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Spuren im Schnee: Zwei Wölfe am Untermain gesichtet | BR24

© BR/ Simon Berninger

Am Untermain haben zwei Spaziergänger Pfotenabdrücke im Schnee entdeckt. Das ist im Winter erst einmal nicht ungewöhnlich. Doch Fußabdrücke von Menschen daneben fehlten. Später bestätigte sich dann der Verdacht: Das Paar sichtete zwei Wölfe im Wald.

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Spuren im Schnee: Zwei Wölfe am Untermain gesichtet

Am Untermain haben zwei Spaziergänger Pfotenabdrücke im Schnee entdeckt. Das ist im Winter erst einmal nicht ungewöhnlich. Doch Fußabdrücke von Menschen daneben fehlten. Später bestätigte sich dann der Verdacht: Das Paar sichtete zwei Wölfe im Wald.

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  • Simon Berninger

Die Spuren führten kilometerweit den schneebedeckten Waldweg entlang, gingen mal rechts, mal links in den Wald hinein. Tierspuren, eindeutig, aber weit und breit keine Fußabdrücke von Menschen. "Zuerst dachten wir, das sind Hundespuren. Uns ist aber relativ schnell bewusst geworden, dass das kein Hund sein kann", sagt Tanja Wörner aus Kirchzell im Landkreis Miltenberg.

Rätsel über Spuren im Schnee

Am Sonntag vor einer Woche ging die 43-Jährige mit ihrem Mann in einem nahegelegenen Wald im Grenzgebiet zu Baden-Württemberg spazieren. Die Pfotenspuren, die die beiden an diesem Morgen vor sich entdecken, geben den beiden zunächst Rätsel auf. Hunde schließen die beiden aber sehr schnell aus, schließlich fehlen im Schnee die zugehörigen Fußspuren von Herrchen oder Frauchen.

Ehepaar aus Kirchzell sieht Wölfe

"Uns war dann relativ schnell klar, dass es Wölfe sein müssen", sagt Wörner. Genau genommen zwei, das sei im Schnee eindeutig zu erkennen gewesen. Und tatsächlich: Kurz darauf steht das Ehepaar vor zwei großen, grauen Tieren: "Eindeutig Wölfe. Sie haben uns kurz angeguckt, dann sind sie wieder in den Wald zurück", erinnert sich die Kirchzellerin.

Wolfssichtungen in der Region keine Überraschung

Angst habe sie keine gehabt, denn man höre in der Umgebung immer mal wieder von Wolfssichtungen. Tatsächlich gehört das der südliche Landkreis Miltenberg mit den Gemeinden Kirchzell, Schneeberg und Amorbach zum sogenannten Ereignisgebiet rund um einen Wolf, der im angrenzenden Odenwald auf baden-württembergischer Seite nachgewiesen ist.

Wolf aus Baden-Württemberg in Bayern

"Dieser Wolf ist im Odenwald heimisch und für Baden-Württemberg bestätigt", sagt Michael Mendel vom "Netzwerk große Beutegreifer", das beim Bayerischen Landesamt für Umwelt angesiedelt ist. Für diesen Wolf haben die Behörden einen so genannten C1-Nachweis anhand von Aufnahmen von Fotofallen oder Genproben. "Dieser Wolf kann natürlich auch mal einen Schritt nach Bayern tun", sagt Mendel.

Die Wörners könnten ihn nun mit einem weiteren Tier gesichtet haben. Allerdings konnte das Ehepaar kein Foto machen, dafür waren die Tiere zu schnell wieder weg. Ihre Sichtung gilt daher nur als C3-Nachweis für Wolfs-Ereignisse, "die nicht überprüft wurden beziehungsweise in der Regel nicht überprüfbar sind", heißt es in den Richtlinien.

Zäune oder Herdenschutzhunde staatlich gefördert

Doch ob es nun ein oder zwei Tiere im Ereignisgebiet Kirchzell, Schneeberg oder Amorbach sind: In den betroffenen Gemeinden kann die Investition in Zäune und Herdenschutzhunden schon heute refinanziert werden. "Die Förderung beträgt 100 Prozent und kann sowohl von privaten Nutztierhaltern als auch von landwirtschaftlichen Unternehmen in Anspruch genommen werden", teilt das Landesamt für Umwelt auf Anfrage mit.

Gemeinde Kirchzell verteilt Handzettel

"Achtung Wölfe", warnte indessen die Gemeinde Kirchzell vergangene Woche mit Handzetteln und Aushängen. Dieser Warnung will Mendel nicht zustimmen. "Wenn man wirklich denkt, man sieht einen Wolf, dann macht man sich als Mensch bemerkbar", rät er. "Er wird sich dann nicht nähern. Und dieser Wolf, der da draußen ist, verhält sich genau so, wie sich ein wilder Wolf verhalten soll: Er geht den Menschen aus dem Weg."

© Tanja Wörner

Diesen Pfotenabdruck eines Wolfs haben Tanja und Florian Wörner bei einem Spaziergang im Schnee entdeckt.

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