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Stadt Erlangen verbietet geschotterte Steingärten | BR24

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Mehr Artenschutz, das wünschen sich zurzeit viele Menschen. Doch der Trend geht in eine andere Richtung: Pflegeleichter Stein statt Grün. Georg Bayerle hat sich exemplarisch in Mittelfranken umgeschaut.

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Stadt Erlangen verbietet geschotterte Steingärten

Die Stadt Erlangen verbietet als erste in Bayern, dass bei Neu- und Umbauten Schottergärten angelegt werden. Stattdessen soll Grün Insekten Nahrung bieten. Schottergärten haben negative Effekte aufs Mikroklima, weil sie Hitze speichern und abgeben.

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Die Stadt Erlangen verbietet, dass bei Neu- und Umbauten künftig geschotterte Steingärten angelegt werden. Das schreibt die neue Freiflächengestaltungssatzung vor, die der Stadtrat am Donnerstagabend beschlossen hat. Damit sei Erlangen Vorreiter in Bayern, sagte Baureferent Josef Weber. Es sei die erste Satzung, die dies explizit untersage. Alle Appelle an Bauherren, freiwillig auf "Steinwüsten" und voll gepflasterte Vorgärten zu verzichten, hätten nichts gebracht, sagte er.

Für Artenvielfalt und besseres Kleinklima

Die Satzung in Erlangen soll dafür sorgen, dass es in den Vorgärten grünt und blüht, damit Bienen und andere Insekten Nahrung finden. Außerdem sollen Grünflächen und Pflanzen dazu beitragen, das Kleinklima in Siedlungen zu verbessern.

Flachdächer und fensterlose Fassaden müssen begrünt werden

Schottergärten speichern Wärme und geben diese wieder ab. Dadurch wirkt im Sommer Hitze intensiver. Pflanzen hingegen verdunsten Feuchtigkeit, wodurch das Klima in der unmittelbaren Umgebung angenehmer wird. Außerdem kann oft das Wasser aus solchen Gärten nicht gut abfließen, wenn sie mit Folie unterlegt sind oder der Untergrund betoniert wird. Die Satzung in Erlangen schreibt auch vor, dass Flachdächer und fensterlose Fassaden begrünt werden müssen.

Satzung gilt für gesamte Stadt

Die Mehrheit der Stadträte stimmte der Satzung zu, die für das gesamte Stadtgebiet gilt. Die Gegner des Antrags lehnten den Zwang durch die Satzung ab. Sie wollten das Ziel, mehr Grün in Siedlungen zu schaffen, durch eine freiwillige Bauberatung und ein Förderprogramm für Gründächer erreichen. Damit konnten sie sich jedoch nicht durchsetzen. Die Satzung gilt ab sofort für alle Neu- und Umbauten in Erlangen.

Steingärten in anderen Bundesländern bereits verboten

In anderen Bundesländern gibt es bereits solche Verbote. In Nordrhein-Westfalen haben zum Beispiel Dortmund und Paderborn die "Schottergärten" in ihren Bebauungsplänen für Neubaugebiete untersagt. Bremen hat die Steinwüsten per Gesetz im Mai 2019 verboten.

"Gärten des Grauens"

Naturschützer setzen sich seit Langem gegen Schottergärten ein. Ein Berliner Biologe zum Beispiel nutzt dafür Social Media. Sein Instagram-Kanal, der diese Gärten satirisch anprangert, hat bereits über 53.000 Abonnenten.