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Stadtterrassen in München - Neue Plätze für die Nachbarschaft

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Stadtterrassen in München - Neue Plätze für die Nachbarschaft

Nach den Schanigärten gibt es in München nun auch Stadtterrassen in Straßen und Plätzen: Mietfrei, für jeden zugänglich und ohne Konsumzwang. Doch nicht jedem gefallen die selbst gebauten Terrassen und natürlich gibt es Auflagen.

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Von
  • Katharina Pfadenhauer

Thorben Gellner hat über E-Bay-Kleinanzeigen Holzpaletten gekauft, aus denen er jetzt Tische und Stühle schreinert. In der Münchner Adams-Lehmann-Straße kommt gerade die Nachbarschaft zusammen, um gemeinsam eine Stadtterrasse aufzubauen. "Ich bin hier ein Anwohner und der Zettel hing dann eben an der Tür", erzählt Thorben Gellner, "und da ich ein bisschen handwerkliches Geschick mitbringe, dachte ich mir, mach ich gerne mit."

Stadträtin hatte Idee: Geselligkeit und Konsumfreiheit

Anwohnerin Marcia Zieglmeier hat die Terrasse beim Bezirksausschuss angemeldet. Sie wollte dem Platz in der Adams-Lehmann-Straße mehr Aufenthaltsqualität geben. "Das ist einfach ein überdimensional großer, sehr breiter Bürgersteig, der versiegelt ist und wo gerne auch mal Autos parken."

Auch die Münchner SPD-Stadträtin Lena Odell schaut in der Adams-Lehmann-Straße vorbei, um zu sehen, wie die Aufbauarbeiten der Stadtterrasse vorangehen. Sie hatte die Idee zu den Terrassen und beim KVR den Antrag gestellt.

Gerade in der sozial schwierigen Corona-Zeit wollte sie Anwohnerinnen und Anwohnern die Möglichkeit geben, ohne Kaufzwang zusammenzukommen, sagt die SPD-Politikerin. "Einfach diesen öffentlichen Raum nochmal anders nutzbar machen und Konsumfreiheit schaffen."

"Illegalen" Präzedenzfall gab es schon 2020

Auch wenn Odell die Idee hatte - sie wusste nicht, dass es einen Vorläufer gab: Mit einer Lichterkette fing alles im Jahr 2020 an. Am Breisässer Platz hatte das Kollektiv "Die Städtischen" Sitzgelegenheiten, Pflanzen und eine Lichterkette aufgebaut, um den Platz zu "beleben".

"Wir haben von unserem WG-Zimmer immer auf diesen leeren Platz geschaut und wollten was machen, das wurde auch super angenommen", erzählt Initiatorin und Architekturstudentin Elisa Maschmeier. Doch die Ursprungs-Stadtterrasse musste im Oktober 2020 wieder abgebaut werden: Es gab keine Genehmigung seitens der Stadt. "Es war ja eigentlich illegal und irgendwer hat sich anonym beschwert", erinnert sich Maschmeier.

In diesem Jahr hat das Kollektiv aber dann wieder die Möbel aufgestellt und eine Genehmigung ausgehandelt. "Wir sind da einfach vorgeprescht und zeitgleich lief zufälligerweise auch der Stadtratsantrag." Auf einem anliegenden Parkplatz möchte das Kollektiv um Elisa Maschmeier bis Ende Oktober noch Hochbeete aufbauen.

Kaiserplatz wird gut genutzt

Auch am Kaiserplatz im Stadtteil Schwabing West steht bereits eine solche Terrasse und wird auch gut genutzt, sagt Initiatorin Katharina Wagner: "Familien sitzen hier ganz oft oder in der Früh frühstücken welche." Sogar Alt-Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) habe schon vorbeigeschaut.

Katharina und ihr Mann Christian Wagner leiten die Grafikdesign-Schule "Burke-Akademie" am Kaiserplatz und haben mit ihren Studentinnen und Studenten die Terrasse finanziert und aufgebaut. Rund 300 Euro haben sie für Material ausgegeben, plus 50 Euro Verwaltungsgebühr, erzählen die Wagners.

Gegenwind aus der Nachbarschaft

Die Terrasse soll jetzt jeder nutzen können, wünscht sich Wagner. "Hier parken normalerweise immer nur illegal Autos und wir dachten, wir nutzen diesen toten Raum für die Nachbarschaft, dass man sich auch ein bisschen kennenlernt."

Zu Beginn seien aber nicht alle Anwohnerinnen und Anwohner begeistert gewesen. "Hier gibt es eine Nachbar-Chatplattform", erzählt Wagner, "und da haben wir dann ganz schön Gegenwind gelesen". Besorgte Nachbarinnen und Nachbarn beschwerten sich, der Ort könnte zur "Sauf- und Müllecke" werden. "Da waren wir total schockiert, weil wir uns so bemüht hatten."

CSU-Stadtrat: "Nicht sofort grünes Licht"

Bereits Mitte Juni hatte der Münchner Stadtrat den Weg frei gemacht für das Konzept "Stadtterrasse". CSU-Stadtrat Thomas Schmid äußerte aber ähnliche Bedenken wie die Nachbarn am Kaiserplatz. Er macht sich Sorgen, dass die Terrassen zu viel Lärm und Müll verursachen könnten.

Hierbei habe er vor allem Jugendliche im Blick, wie er sagt: Wenn man sehe, so Schmid, dass "Jugendliche und junge Erwachsene zu Scharen durch die Stadtviertel ziehen und oft bis in die frühen Morgenstunden feiern", könne man Schmidt zufolge "nicht sofort grünes Licht für die Stadtterrassen geben."

Kein privater Balkonersatz, Musik verboten

Für die Stadtterrassen gelten deshalb gewisse Regeln. Zum Beispiel ist Musik verboten. Die Möbel müssen wetterfest und die Terrassen mindestens 50 Meter von den Freischankflächen entfernt sein.

Dazu sollen die Stadtterrassen ein Angebot für alle sein, nicht etwa privater Balkonersatz für Anwohnerinnen und Anwohner. "Jeder kann sie nutzen, ohne sich dabei etwas kaufen zu müssen", betont Stadträtin Odell. Bisher sind in München drei Terrassen genehmigt, vier weitere Anfragen liegen vor. Zugelassen sind die Stadtterrassen für diesen Sommer, danach soll das KVR Bilanz ziehen und einen Vorschlag für 2022 machen.

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