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Der Frust über die Corona-Politik ist groß, zumal einige Regionen erfolgreiche eigene Ideen im Kampf gegen die Pandemie entwickelt haben. Welche regionalen Konzepte gibt es in Bayern, und was können wir aus ihnen lernen?

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Staatsminister Herrmann vorerst gegen Testpflicht in Unternehmen

Sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter verpflichtend auf Corona testen - zum Schutz der Beschäftigten und um eine weitere Virus-Ausbreitung zu vermeiden? Noch wehrt sich die Staatsregierung gegen eine Testpflicht in Betrieben. Warum eigentlich?

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Von
  • Ferdinand Meyen

Der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei Florian Herrmann will vorerst keine Testpflicht in Unternehmen einführen. Die Notwendigkeit einer solchen Verpflichtung sei erst dann gegeben, wenn die freiwillige Basis nicht mehr funktioniere. Das bekräftigte Herrmann am Mittwochabend in der Münchner Runde im BR Fernsehen. "Es wird gerade bei den Verbänden abgefragt, wie die Praxis läuft", so der CSU-Politiker. Er sei aber nach wie vor guter Dinge, dass viele Menschen von sich aus mitmachen.

Bis zu 70.000 Corona-Tests pro Tag in Bayern

Schließlich hätten die meisten Unternehmen daran auch ein Eigeninteresse. Darüber hinaus laufe der Testbetrieb in Bayern laut Herrmann ohnehin sehr gut: "Wir haben 60.000 bis 70.000 Tests jeden Tag." Aus dem Kanzleramt kam am Montag die Forderung, eine Testpflicht in Unternehmen einzuführen. Dies lehnen Arbeitgeberverbände jedoch ab. In der Wirtschaft gebe es bereits eine große freiwillige Testbereitschaft, heißt es.

Landrätin Röhrl kritisiert Test-Politik

Die Landrätin Rita Röhrl aus Regen von der SPD kritisierte dagegen die Test-Politik der Staatsregierung: "Wir haben aus dem Testen eine Bestrafpolitik gemacht. Wer positiv getestet wird, der muss in Quarantäne. Wer negativ getestet wird, hat davon gar nichts. Und das müssen wir versuchen, umzudrehen." Viele Menschen würden ihr Testergebnis oder ihre sozialen Kontakte verschweigen, um andere vor der Quarantäne zu schützen, so die Landrätin.

Aktuelles Vorgehen mache die Wirtschaft kaputt

Außerdem sei die Situation auch für die Betriebe so nicht mehr tragbar. Es können nicht ständig alle dichtmachen, wenn die Inzidenzwerte steigen – und dann wieder öffnen, wenn sie sinken. Das Hin und Her mache die Wirtschaft kaputt und die Menschen mürbe. Bei ihr im Landkreis seien bei einer Inzidenz von 178 lediglich 0,012 Prozent der Bevölkerung betroffen, sagte Rita Röhrl. "Wie lange glauben Sie, dass 99,9 Prozent der Bevölkerung massivste Einschränkungen dieser Art einfach noch so hinnehmen, ohne irgendwas zu tun?!"

Unternehmerin Röser gegen Fokus auf Inzidenzwerte

Auch die Vorsitzende der Jungen Unternehmer Sarna Röser kritisierte die Schließungen vieler Betriebe aufgrund von steigenden Inzidenzwerten: "Ich muss schon sagen, dass ich mittlerweile das Gefühl habe, dass der Inzidenzwert zu einer reinen Ideologie geworden ist", sagte sie in der Münchner Runde. Die Unternehmerin forderte deshalb, noch andere Parameter in politische Entscheidungen einzubeziehen. Zum Beispiel die Impf-Quote und die Krankenhaus-Auslastung. Staatsminister Florian Herrmann widersprach dieser Kritik. Wenn die Inzidenz-Werte steigen, würde auch die Belegung der Intensivbetten nachziehen – und das Gesundheitssystem früher oder später überlastet, so der CSU-Politiker. Deshalb sei der Kurs derzeit richtig.

Infektionsmodellierer Brockmann für harten Lockdown

Der Physiker Dirk Brockmann, Professor an der Humboldt Universität Berlin, betonte, dass das Testen allein im Moment nicht ausreiche, um die Pandemie einzudämmen. !Die Logik des Testens ist richtig, aber sie funktioniert nur in Regionen mit niedrigen Fallzahlen!, sagte der Infektionsmodellierer, der auch am Robert Koch-Institut zur Ausbreitung von Corona forscht. Brockmann fordert deshalb einen harten Lockdown wie im Frühjahr 2020.

Kontakte noch mal stark reduzieren

Erst wenn man die Inzidenz-Zahlen wieder gesenkt habe, könne man über Öffnungs-Szenarien mit Hilfe von Tests nachdenken. Außerdem bemängelte Dirk Brockmann, dass sich derzeit viele nicht mehr so vorsichtig verhalten wie zu Beginn der Pandemie. Er wies darauf hin, dass es wichtig sei, in der dritten Welle noch einmal die sozialen Kontakte stark zu reduzieren.