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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Pflegeheim in Schliersee | BR24

© BR/Melanie Marks

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt in einer Seniorenresidenz am Schliersee. Dort hatten sich in den vergangenen Wochen viele Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. Die Ermittler erheben jetzt schwere Vorwürfe.

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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Pflegeheim in Schliersee

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen die Betreiber einer Seniorenresidenz am Schliersee. Dort hatten sich in den vergangenen Wochen viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die Ermittler erheben jetzt schwere Vorwürfe.

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Eine Seniorenresidenz am Schliersee ist vom Coronavirus besonders stark betroffen. Bislang haben sich 18 Bewohner mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert sowie sieben Mitarbeiter. Zwei Menschen sind bereits im Zusammenhang mit der Krankheit gestorben. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt. Denn das Landratsamt in Miesbach hat Anzeige erstattet. Dem Heimleiter wird vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen. Bei der täglichen Arbeit in der Unterkunft seien verschiedene Misstände aufgefallen, teilte es mit, die es an die Ermittlungsbehörden weitergegeben habe.

Corona-Infektionen schon im April

Ende April waren die ersten Fälle in der Residenz bekannt geworden. Daraufhin habe das Gesundheitsamt, so teilt es das Landratsamt mit, den Betreiber der Unterkunft aufgefordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um Infektionsketten zu unterbrechen. Unter anderem ordnete es Isolierstationen an. Dennoch gelang es einem Bewohner, das Haus zu verlassen. Er wurde erst am folgenden Tag von Einsatzkräften gefunden.

Seniorenresidenz unter Quarantäne

In der Konsequenz ließ das Landratsamt die gesamte Unterkunft unter Quarantäne stellen – inklusive Bauzaun und Security. Zudem ordnete es an, dass das Personal nur noch in kompletter Schutzausrüstung arbeiten darf. Doch der Vorrat an Ausrüstung habe nicht ausgereicht, so das Landratsamt. Zunehmend sei auch Personal ausgefallen, weswegen es nicht möglich gewesen sei, alle angeordneten Maßnahmen vollständig umzusetzen.

Bundeswehr zur Unterstützung

Der Krisenstab des Landkreises stellte einen Amtshilfe-Antrag an die Bundeswehr. Seit vergangener Woche sind Soldaten des Sanitätslehrregiments „Niederbayern“ vor Ort, wie auch des Gebirgsjägerbataillons. Sie unterstützen bei Pflege, Haushalt und in der Küche. Mittlerweile sei die Situation unter Kontrolle. Bis Ende der Woche läuft die Amtshilfe noch. Das Landratsamt hat aber bereits einen Verlängerungsantrag bis zum 30. Mai gestellt. Es sei utopisch, zu denken, dass Ende der Woche schon wieder ein normaler Betrieb möglich sei, heißt es.

Zurückhaltende Reaktion auf Ermittlungen

Aus der Seniorenresidenz hält man sich mit Reaktionen auf Ermittlungen und Kritik zurück. Inzwischen hat der Träger, die italienische Pflegefirma Sereni Orizzonti, eine neue Heim- und eine neue Pflegeleitung eingesetzt, die nun vorübergehend die Geschäfte führt. Der neue Heimleiter, Ulrich van Heugten, sagte dem BR, man sei jetzt dabei, interne Abläufe umzustellen. Ansonsten arbeite man in engem Kontakt mit der Bundeswehr, es gebe ausreichend Pflegekräfte, alle seien gut betreut.

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