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Würzburg: Stadtrat folgt Forderungen von Fahrrad-Bürgerentscheid | BR24

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Fahrradfahren in Würzburg - oft alles andere als schön

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Würzburg: Stadtrat folgt Forderungen von Fahrrad-Bürgerentscheid

Würzburg will fahrradfreundlicher werden. Unter anderem soll ein enges Netz von 2,30 Meter breiten Radwegen und Fahrradparkplätzen entstehen. Damit soll ein aktueller Bürgerentscheid überflüssig werden. Scharfe Kritik kommt aus der Wirtschaft.

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Der Würzburger Stadtrat hat am Donnerstagabend entschieden, die Forderungen des laufenden Fahrrad-Bürgerbegehrens ohne einen möglichen Bürgerentscheid umzusetzen. 38 Stadträte stimmten für eine entsprechende Beschlussvorlage, die Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) eingebracht hatte. Das Würzburger Bündnis "Verkehrswende jetzt“ hatte am 16. September 2019 ein Bürgerbegehren für einen Radentscheid gestartet. Über 2.000 Leute haben sich seit dem eingetragen.

Bürgerbegehren überflüssig

13 Tage nach dem Start steht fest, dass ein Bürgerentscheid offenbar nicht mehr notwendig ist: Der Beschluss sieht vor, die Forderungen des Bürgerbegehrens umzusetzen. Die Organisatoren plädieren unter anderem für ein sichereres und engmaschigeres Radnetz. Ganz konkret wollen sie etwa 2,30 Meter breite Fahrradwege entlang von Straßen, an denen schneller als Tempo 30 gefahren werden darf. Außerdem fordern sie mehr Abstellanlagen für Fahrräder, etwa an ÖPNV-Knotenpunkten, und ein Netz aus optisch hervorgehobenen Rad-Vorrangrouten, die alle Stadtbezirke verbinden.

Fahrradfreundlicher auch zu Lasten des Autoverkehrs

"Wir freuen uns und hoffen jetzt natürlich auf eine rasche Umsetzung“, sagte Volker Glöckner vom Bündnis "Verkehrswende jetzt“ im Anschluss an den Beschluss. Die Stadt Würzburg will die genannten Maßnahmen, so weit wie möglich, bis 2025 einrichten – "gegebenenfalls auch zu Lasten der Leistungsfähigkeit des Kfz-Verkehrs“, heißt es in der Vorlage.

Scharfe Kritik von Wirtschaftsverbänden

Kritik kommt postwendend von den Würzburger Industrie- und Handelsverbände IHK und HBE. Die Beschlüsse gingen auf Kosten des Autoverkehrs. „Würzburg beschließt den Verkehrsinfarkt“, schreiben die Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt, sowie der Handelsverband Bayern (HBE) e.V., Bezirk Unterfranken am Freitag in einer Pressemitteilung. Anstatt die erforderliche Mobilitätswende im Konsens und auf den Schultern aller Verkehrsträger anzustreben, belaste der Beschluss des Stadtrates ausschließlich den Pkw-Verkehr. Außerdem blende der Beschluss die Realität zu großen Teilen aus. Die Wirtschaft plädiert dafür, besser stärkere Anreize für ein verändertes Mobilitätsverhalten zu schaffen.

Hohe Abhängigkeit Würzburgs vom Umland

Die beiden Verbände untermauern ihre Argumentation mit Zahlen. So seien 2018 laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit rund 56.000 Berufstätige täglich nach Würzburg gependelt. Rund 607 Millionen Euro fließen laut einer weiteren Studie 2019 aus dem Umland in den Einzelhandel der Stadt Würzburg. Das entspricht rund 40 Prozent des gesamten städtischen Einzelhandelsumsatzes. Fast eine Millionen Übernachtungsgäste haben 2018 die Stadt Würzburg besucht, dazu kommen mehrere Millionen Tagesgäste.

Einfluss des Autobahnverkehrs nicht beachtet

"Der Grundsatzbeschluss ist alles andere als ein Paradigmenwechsel zugunsten einer nachhaltigen Zukunftsmobilität“, betont Ralf Jahn, Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt. "Der Beschluss trifft insbesondere die innerstädtischen Händler, aber auch die Dienstleister und das Gastgewerbe hart“, ergänzt Volker Wedde, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern e.V. Völlig unbeachtet bleibe zudem der Einfluss des Fernstraßenverkehrs auf Würzburg: Bei einem Stau auf der A3 blockiert der Umfahrungsverkehr bereits heute die Innenstadt. Wird der Pkw-Verkehr wie nun beschlossen weiter eingeschränkt, würde der Verkehr in der Innenstadt kollabieren. "Würzburg hat offiziell den Verkehrsinfarkt beschlossen“, betonen Jahn und Wedde einstimmig.