaschke ist Beauftragter für Städtepartnerschaften in der Stadt Landshut. Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk erzählt er, dass die Städtepartnerschaft zwischen Landshut und Compiègne durch Zufall und aus persönlichen Bekanntschaften heraus entstanden ist.

    Es war das Jahr 1960, die ehemalige Bundestagsabgeordnete Maria Probst pflegte gute Beziehungen nach Frankreich. Sie kannte den damaligen Bürgermeister von Compiègne, Jean Legendre. Er war es, der sich an Probst wandte: Legendre war auf der Suche nach einer bayerischen Städtepartnerschaft. Probst, die gute Kontakte nach Landshut hatte, setzte sich mit dem damaligen Oberbürgermeister von Landshut, Albin Lang, in Verbindung. Der sagte zu. 1961 schließlich wurde der Partnerschaftsverein gegründet, am 30. Juni 1962 wurde die Urkunde der Städtepartnerschaft unterschrieben.

    Städtepartnerschaften: Wunden heilen, Austausch pflegen

    Gerade nach der Zeit des Zweiten Weltkriegs galt die Idee der Städtepartnerschaft als Initiative der Basis, um die durch zwei Weltkriege in Europa aufgerissenen Wunden zu heilen.

    Michaela Schörcher ist Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Landshut-Compiègne. Dem BR sagt sie, dass weder die Landshuter 1962 von der Idee der Städtepartnerschaft begeistert waren noch die Bürger von Compiègne. Doch man war offen für die Idee und wollte wissen, ob eine derartige Städtepartnerschaft nicht doch etwas nützt.

    Frankreich und Deutschland als Partner

    Wie es in einer französischen Zeitung heißt, war die Partnerschaft der beiden Städte eine der ersten in Frankreich, die zwei Städte aus diesen Nachbarländern zusammenführte.

    Landshut hat neben dieser Städtepartnerschaft weitere vier: Elgin (Schottland), Schio (Italien), Ried im Innkreis (Österreich) und Sibiu/Hermanstadt (Rumänien). Ziel ist es, sich kulturell und wirtschaftlich auszutauschen, wie es von der Stadt Landshut heißt.

    Aus dem Wunsch, auch auf Bezirksebene einen Beitrag zur Freundschaft beider Länder und damit zur Förderung des europäischen Gedankens zu leisten, entstand 1991 die Regionalpartnerschaft zwischen dem Bezirk Niederbayern und dem Departement Oise, in dem Compiègne liegt.

    Durch Partnerschaften Europa verstehen

    Für Schörcher hat der Austausch zwischen den beiden Städten etwas zum Verständnis für Europa beigetragen:

    "Diese Städtepartnerschaften tragen im Kleinen dazu bei, dass man geneigter ist zu sagen: Europa ist eine gute Sache." Michaela Schörcher, Partnerschaftsverein

    Erst durch eine Städtepartnerschaft sei es möglich, andere Länder und andere Sprachen wirklich kennen und auch verstehen zu lernen. Für die Vorsitzende ist aber eines ganz wichtig: Auch andere Meinungen müssen akzeptiert werden. Durch die Städtepartnerschaft werde mitunter das Interesse an der Auslandspolitik geweckt. Schörcher selbst folgt beispielsweise auf Twitter unter anderem Emmanuel Macron.

    Lebendiges Miteinander

    Schörcher ist seit 25 Jahren Vorsitzende des Vereins. Alle zwei Monate gibt es in Landshut einen Stammtisch. Ihrer Meinung nach ist durch die Städtepartnerschaft und dem daraus gegründeten Verein auch eine engere Bindung zwischen den Landshutern selbst entstanden.

    Um die Partnerschaft und den Zusammenhalt mit den französischen Bürgern zu stärken, gibt es Begegnungstermine mit Vereinen oder Verbänden bei Veranstaltungen: Treffen im Elsass, in Burgund oder am Bodensee. Dieses Jahr im Herbst treffen sich der Landshuter und der Compiègner Verein in Würzburg.

    Die Berufsschule l, ll und die BOS pflegen durch die Schüleraustauschprogramme mit der Cité Technique Mireille Grenet in Compiègne einen regen Kontakt mit der Partnerstadt.

    Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich

    Wie Schörcher erzählt, seien über die Jahre hinweg auch Freundschaften zwischen Deutschen und Franzosen entstanden - auf den großen Festen sei man immer dabei, wie beispielsweise auf der Landshuter Hochzeit. Womöglich durch das Landshuter Spektakel inspiriert, hat die Städtepartnerschaft sogar Ehen hervorgebracht.

    Das nächste große, gemeinsame Ereignis steht schon für nächstes Jahr im Mai fest: das alle fünf Jahre stattfindende Europafest in der Landshuter Altstadt. Auch hier wird nicht nur die Partnerschaft zwischen Landshut und Compiègne gefeiert, sondern mittlerweile auch die Freundschaft.

    © Stadt Landshut

    Das Europafest in der Landshuter Altstadt aus dem Jahr 2015. Das Fest findet nur alle fünf Jahre statt.