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Städtepartnerschaft in unruhigen Zeiten: Atlanta und Nürnberg | BR24

© Eleonore Birkenstock

Atlanta liegt im US-Bundesstaat Georgia

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Städtepartnerschaft in unruhigen Zeiten: Atlanta und Nürnberg

Atlanta ist die Hauptstadt des Bundesstaates Georgia im Südosten der USA. Und sie ist eine Partnerstadt Nürnbergs. Durch die Corona-bedingten Reisebeschränkungen ist der persönliche Austausch derzeit schwierig. Aber er findet dennoch statt.

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© BR / Eleonore Birkenstock

In Zeiten von Corona ist der persönliche Ausstausch schwierig - auch zwischen den Partnerstädten Nürnberg und Atlanta.

Als Reporterin habe ich auch private Verbindungen nach Atlanta: Meine Schwester lebt dort. Sie habe den Eindruck, die Lage sei sehr angespannt, erzählt mir meine Schwester. Immer wieder texten wir uns oder telefonieren. Es gebe einfach viel Verunsicherung. Zum einen steigt die Zahl der an Corona erkrankten Menschen, die einher geht mit der uneinheitlichen Haltung der verantwortlichen Politiker, zum anderen beunruhigen die Bürger wiederholte Ausbrüche von Gewalt.

Kontakt zur Partnerstadt halten

Christina Plewinski vom Nürnberger Amt für Internationale Beziehungen kennt die Probleme in der Partnerstadt. Sie steht regelmäßig in Kontakt mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf der anderen Seite des Atlantiks. Atlanta war sogar die erste Partnerstadt, die zu einer virtuellen Konferenz mit allen Partnerstädten aufgerufen hat. "Jede Stadt sollte erzählen: Wie sieht es bei euch gerade aus? Was sind eure Strategien?“, erzählt Christine Plewinski.

Atlanta: Maske oder nicht?

Während es in Deutschland und damit auch in Nürnberg eine Maskenpflicht etwa in Supermärkten und Restaurants gibt, ist die Lage in den USA sehr uneinheitlich: Die Bürgermeisterin von Atlanta, Keisha Lance Bottoms, will die Maskenpflicht in der Stadt. Der ihr übergeordnete Gouverneur des Bundesstaates Georgia Kemp verbietet den Städten nun aber, eine Maskenpflicht anzuordnen. Gegen die Bürgermeisterin von Atlanta reichte er sogar Klage ein.

Austauschprogramme abgesagt

Nürnberg und Atlanta sind seit 22 Jahren Partnerstädte. Das Nürnberger Christkind reist in die Südstaatenmetropole, Schülerinnen und Schüler beider Städte besuchen sich. Doch ein wichtiges Projekt, der Besuch von Jugendlichen aus Atlanta, ist dieses Jahr ausgefallen. Der Austausch muss derzeit digital laufen – anders geht es nicht.

Thema Rassismus

Es gebe in den Südstaaten noch viel unterschwelligen Rassismus, erzählt Christina Plewinski, allerdings nicht mehr so offensichtlich wie Ende der Achtziger Jahre. Damals wollte sie mit einem Afroamerikaner in Atlanta essen gehen – und wurde nicht bedient. In Atlanta machen Afroamerikaner aber mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus.

Nürnberg musste dazulernen

Nürnberg legt Wert darauf, dass Jugendliche mit unterschiedlichen Hintergründen aus Atlanta nach Franken kommen. Doch anfangs hatten sich für das Austauschprogramm keine Afroamerikaner gemeldet. Warum nicht? In dieser Hinsicht mussten die Nürnberger etwas dazulernen. Afroamerikanische Jugendliche wollten nicht mitkommen, weil keine Begleitperson mit der gleichen Hautfarbe dabei gewesen wäre, berichtet Christina Plewinski. Das hätten ihnen auch die Eltern bestätigt. "Jetzt achten wir darauf, dass die, die begleiten, also die Lehrer, auch schwarz sind", erzählt sie.

Menschenrechte und die Bürgerrechtsbewegung

Als Rückgrat für die Partnerschaft zwischen Nürnberg und Atlanta gelten die Themen Menschenrechte und die Bürgerrechtsbewegung in den USA. Denn Atlanta war die Heimat von Martin Luther King, dem bekanntesten Sprecher des Civil Rights Movement, der Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner in den 1950er und 60er Jahren. King propagierte den gewaltlosen, zivilen Ungehorsam als Mittel gegen die politische Praxis der Rassentrennung in den Südstaaten der USA.

Was Nürnberg und Atlanta verbindet

Als die Stadtspitze von Atlanta sich nach einer europäischen Partnerstadt umgesehen hat, konnte Nürnberg mit seinem Engagement für Menschenrechte punkten. Auch aufgrund des Austauschs mit Nürnberg steht in Atlanta nun neben dem Aquarium und dem Coca-Cola-Museum das ‚National Center for Civil and Human Rights‘ – ein Museum über Bürgerrechts- und Menschenrechtsbewegungen weltweit. Ein tolles Haus, findet Christina Plewinski.

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