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#Städtepartnerschaft: Nürnbergs Weg aus der NS-Vergangenheit | BR24

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14 Partnerstädte zählt die Stadt Nürnberg. Nur wenige Städte in Deutschland haben mehr Partnerschaften. Der Grund liegt in der Geschichte Nürnbergs.

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#Städtepartnerschaft: Nürnbergs Weg aus der NS-Vergangenheit

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Nürnberg früh die ersten Städtepartnerschaften geschlossen. Es galt, die NS-Vergangenheit aufzuarbeiten und Brücken zwischen ehemaligen Feinden zu bauen - nicht immer war das einfach.

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14 Partnerstädte zählt die Stadt Nürnberg - dazu kommen acht befreundete Städte, mit denen lose Partnerschaften bestehen. Nur wenige Städte in Deutschland haben mehr. Zudem gründete Nürnberg einen eigenen Koordinationsstab: das Amt für Internationale Beziehungen.

Dass Nürnberg so viele Städtepartnerschaften eingegangen ist, hat einen Grund: Während der NS-Zeit wurden in Nürnberg die Reichsparteitage abgehalten und die menschenverachtenden "Nürnberger Gesetze" verkündet. Nach dem Krieg wollte Nürnberg aus seiner Geschichte lernen und sich zur "Stadt des Friedens und der Menschenrechte" wandeln, so Norbert Schürgers, der Leiter des Amts für Internationale Beziehungen. Freundschaftliche Beziehungen und Austauschprogramme mit anderen Städten sind bis heute ein Schlüssel dafür.

Nürnberg-Hadera: Ein langer Weg zur Partnerschaft

Bereits 1954 schloss Nürnberg einen sogenannten Verbrüderungseid mit Venedig, Locarno, Nizza und Brügge. Mit Venedig und Nizza besteht noch heute eine Partnerschaft. Lange bemühte sich Nürnberg erfolglos um eine Zusammenarbeit mit einer israelischen Stadt. "In Israel hieß es immer: Nein, niemals mit Nürnberg, der Nazi-Stadt", berichtet Schürgers. Nach großem Einsatz von Arno Hamburger, dem langjährigen Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg, unterzeichneten 1995 Nürnberg und Hadera schließlich einen Städtepartnerschaftsvertrag.

Beitrag zum Friedensprozess

Mittlerweile pflegt Nürnberg auch eine Städtefreundschaft zu Nablus auf palästinensischer Seite. Das Ziel sei dabei auch, den Friedensprozess zwischen Israel und Palästina zu unterstützen - auf Städteebene, sagt Schürgers. Häufig seien auf dieser Ebene pragmatische Lösungen möglich. So hatte Nablus dringend Feuerwehrautos gebraucht. Die Stadt Nürnberg konnte ausrangierte Fahrzeuge, Ausrüstung und Schulungen bereitstellen. Die Partnerstadt Hadera hatte kein Problem damit. Ein Projekt, das Hadera und Nablus enger zusammenbringen könnte, wäre eine gemeinsame Müllverbrennungsanlage für beide Städte, so Schürgers. Die Planungen dazu laufen.

Städtepartnerschaften und internationale Politik: Beispiel Glasgow

Die Städtepartnerschaften und –freundschaften sind häufig geprägt von der großen Politik. So auch die Partnerschaft mit Glasgow. Der Brexit macht auch dem Amt für Internationale Beziehungen in Nürnberg Sorgen. "Viele Projekte, die wir in Glasgow derzeit organisieren, sind von EU-Geldern getragen. Die werden wohl wegfallen, wenn Großbritannien die EU verlässt", sagt Schürgers. Große Projekte werden derzeit nicht mehr geplant, weil nicht klar ist, ob die Gelder noch fließen werden, bedauert Schürgers. Die Unsicherheit darüber, wie der Brexit abläuft, verschärfe die Situation.

Internationales Jugendcamp 2025 geplant

Das Amt für Internationale Beziehungen organisiert zusammen mit Partnerschaftsvereinen 400 bis 500 Aktivitäten pro Jahr. Mehrere Tausend Nürnberger kommen so jährlich in Kontakt mit den Partnerstädten - meist über Austauschprogramme und Bürgerreisen. Für das Jahr 2025 plant Nürnberg ein internationales Jugendcamp in der Stadt, dass die Partnerstädte auch untereinander vernetzten soll. Rund 200 Jugendliche werden teilnehmen. In dem Jahr hofft die Stadt sich mit dem Titel Europäische Kulturhauptstadt schmücken zu können.

Das Jugendcamp soll aber auch stattfinden, wenn Nürnberg nicht Kulturhauptstadt wird.