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Neuburger Bluttat: "Ich wollte nie, dass ihm ein Leid passiert" | BR24

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Es geht um eine fatale Beziehung, Drogen und einen tödlichen Streit. Kurz vor Weihnachten 2019 kommt es zu der Bluttat, bei der eine 30-Jährige in Neuburg ihren Partner ersticht. Am Landgericht Ingolstadt plädiert der Staatsanwalt nun auf Totschlag.

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Neuburger Bluttat: "Ich wollte nie, dass ihm ein Leid passiert"

Es geht um Drogen und eine fatale Beziehung. Kurz vor Weihnachten 2019 kommt es zu der Bluttat, bei der eine 30-Jährige in Neuburg ihren Partner ersticht. Der Staatsanwalt plädiert nun auf Totschlag, die Verteidigung auf Freispruch.

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Im Fall des Neuburger Blutbads fordert der Staatsanwalt vor dem Landgericht Ingolstadt eine Verurteilung der angeklagten Frau wegen eines minderschweren Falls des Totschlags. Vor dem Landgericht Ingolstadt plädierte er für eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten. Allerdings schlägt der Anklagevertreter vor, die drogensüchtige 30-Jährige nach einer gewissen Zeit des Vorwegvollzugs (ein Jahr und neun Monaten) in eine Entziehungsanstalt einweisen zu lassen.

Die Verteidigerin plädierte auf Notwehr und damit auf Freispruch. Sichtlich bewegt erklärte die Angeklagte in ihrem letzten Wort: "Ich wollte nie, dass ihm ein Leid passiert. Ich hatte ja so niemanden."

Frau ersticht ihren Freund

Zweifelsfrei steht fest, dass die 30-Jährige ihren Lebenspartner erstochen hat. Das hat die drogensüchtige Frau zu Beginn des Prozesses gestanden. Die Tat ereignete kurz vor Weihnachten 2019 in der Neuburger Wohnung des Opfers.

Verteidigerin plädiert auf Notwehr

Nach den Ausführungen der Verteidigerin habe der später erstochene Freund in der Tatnacht ihre Mandantin zuerst bedroht. Gründe für einen Gewaltausbruch habe der Mann viele gehabt, so die Rechtsanwältin: Zweifelsfrei hat der gut zehn Jahre ältere Partner seine junge Freundin über viele Jahre unterstützt, ihr Leben finanziert, ihr ein Obdach geboten und auch ihre Drogen bezahlt hat. Für sie hat er sein Leben in Sachsen-Anhalt aufgegeben und ist 2016 nach Neuburg gezogen. Um all ihre finanziellen Bedürfnisse zu erfüllen, hat er sogar selbst Schulden aufgenommen. Dennoch habe ihm die Angeklagte immer wieder erklärt, dass sie ihn eigentlich verlassen wolle. In der Tatnacht sei dem Mann dann einfach der Kragen geplatzt, so die Verteidigerin.

Sex mit anderen Männern

Letzter Auslöser für die Aggression des Mannes sei wohl gewesen, dass die Angeklagte neben allen anderen Demütigungen auch noch Sex mit anderen Männer hatte. Kurz vor dem tödlichen Streit hat der später Getötete sie in flagranti in seiner eigenen Wohnung erwischt. Akute Eifersucht habe den eigentlich ruhigen Mann also in der Tatnacht ausrasten lassen, folgert die Verteidigerin. Mit einem Messer habe der betrogene Mann seine Partnerin bedroht. Mit einem anderen Messer habe die Angeklagte sich verteidigt und so ihren Partner in Notwehr niedergestochen.

Staatsanwalt lehnt Notwehr-These ab

Dieser Notwehr-These folgte der Staatsanwalt nicht. Er verweist darauf, dass die Angeklagte, nicht der Getötete, zur Aggression neigt. Dies würden zahlreiche Zeugenaussagen belegen. Auch die psychiatrische Gutachterin bescheinigte der Angeklagten aggressive Persönlichkeitszüge, die vor allem unter Drogeneinfluss zur Geltung kämen. Den Getöteten hingegen hätten mehrere Zeugen als ruhigen, hilfsbereiten Menschen geschildert. Gegen die Notwehr-These spricht laut Staatsanwalt auch, dass der Rechtsmediziner an der Angeklagten kaum Gewalt- und Verteidigungsspuren entdeckt hat.

Wegen Drogenmix minder schwerer Fall des Totschlags

Bei der Beurteilung der Schuldfähigkeit folgte der Staatsanwalt der psychiatrischen Gutachterin. Die Expertin bewertet mit Blick auf die Drogensucht, vor allem aber wegen des Drogencocktails aus Alkohol, Ecstasy und Heroin im Blut die Schuldfähigkeit der Angeklagten als vermindert.

Einweisung in eine Entziehungsanstalt

Um der drogenabhängigen junge Frau letztendlich wieder ein Leben jenseits der Sucht zu ermöglichen, plädiert der Staatsanwalt, nach einem Teilvollzug der Freiheitsstrafe dafür, die Frau in eine Entziehungsanstalt einweisen zu lassen. Da sich die Angeklagte seit der Tat im Dezember 2019 schon in Haft befindet, käme sie wohl bereits im nächsten Jahr in eine spezielle Entziehungsanstalt.

Urteil Ende November

Für den Fall, dass das Gericht ihrer Notwehr-These nicht folgen sollte, plädiert auch die Verteidigerin für einen minder schweren Fall des Totschlags und eine möglichst rasche Einweisung ihrer Mandantin in eine Entziehungsanstalt. Das Urteil wird Ende der folgenden Woche erwartet.

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