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Stadt Nürnberg beschließt Einstieg in die Verkehrswende | BR24

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Künftig sollen mehr Nürnberger zu Fuß, mit dem Fahrrad und dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sein. Das ist das Ziel des Mobilitätspakts, den der Stadtrat beschlossen hat. Der Radentscheid ist deshalb abgesagt.

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Stadt Nürnberg beschließt Einstieg in die Verkehrswende

Künftig sollen mehr Nürnberger zu Fuß, mit dem Fahrrad und dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sein. Das ist das Ziel des Mobilitätspakts, den der Stadtrat beschlossen hat. Der Radentscheid ist deshalb abgesagt.

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Von
  • Michael Reiner

Sie haben sich abgestrampelt. Rund 26.000 Unterschriften hat die Initiative Radentscheid in den vergangenen Monaten gesammelt. Für bessere Radwege in Nürnberg. Nun sind sie am Ziel angelangt. Im großen Sitzungssaal im Nürnberger Rathaus hängen die Radlbotschafter ihr Transparent auf. Gleich wird der Mobilitätspakt vorgestellt. Darin werden alle Forderungen der Initiative umgesetzt. Und noch viel mehr. Der Pakt ist der Einstieg in die Verkehrswende.

Bürgerentscheid wäre teuer geworden

"Wir hatten zehn Forderungen für eine sichere Radinfrastruktur. Die sind alle in dem Papier abgebildet. Und es geht darüber hinaus", sagt Markus Stripp, einer der Sprecher der Initiative. Deshalb wird es auch nicht zum ursprünglich angestrebten Bürgerentscheid kommen. Eine Entscheidung, über die man im Nürnberger Rathaus erleichtert ist. Denn der Urnengang hätte rund 600.000 Euro gekostet und es wäre sehr aufwändig gewesen, ihn unter Corona-Bedingungen durchzuführen.

100.000 Autofahrten pro Tag weniger

Ohne die vielen Unterschriften wäre der Mobilitätspakt nicht ins Rollen gekommen, sagt Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU). In langen Verhandlungen haben sich die Stadt, die Initiative und die großen Parteien auf den Pakt geeinigt. Dabei geht nicht mehr nur um bessere Bedingungen für Radfahrer. Es geht um Klimaschutz, umweltfreundliche und nachhaltige Mobilität. Ziel ist es, dass in Nürnberg künftig weniger Autos fahren. 100.000 Autofahrten pro Tag sollen bis zum Jahr 2030 eingespart werden. Derzeit werden im Stadtgebiet fast 600.000 Autofahrten gezählt.

Radvorrangrouten durch die gesamte Stadt

Ein wichtiger Punkt ist die Förderung des Radverkehrs. Bis zum Jahr 2030 soll ein engmaschiges, lückenloses und sicheres Radwegenetz geschaffen werden. Die Wege sollen mindesten 2,30 Meter breit, frei von Schlaglöchern und gut markiert sein. Rückgrat ist ein 135 Kilometer langes Netz von sogenannten Radvorrangrouten quer durch die gesamte Stadt. Ab sofort sollen jedes Jahr 15 Kilometer dieser Routen hergestellt und 1.000 Abstellmöglichkeiten für Fahrräder werden.

Abkehr von der autogerechten Stadt

Außerdem sieht der Pakt vor, dass in Stadtteilen Fußgängerbereiche eingerichtet und Maßnahmen gegen das Parken auf Gehwegen ergriffen werden. Es ist auch vorgesehen, dass das Liniennetz der Straßenbahn erweitert wird und Busse und Bahnen in einem dichteren Takt fahren. Der Raum in der Stadt müsse neu verteilt werden, sagt SPD-Verkehrsexperte Nasser Ahmed. Das bedeute, die Abkehr von der autogerechten Stadt. Dies war für die Grünen ein entscheidender Punkt, um dem Pakt doch noch zuzustimmen.

Förderung von Elektromobilität

Trotzdem wird es mit dem Mobilitätspakt keine totale Abkehr vom Autoverkehr geben. Denn es gebe auch in Zukunft Menschen, die im Alltag auf Kraftfahrzeuge angewiesen sind, sagt CSU-Fraktions-Chef Andreas Krieglstein. Es ist geplant, dass Quartiersparkhäuser für Anwohner entstehen und die Ladeinfrastruktur für Elektroautos verbessert wird. Und es soll künftig mehr Mobilpunkte für Carsharing geben. Der Mobilitätspakt soll bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden. Die Stadträte haben zugesichert, die entsprechenden Finanzmittel bei den Haushaltberatungen zur Verfügung zu stellen.

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