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SpVgg Bayreuth: Nächster Streit in der Regionalliga Bayern | BR24

© picture alliance/Hendrik Schmidt

Ist derzeit massiver Kritik aus Bayreuth ausgesetzt: BFV-Präsident Rainer Koch.

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SpVgg Bayreuth: Nächster Streit in der Regionalliga Bayern

Vor wenigen Tagen erst hat die SpVgg Bayreuth dem Bayerischen Fußballverband in einem offenen Brief mit rechtlichen Schritten gedroht. Nun erhitzt ein Streit um einen Startplatz im DFB-Pokal die Gemüter in der Regionalliga Bayern.

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Der Streit zwischen dem Bayerischen Fußballverband (BFV) und der SpVgg Bayreuth geht weiter. Der Regionalligist hatte bereits angedroht zu klagen, sollte Tabellenführer Türkgücü München vorzeitig in die 3. Liga aufsteigen, während der Rest der Liga trotz auslaufender Spieler- und Sponsorenverträge eine Saison zu Ende spielen müsse, in der es um nichts mehr gehe. Jetzt erhitzt ein Bericht des Sportmagazins Kicker die Gemüter in Bayreuth. Demnach könnte dem Tabellenzweiten, 1. FC Schweinfurt, am Grünen Tisch ein Platz im DFB-Pokal zugesprochen werden.

SpVgg Bayreuth droht erneut mit Klage

Für eine solche Entscheidung gebe es keinerlei rechtliche Grundlage, so Wolfgang Gruber, der Geschäftsführer der SpVgg Bayreuth, zum Bayerischen Rundfunk. Gruber wirft dem BFV vor, sich damit die Zustimmung des Tabellenzweiten aus Schweinfurt erkaufen zu wollen, den Tabellenführer aus München aufsteigen zu lassen. "Nur, das akzeptieren wir nicht", so der Geschäftsführer aus Bayreuth.

"Wir würden da klagen." Wolfgang Gruber, Geschäftsführer SpVgg Bayreuth

Tatsächlich gibt es keine Regel, die eine Vergabe des Pokalplatzes an Schweinfurt rechtfertigen würde – es sei denn, die Konkurrenten stimmen zu. Auch der Sprecher des Bayerischen Fußballverbands, Fabian Frühwirth, sagt auf Nachfrage des BR: Den freien Platz für den DFB-Pokal an Schweinfurt zu vergeben, sei rechtlich so gar nicht möglich, auch wenn diese Option bereits in der Öffentlichkeit diskutiert werde. Stattdessen gibt es nur zwei Möglichkeiten für Bayerns Amateure, sich für den Wettbewerb zu qualifizieren: Einen Platz gewinnt der Meister der Regionalliga Bayern – in dieser Saison wäre das vermutlich Türkgücü München, das die Tabelle elf Spieltage vor Schluss mit neun Punkten Vorsprung anführt.

SpVgg Bayreuth: Nach der Hinrunde Tabellenzweiter

Ein weiterer Platz steht dem Club zu, der den bayerischen Verbandspokal, den sogenannten Toto-Pokal, gewinnt. Der war aber nicht zu Ende gespielt, als die Corona-Pandemie den Fußball zum Erliegen brachte. Im Halbfinale befanden sich zu diesem Zeitpunkt neben den Drittligisten 1860 München und Würzburger Kickers auch die Regionalligisten Viktoria Aschaffenburg und FC Memmingen. Welche dieser Mannschaften den Platz im DFB-Pokal einnehmen wird, wird vermutlich ausgelost. Auf den Startplatz, der normalerweise über die Liga ausgespielt wird, meldet die SpVgg Bayreuth aber auch Anspruch an, soweit dieser von Aufsteiger Türkgücü nicht in Anspruch genommen wird. Nach Abschluss der Hinrunde belegte schließlich nicht Schweinfurt, sondern Bayreuth Tabellenplatz zwei, so Geschäftsführer Gruber.

SpVgg-Geschäftsführer Gruber spricht von "Kuhhandel"

Und überhaupt: Wenn Aufsteiger Türkgücü München freiwillig auf den Pokalplatz verzichte, sei das nur damit zu erklären, dass man Schweinfurt davon abhalten wolle, gegen einen frühzeitigen Aufstieg Münchens zu klagen. Gruber spricht von einem "Kuhhandel".

Regionalligisten beraten in einer Videokonferenz

"Jeder macht sich die Welt jetzt eben so, wie sie ihm gefällt. Das hilft aber keinem in der Sache weiter", sagt BFV-Sprecher Frühwirth dazu auf Nachfrage des BR. "Stand jetzt sind es Spekulationen und daran werden wir uns nicht beteiligen." Am Mittwoch (29.04.20, 17.00 Uhr) sollen Vertreter aller bayerischen Regionalligisten nach BR-Informationen bei einer Videokonferenz darüber diskutieren.

Bindeglied zwischen Amateuren und Profis

Diskutiert wird seit Wochen. Die Situation in der Regionalliga ist aber auch verzwickt. Das liegt an der besonderen Stellung der Regionalligen. Fünf Stück davon existieren in Deutschland nebeneinander. Sie sind das Bindeglied zwischen den Amateurligen der Landesverbände und den Profi-Klassen des DFB. Mit relativ geringen Finanzmitteln müssen die Vereine dort nahezu professionelle Strukturen vorhalten. "Es ist kein Geheimnis, dass die Regionalligen als wirtschaftlich schwierige Ligen gelten, da hohen Ausgaben eine mehr als diffizile Einnahmesituation gegenübersteht", so Gruber in einem Offenen Brief an BFV-Geschäftsführer Rainer Koch. Weil der Regionalliga Bayern in diesem Jahr zusteht, einen direkten Aufsteiger für die 3. Liga zu melden, muss sich die höchste bayerische Amateurspielklasse eher an den Plänen des DFB orientieren, als an denen des eigenen Verbandes.

Knappe Mehrheit für Fortsetzung der Drittliga-Saison

Zehn Vertreter der 18 Drittligisten haben sich am 27.04.20 dafür ausgesprochen, die Saison nach Möglichkeit unter strengen Hygienevorschriften bis 30.06.20 zu Ende zu spielen. Ähnlich verfahren auch die beiden höchsten deutschen Spielklassen. Trotz des denkbar knappen Umfrageergebnisses wird erwartet, dass der DFB die Fortsetzung des Spielbetriebs in der 3. Liga in Kürze verkündet.

BFV fürchtet Rechtsstreitigkeiten

Beginnt dann im August die nächste reguläre Spielzeit, müssten Aufsteiger und Pokalteilnehmer aus den Regionalligen feststehen. Wegen Anordnungen der Landesregierung und weil die Vereine der Regionalliga Bayern bereits einstimmig beschlossen haben, dass der Ball aus Gründen des Infektionsschutzes frühestens im September wieder rollen soll, kann der BFV den Aufsteiger in die 3. Liga und den Pokalteilnehmer nicht rein sportlich ermitteln. Gesucht wird daher eine Lösung, die möglichst wenig Rechtsstreitigkeiten nach sich zieht.

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