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Ein Konzept der OTH Regensburg kommt zum Schluss: Seilbahn-Linien könnten den Verkehr in der Stadt sinnvoll entlasten. Die Regensburger Stadtpolitik zeigt Interesse an dem Vorschlag, doch noch müssen Vor- und Nachteile genau untersucht werden.

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Stadt Regensburg offen für Seilbahn-Pläne

Ein Konzept der OTH Regensburg kommt zum Schluss: Seilbahn-Linien könnten den Verkehr in der Stadt sinnvoll entlasten. Die Regensburger Stadtpolitik zeigt Interesse an dem Vorschlag, doch noch müssen Vor- und Nachteile genau untersucht werden.

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Von
  • Andreas Wenleder
  • BR24 Redaktion

Professor Ulrich Briem ist von der Seilbahn-Technik überzeugt. Mitten auf dem Campus der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg zeigt er in die Luft. Hier, quer über das Hochschulgelände, könnte eine Seilbahnlinie entlangführen, gehalten von rund 20 Meter hohen Stützen. "Die Gondeln würden hier über uns schweben und direkt vom Hauptbahnhof den Berg hochkommen", sagt Briem.

Seilbahn-Linien sinnvoll?

Zusammen mit einer Gruppe Maschinenbau-Studenten hat der Professor zwei Semester lang untersucht, ob ein Seilbahn-Linien-Konzept für Regensburg sinnvoll wäre. Dabei mussten viele Faktoren beachtet werden: unter anderem die Anzahl an Menschen, die je nach Konzept transportiert werden können, die Kosten für die Errichtung der Seilbahnen und die örtliche Machbarkeit. Zum Beispiel mussten Trassenverläufe gesucht werden, deren Träger-Säulen auf öffentlichem Grund errichtet werden können, nur so sei eine schnelle Umsetzung möglich, sagt Briem.

Konzept: Drei Linien mit 18 Stationen

Am Ende stand das Konzept: Drei Linien mit einer Gesamtlänge von 14 Kilometern und 18 Stationen sieht es vor. Dazwischen sollen Zehn-Personen-Gondeln über die Stadt hinweg schweben. Diese "Einseil-Umlaufbahn", wie sie der Professor nennt, könnte 3.000 Menschen pro Stunde und Richtung transportieren, sagt Briem. "Möchte man das mit 50-Sitzer-Bussen machen, müsste jede Minute ein Bus fahren", sagt der Professor.

Seilbahn sei deutlich günstiger als geplante Stadtbahn

Dazu kommt ein weiterer Vorteil der Seilbahn: Sie ist anders als die für Regensburg geplante Stadtbahn nicht auf die Straße angewiesen. "Da bieten sich als Alternative zwei Lösungen an. Entweder man geht eine Etage tiefer, Richtung U-Bahn. Kann man machen, ist aber sehr teuer. Oder man geht eine Etage höher Richtung Seilbahn", sagt Briem. Diese sei deutlich günstiger als die geplante Stadtbahn. Etwa 6.000 Euro Kosten hat die Gruppe für einen Meter Seilbahn berechnet. Die Stadtbahn kommt bei Briem auf 10.000 Euro pro Meter und die teure Alternative U-Bahn sogar auf 100.000 Euro pro Meter.

Linien sollen am Hauptbahnhof zusammenkommen

Die drei Linien sollten nach dem Vorschlag der Gruppe am Hauptbahnhof zusammenlaufen. Von dort würde eine östlich der Altstadt über die Donau nach Norden verlaufen und so die wenigen Brücken über die Donau entlasten. Eine zweite Linie würde vom Hauptbahnhof aus südlich der Altstadt nach Westen verlaufen und die Donau queren. Die dritte Linie würde den Hauptbahnhof mit dem Regensburger Campus verbinden und bis zum Universitätsklinikum hinaufführen.

Stärke der Seilbahn bei Universität und OTH

Bei Universität und OTH könnte die Seilbahn ihre Stärken ausspielen, glaubt Ulrich Briem: Trotz fester Vorlesungszeiten würden Studenten den Campus nicht auf einen Schlag verlassen. Die kontinuierlich laufende Seilbahn könnte sie nach und nach aufnehmen. Das Gegenbeispiel wäre laut Briem der Schichtwechsel in einer großen Fabrik, wenn Hunderte gleichzeitig auf ein Verkehrsmittel warten, wären 10-Personen-Gondeln keine sinnvolle Alternative.

Weitere Fragen sind zu klären

Auch andere Punkte müssten vor einer Umsetzung noch genauer untersucht werden. Die Betriebskosten, der Personalaufwand für Wartung und Sicherheit an den Stationen sowie ganz praktische Fragen: So sollte die Seilbahn hoch genug sein, damit die Fahrgäste den Anwohnern nicht in die Wohnungen im vierten Stock schauen können. Geklärt werden muss auch, was im Falle eines Defekts passiert, wenn Hunderte Menschen aus den Gondeln gerettet werden müssten.

Fragen sollen durch Machbarkeitsstudie aufgeklärt werden

Diese Fragen könnte eine Machbarkeitsstudie klären, die eine Fraktion im Regensburger Stadtrat bereits aktiv fordert. Für Florian Rottke von der Fraktion Brücke im Stadtrat sei die Technik vor allem geeignet, örtliche Verkehrshindernisse wie die Donau oder den Höhenzug im Norden der Stadt zu umgehen. "Das sind alles schwierige topografische Gegebenheiten, wo Tunnel oder Brücken gebaut werden müssten. Eine Seilbahn ist da eine schnelle und kostengünstige Lösung", sagt der Stadtrat.

Seilbahn-Konzept schon länger im Blick der Stadt

Auch die Regensburger Stadtverwaltung zeigt sich offen für die Pläne. Das Seilbahn-Konzept habe die Stadt schon länger im Blick, sagt Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD). Die Seilbahn werde als mögliche ÖPNV-Alternative auch im gerade entstehenden Verkehrskonzept "Regensburg 2040" genannt: "Die OTH-Studie liegt mir zwar noch nicht vor, die Ergebnisse, die über die Medien bekannt gemacht wurden, klingen jedoch sehr spannend und äußerst interessant", so die Oberbürgermeisterin.

© OTH/Ulrich Briem

Teil 1 des Linienplans

© OTH/Ulrich Briem

Teil 2 des Linienplans

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