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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Daniel Naupold

Gegen den Schwimmtrainer Stefan Lurz gibt es schwere Missbrauchs-Vorwürfe. Er ist als Bundestrainer der Freiwasserschwimmer zurückgetreten und hat laut seinem Bruder kein Amt mehr beim SV Würzburg 05.

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Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt gegen Schwimmtrainer Lurz

Gegen den Schwimmtrainer Stefan Lurz gibt es schwere Missbrauchs-Vorwürfe. Er ist als Bundestrainer der Freiwasserschwimmer zurückgetreten und hat laut seinem Bruder kein Amt mehr beim SV Würzburg 05. Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt.

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Von
  • Pirmin Breninek

Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt gegen Schwimmtrainer Stefan Lurz. Laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft sei ein Verfahren "von Amts wegen" eingeleitet worden. Es geht um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen.

Lurz als Schwimm-Bundestrainer zurückgetreten

Stefan Lurz ist mittlerweile von seinem Amt als Schwimm-Bundestrainer zurückgetreten. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" einen Bericht veröffentlicht, in dem fünf Schwimmerinnen Vorwürfe sexueller Belästigung und Nötigung gegen Lurz erheben. Lurz selbst hat auf Anfrage des BR bislang nicht reagiert. Gegenüber dem "Spiegel" hatte Stefan Lurz die Vorwürfe bestritten. Gegenüber der "Main-Post" sagte er, er sei selbst von seinem Amt zurückgetreten, "um weiteren Imageschaden vom Deutschen Schwimm-Verband abzuwenden".

Kein Amt mehr beim SV Würzburg 05

Im SV Würzburg 05 hat Stefan Lurz nach Angaben seines Bruders Thomas Lurz nun kein Amt mehr. Der zwölfmalige Schwimm-Weltmeister Thomas Lurz ist zugleich Präsident des SV Würzburg 05. Nach seinen Angaben werden die Athleten am Bundesstützpunkt für Freiwasserschwimmen nun von Nikolai Evseev trainiert. Er ist seit September 2020 zurück in Würzburg und bildete dort eine Doppelspitze mit Stefan Lurz. Schon von 1999 bis 2005 war Evseev in Würzburg tätig. Die Verpflichtung Evseevs im September sei "unabhängig" von den nun aufgekommenen Berichten erfolgt. Für die Athleten würde es zunächst "keine großen Unterschiede geben", sagt Thomas Lurz. Zu den konkreten Vorwürfen gegen seinen Bruder wollte sich Präsident Lurz nicht näher äußern. Er stellte jedoch klar: "Solche Art von Verhalten verbietet sich – egal ob im Sport oder der Gesellschaft."

Frühere Vorwürfe sexualisierter Gewalt

Es ist nicht das erste Mal, dass gegen Stefan Lurz Vorwürfe sexualisierter Gewalt erhoben werden. Im Januar 2011 stellte die Staatsanwaltschaft Würzburg ein Verfahren gegen den damals 33-Jährigen ein. Damals hatte eine 15 Jahre alte Schwimmerin Lurz sexuelle Nötigung und Vergewaltigung vorgeworfen. Die Schwimmerin hatte behauptet, sie sei von Lurz zu sexuellen Handlungen gezwungen worden. Diese Vorwürfe hatte sie dann jedoch zum größten Teil zurückgezogen.

Anzeige wegen sexueller Belästigung

Auf BR-Anfrage bestätigt die Staatsanwaltschaft Würzburg außerdem eine Anzeige gegen Stefan Lurz, die im Frühjahr 2019 eingegangen ist. Auch hierüber hatte der "Spiegel" berichtet. Damals ging es um den Vorwurf sexueller Belästigung. Auch dieses Verfahren wurde eingestellt. Der mögliche Vorfall war bereits verjährt, heißt es von einem Sprecher der Staatsanwaltschaft. Außerdem hätte es zu diesem Zeitpunkt den Tatbestand der sexuellen Belästigung noch nicht gegeben. "Es lief damals noch unter Beleidigung", heißt es von dem Sprecher.

Deutscher Schwimm-Verband will Fall aufarbeiten

Unterdessen arbeitet auch der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) an einer Aufarbeitung des Falls, wie es von einem Sprecher heißt. Erste Ergebnisse möchte der Verband allerdings erst in den kommenden Tagen bekannt geben. Am Wochenende war Harald Walter, Präsident des Bayerischen Schwimmverbands (BSV), nach Würzburg gereist, um mit Beteiligten und Athleten zu sprechen. Zu den Ergebnissen der Gespräche wollte sich Walter zunächst allerdings nicht äußern.

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