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#Städtepartnerschaft: Hof nutzte ein Loch im Eisernen Vorhang | BR24

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Die Oberbürgermeister von Plauen und Hof, Dr. Norbert Martin und Dr. Hans Heun, bei der Unterzeichnung der Städtepartnerschaft.

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    #Städtepartnerschaft: Hof nutzte ein Loch im Eisernen Vorhang

    Hof und Plauen sind nur knapp 30 Kilometer voneinander entfernt – dass die Oberfranken und die Sachsen noch vor dem Mauerfall eine Städtepartnerschaft besiegelten, hat auch mit Franz Josef Strauß und dem Milliardenkredit an die marode DDR zu tun.

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    33 Kilometer sind es von Plauen nach Hof – eine beachtliche Leistung für Jogger, doch durchaus machbar. Heute sind rund 200 Sportler aus Oberfranken und Sachsen gemeinsam auf der Strecke unterwegs – wie jedes Jahr Mitte August. Noch in den 80er-Jahren war das ein Ding der Unmöglichkeit, denn zwischen den beiden Städten verlief der Eiserne Vorhang.

    Die Folgen des DDR-Milliardenkredits

    Doch dann tat sich ein kleines Loch auf – durch den Milliardenkredit, den die Bundesrepublik der maroden DDR auf Vermittlung des bayerischen Ministerpräsidenten Strauß gewährte. Und dieses kleine Loch nutzte der Hofer Oberbürgermeister Hans Heun: Denn das SED-Regime war zu Zugeständnissen bereit – unter anderem zum Abbau der Selbstschuss-Anlagen an der Grenze und zum Aufbau von Städtepartnerschaften. Die erste wurde im September 1986 unterzeichnet: zwischen Eisenhüttenstadt ganz im Osten der DDR und Saarlouis ganz im Westen der Bundesrepublik. Da stimmte DDR-Staatschef Honecker, ein gebürtiger Saarländer, gern zu.

    Nähe als Problem

    Aber beim Vertrag zwischen Hof und Plauen hatte die DDR-Führung mehr Bedenken. Eben weil nur 30 Kilometer zwischen den beiden Städten lagen, es alte Freundschaften und verwandtschaftliche Beziehungen gab. Bis zur Teilung hatten die Hofer gern Ausflüge nach Plauen unternommen – und die Sachsen sich das Bier der Oberfranken schmecken lassen. Und da fürchtete die SED, dass der eine oder die andere Partnerschaftsbesuche vielleicht zur Flucht nutzen könnten.

    Nach langen Verhandlungen gab Ostberlin dann doch grünes Licht: Hof und Plauen unterschrieben am 9. Oktober 1987 den Vertrag. Übrigens: Erlangen und Jena hatten bereits im März '87 die erste Städte-Ehe zwischen Bayern und der DDR besiegelt.

    Mühsame Besuche

    Die Hoffnungen auf lockere Bürgerreisen scheiterte aber an den strengen Vorgaben des DDR-Regimes. Und so blieben die 30 Kilometer zwischen Hof und Plauen für viele nach wie vor eine unüberwindbar Distanz. "Nur ausgewählte Menschen durften nach Hof reisen. Für die normale Bevölkerung existierte die Städtepartnerschaft nicht", erinnert sich Steffi Behncke aus Plauen.

    Erinnerungskultur als wichtige Säule

    Behncke leitet heute das Kulturreferat im Plauener Rathaus, zusammen mit Jürgen Stader von der Hofer Stadtverwaltung macht sie sich stark für Erinnerungskultur – damit der Irrsinn der Teilung nicht in Vergessenheit gerät: So organisieren Behncke und Stader zum Beispiel immer im November die Deutsch-Deutschen-Filmtage und begleiten Ost-West-Schülerprojekte. Ansonsten setzen sich Plauen und Hof im Sächsisch-Bayerischen Städtenetz zusammen mit Bayreuth, Chemnitz, Zwickau und Marktredwitz zum Beispiel für bessere Bahnverbindungen oder die Förderung von Nachwuchs-Künstlern ein.

    Aber wie in jeder Beziehung gibt es auch unterschiedliche Ansichten - so stieg zum Beispiel die Stadt Plauen bei der Finanzierung des Flughafens in Hof wieder aus – obwohl viele Unternehmer aus Sachsen die Landebahn in Oberfranken nutzen.

    Kontakte zwischen Nachbarn

    Organisierte Bürgerreisen sind bei 30 Kilometern Entfernung kein Thema. Stattdessen pflegen Kirchengemeinden oder Sportler selbst ihre Kontakte – zum Beispiel beim Städtelauf Hof-Plauen am heutigen Samstag.