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"Stadtluft macht frei": Minister bedauert Irritationen | BR24

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Irritationen um Namen "Stadtluft macht frei"

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"Stadtluft macht frei": Minister bedauert Irritationen

Wissenschaftsminister Sibler bedauert, dass das Motto der Bayerischen Landesausstellung 2020 schmerzhafte Assoziationen an die Gräuel des Nationalsozialismus ausgelöst hat. Die beteiligten Personen will er zu einem klärenden Gespräch einladen.

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Der bayerische Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler hat sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass das Motto der Bayerischen Landesausstellung 2020 Assoziationen an die Zeit des Nationalsozialismus auslöst. Zuvor hatte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, gefordert, den Titel zu verändern.

In einem am Montagnachmittag veröffentlichten Statement betont Sibler: "Ein respektvoller und verantwortungsvoller Umgang mit den grauenhaften Verbrechen des Holocaust hat höchsten Stellenwert. Antisemitismus hat im Freistaat keinen Raum – das gilt selbstverständlich für unsere Kunst- und Kulturlandschaft und damit auch für die Landesausstellungen des Hauses der Bayerischen Geschichte."

Bezeichnung für bürgerliche Freiheit

Der in der Geschichtswissenschaft verankerte Grundsatz "Stadtluft macht frei" meine, dass der Bürger einer Stadt persönliche Freiheiten genieße im Gegensatz zum Untertanen auf dem Land. Diese historische Praxis des Mittelalters, um die es in der Landesausstellung gehe, hätten Gelehrte wie Ernst T. Gaupp im 19. Jahrhundert in dem Rechtsgrundsatz "Stadtluft macht frei" zusammengefasst. Seither werde er in der Geschichtswissenschaft für die Bezeichnung des Sachverhaltes bürgerlicher Freiheit gängig verwendet und an den Universitäten gelehrt.

Kritik von Charlotte Knobloch

Die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch forderte die sofortige Umbenennung der Ausstellung. Die Nähe zur menschenverachtenden Toraufschrift an nationalsozialistischen Konzentrationslagern – "Arbeit macht frei" – habe sie entsetzt. "Ohne großes Aufhebens sollte das ganz schnell geändert werden. Weil das vergiftet Menschen, vergiftet junge Menschen und hat einen sehr schlechten Beigeschmack", sagte Knobloch dem Bayerischen Rundfunk.

Landesausstellung verteidigt Titel

Dass der Titel Assoziationen mit dem Schriftzug über NS-Konzentrationslagern "Arbeit macht frei" wecken könnte, wie von Charlotte Knobloch befürchtet, kann Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, nicht nachvollziehen. Historisch sei die Aussage "Stadtluft macht frei" Ausdruck des Traumes vieler Bürger damals, in der Stadt die erhoffte Freiheit zu finden. "Wir müssen uns wieder daran gewöhnen, dass wir eine lange Geschichte haben und dass der Begriff 'Stadtluft macht frei' mit 'Arbeit macht frei' nichts zu tun hat, sondern genau die gegenteilige Philosophie verkörpert", erklärt Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte.

Klärendes Gespräch geplant

Minister Sibler kündigte an, er werde die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, und den Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl, zeitnah zu einem persönlichen klärenden Gespräch einladen.

Die Bayerische Landesausstellung 2020 wird von den Städten Friedberg und Aichach, sowie dem Landkreis Aichach gemeinsam ausgetragen. Ausstellungsort ist unter anderen das neu renovierte Friedberger Schloss, in dem heute das Kampagnenmotiv vorgestellt wurde. Zwischen Mai und November 2020 werden dazu rund 100.000 Besuchern aus ganz Bayern erwartet.