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Die Kapazitäten im Wertinger Impfzentrum sind bei Weitem nicht ausgelastet.

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    Stadt-Land-Gefälle: Landräte fordern gerechte Impfstoffvergabe

    Ländliche Regionen wie der Landkreis Dillingen hinken beim Impfen hinterher. Der Grund: Wo es weniger Ärzte gibt, wird weniger geimpft. Dabei könnte das Impfzentrum in Wertingen das Defizit ohne Probleme auffangen, es fehlt jedoch der Impfstoff.

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    Von
    • Judith Zacher

    Halb vier Uhr nachmittags, im Wertinger Impfzentrum. Nur drei Stühle sind besetzt, von etwa 60 in der großen Dreifachturnhalle. 14 Impfkabinen gibt es, 13 Ärzte hat man über Agenturen gefunden, aus ganz Deutschland, außerdem helfen zahlreiche Rote-Kreuz-Mitarbeiter. Hier ist man bereit für den Massenansturm. Der aber bleibt aus, mangels Impfstoff.

    Kapazitäten im Impfzentrum nicht ausgelastet

    Aktuell wird im Einschichtbetrieb gearbeitet. Man könnte auch im Zwei- oder Dreischichtbetrieb impfen, sagt Verwaltungsleiter Daniel Gerstl. Aber anstatt zu jonglieren, wie man möglichst schnell möglichst viele Menschen impfen kann, ist er eher damit beschäftigt, die Dienstpläne so zu gestalten, dass sich niemand langweilt: "Wir müssen das Team bei Laune halten, alle hätten gerne vollen Einsatz, aber das geht nicht. Deshalb machen wir Tage mit Vollbetrieb, und Tage, an denen weniger Stunden gearbeitet wird. Das ist quasi eine Art Training, damit wir bereit sind, für den Tag, an dem es wirklich losgeht."

    Zwischen 2.000 und 2.700 Impfdosen bekommt das Wertinger Impfzentrum wöchentlich, mehr als das Doppelte könnte hier ohne Probleme verimpft werden.

    Impfquote im Landkreis Dillingen unter dem Schnitt

    Der Landkreis Dillingen hinkt beim Impfen hinterher, etwa sechs Prozent weniger Erstimpfungen wurden hier bisher durchgeführt als im bayernweiten Schnitt. Dabei lag der Landkreis lange über dem Schnitt. Erst seitdem die Ärzte miteingestiegen sind beim Impfen, sinkt die Impfquote. Der Grund: Die geringe Haus- und Facharztdichte im Landkreis. Einige Arztsitze sind nicht besetzt, zwei Hausärzte erst kürzlich verstorben.

    Insgesamt müsse ein Hausarzt im Landkreis Dillingen etwa 1.700 Patienten versorgen, in anderen Regionen seien es nur 1.300, so der Dillinger Hausarzt Alexander Zaune. Das heißt, die Ärzte im Landkreis Dillingen sind sowieso schon überlastet. In seiner Praxis klingelt ununterbrochen das Telefon, alle wollen möglichst schnell geimpft werden, wenn die Priorisierung in Bayern ab Donnerstag fällt.

    Einer Umfrage in den Praxen zufolge wären die Ärzte im Landkreis Dillingen in der Lage, etwa 1.500 Menschen pro Woche gegen Corona zu impfen. Vorausgesetzt, sie bekommen genügend Impfstoff, was bisher meist nicht der Fall war. In städtischen Regionen, in denen es mehr Ärzte gibt, können viel mehr Menschen von dem Angebot in den Praxen profitieren. Deshalb sind Regionen mit einer niedrigeren Arztdichte langsamer beim Impfen.

    Landkreistag fordert gleichmäßige Impfstoffverteilung

    Das kritisiert nicht nur der Dillinger Landrat Leo Schrell: Der Bayerische und der Deutsche Landkreistag fordern vom Bund eine gleichmäßige Verteilung des Impfstoffs im ländlichen und städtischen Raum. Bereits vor einigen Wochen hat der Dillinger Landrat Leo Schrell vorgeschlagen, den Impfstoff, den die Ärzte aus Kapazitätsgründen nicht verimpfen können, an das Impfzentrum abzugeben. Das sei auf Grund verschiedener Lieferketten jedoch nicht möglich, so das Ministerium.

    Die Ärzte beziehen ihren Impfstoff von den Apotheken, die wiederum bestellen beim Großhandel. Die Impfzentren bekommen den Impfstoff, gekoppelt an die Einwohnerzahl, vom Freistaat Bayern.

    Einmalige Sonderzuteilung zu wenig

    Das einmalige Sonderkontingent von 1.600 Dosen des Impfstoffs von Johnson und Johnson begrüßt der Dillinger Landrat zwar, es sei jedoch nicht genug. Er hofft auf weitere Sonderlieferungen. Denn sonst fürchtet er, dass die Stadt-Land-Schere beim Impfen noch größer werden wird. Die Situation werde sich noch verschärfen, sobald auch die Betriebsärzte mit dem Impfen beginnen. Auf dem Land gebe es eher mittelständische und kleinere Betriebe, die das nicht so leicht umsetzen könnten wie große Unternehmen. Auch hier schlägt er vor, die Mitarbeiter ins Impfzentrum zum Impfen zu holen oder aber mit mobilen Teams des Impfzentrums in die Betriebe zu gehen. Das aber hänge alles davon ab, ob genügend Impfstoff zur Verfügung gestellt werde, so Schrell weiter.

    Im Wertinger Impfzentrum sind inzwischen die letzten Impflinge für diesen Tag im Überwachungsbereich nach der Impfung angekommen. Sie seien sehr zufrieden, alles sei unheimlich schnell und unkompliziert gegangen, das sagen sowohl die Jüngeren als auch die Älteren.

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