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Bildrechte: Familie Eck

Für die einen war er ein Held, für andere ein Deserteur. Schon seit mehreren Jahrzehnten wurde im unterfränkischen Aub im Landkreis Würzburg über Alfred Eck diskutiert. Nun hat ihm die Stadt eine Gedenktafel gewidmet. Eine späte Würdigung.

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Stadt Aub weiht Gedenktafel für Soldaten Alfred Eck ein

Für die einen war er ein Held, für andere ein Deserteur. Schon seit mehreren Jahrzehnten wurde im unterfränkischen Aub im Landkreis Würzburg über Alfred Eck diskutiert. Nun hat ihm die Stadt eine Gedenktafel gewidmet. Eine späte Würdigung.

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Von
  • Pirmin Breninek

"Der unselige Krieg sollte zu Ende sein …", so schrieb es Alfred Eck in einem Feldpostbrief im Jahr 1943. Seine Familie wird als "dem Nationalsozialismus gegenüber kritisch" beschrieben, sie gehörte dem konservativ-katholischen Milieu an. Alfred Eck bewirtschaftete zu Kriegsbeginn den heimischen Hof in Baldersheim, heute ein Ortsteil von Aub im Landkreis Würzburg. Nur kurzzeitig musste er für einen Monat zu einer Marineausbildung. Anfang 1943 jedoch wurde er wieder einberufen.

Alfred Eck verhandelte mit US-Armee

Recherchiert und zusammengestellt hat diese Fakten ein Forschungskreis, der sich in Aub gebildet hat. Vorangegangen waren jahrelange Diskussionen, wie mit der Geschichte des Soldaten umgegangen werden soll. Alfred Eck wurde am 7. April 1945 auf dem Marktplatz in Aub erhängt. Der Grund: Der Soldat war zuvor auf die anrückende US-Armee zugegangen, um Baldersheim vor Beschuss zu bewahren. Das Dorf blieb dadurch weitgehend unzerstört. Doch während die einen in ihm einen Helden sahen, betrachten ihn andere als Verräter und Deserteuren. Auch noch Jahre nach Kriegsende.

Gedenktafel erinnert an "NS-Terror und Willkür"

Diesem Geschichtsverständnis will die Stadt Aub nun ein Ende setzen. Bei einer Gedenkveranstaltung am Mittwochabend – genau 76 Jahre nach der Hinrichtung Alfred Ecks – hat die Stadt eine Gedenktafel eingeweiht: "Zum Gedenken an Alfred Eck Opfer von NS-Terror und Willkür". Zu der etwa einstündigen Veranstaltung sind trotz Schneefalls etwa 60 Menschen gekommen, mit Masken und Abständen zwischen den Stühlen. "Es wäre für meine Familie, besonders für meinen Onkel Sebastian Eck und meinen Vater, sehr schön gewesen, wenn sie es hätten erleben können", sagte Hans-Rainer Eck, Neffe von Alfred.

Bundestag erklärte Standgerichtsurteile für ungültig

Als Soldat im Zweiten Weltkrieg wurde Alfred Eck in verschiedenen Marineartillerieabteilungen zum Küstenschutz auf dem Balkan eingesetzt. Er wurde nach Deutschland abkommandiert und trat einen mehrtägigen Heimaturlaub in Baldersheim an. Während dieser Zeit erkrankte er. Als dann die US-Amerikaner kamen, setzte sich Alfred Eck für eine gewaltlose Übergabe seines Heimatdorfes ein. Doch das führte zu seiner Ermordung durch das Standgericht in Aub.

Die geschichtlichen Fakten wirken eindeutig. Doch auch nachdem der Bundestag 2002 per Gesetz sämtliche Standgerichtsurteile der Wehrmacht für ungültig erklärte, bleiben einige in Aub und Umgebung bei ihrer Erzählung des Verrats. "Ich habe das auch in verschiedenen Sitzungen mitbekommen, wie über meinen Onkel gesprochen wurde. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, in der heutigen Zeit noch so zu denken, wie viele gedacht haben", sagt Hans-Rainer Eck.

Debatte um Umbenennung der Grundschule

Was der Neffe anspricht: Mehrfach war Alfred Eck auch Thema im Stadtrat. Bereits 1985 gab es einen Antrag, der forderte, eine örtliche Schule nach Eck zu benennen. Es gab eine Mehrheit. Doch es kam nie dazu. Nach öffentlichen Diskussionen hatte die Familie ihr Einverständnis zurückgezogen. Alte Kriegsveteranen hatten sich in die Debatte eingemischt, genauso das Schulamt. Der Vorschlag einer Schulumbenennung kam 2015 erneut in den Stadtrat. Dieses Mal entschied sich jedoch das Gremium dagegen.

Gedenktafel verweist auf Online-Angebot zu Alfred Eck

Stattdessen wurde in Aub eine Geschichtswerkstatt gegründet, die sich in den vergangenen Jahren mit den damaligen Geschehnissen beschäftigt und eine Ausstellung organisiert hat. Nun wurde die Gedenktafel eingeweiht. Sie befindet sich am Ort der Hinrichtung Alfred Ecks. Direkt daneben ist ein QR-Code in den Stein eingelassen. Dieser führt zu einer Website, die sich mit dem Leben Ecks beschäftigt.

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Bildrechte: BR / Pirmin Breninek

Die Stadt Aub hat Alfred Eck eine Gedenktafel gewidmet.

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