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Sportvereine in Unterfranken leiden unter Corona-Pandemie | BR24

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Die Mitgliederzahlen gehen zurück, Neuzugänge gibt es so gut wie keine, die finanzielle Lage ist kritisch: Die Sportvereine in Unterfranken leiden enorm unter der Corona-Pandemie. Nach monatelangem Lockdown wird es für viele Vereine langsam eng.

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Sportvereine in Unterfranken leiden unter Corona-Pandemie

Die Mitgliederzahlen gehen zurück, Neuzugänge gibt es so gut wie keine, die finanzielle Lage ist kritisch: Die Sportvereine in Unterfranken leiden enorm unter der Corona-Pandemie. Nach monatelangem Lockdown wird es für viele Vereine langsam eng.

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Von
  • Alisa Wienand
  • Patrick Obrusnik

Die Sportvereine in Unterfranken bekommen die Auswirkungen der Corona-Pandemie stark zu spüren. Das hat eine Umfrage von BR24 bei den Kreisvorsitzenden des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV) in Unterfranken ergeben. Während es etwa in den 164 Sportvereinen im Landkreis Miltenberg Ende 2019 noch 49.665 Mitglieder gab, waren es ein Jahr später nur noch 47.875. Ähnliche Rückgänge melden auch andere Kreisvorsitzende aus Unterfranken.

Mitgliederschwund durch Corona

Der TV 1862 Unterdürrbach in Würzburg zum Beispiel hatte im Januar 2021 im Vergleich zum Vorjahr knapp zwei Prozent weniger Mitglieder. Der Kreisvorsitzende für den Landkreis Haßberge, Gerald Makowski, geht derzeit sogar von einem Mitgliederrückgang von etwa fünf bis sieben Prozent aus. Im Landkreis Main-Spessart schätzt Kreisvorsitzender Karl-Heinz Hübner die Austritte aus Vereinen auf circa drei Prozent. "Schlimmer noch: Es gibt so gut wie gar keine Neumitglieder", so Hübner. Von fehlenden Neuzugängen berichten auch die anderen BLSV-Kreisvorsitzenden. Helmut Radler, Vorsitzender in Würzburg, sagt, dass das insbesondere für den Kinder- und Jugendbereich schmerzlich sei.

Finanzielle Probleme

Neben sinkenden Mitgliederzahlen und fehlenden Neuzugängen berichten die Vorsitzenden auch von einer kritischen finanziellen Lage der Sportvereine in Unterfranken. "Die finanzielle Situation wird langsam dramatisch", sagt etwa Karl-Heinz Hübner, Kreisvorsitzender in Main-Spessart. Als Beispiel führt er einen Verein mit 500 Mitgliedern an, der seit Beginn der Pandemie rund 50.000 Euro Verlust gemacht hat. Der Verein mache keinerlei Einnahmen, trotzdem müssten laufende Kosten gedeckt werden. Adolf Zerr, Kreisvorsitzender in Miltenberg, teilt mit, dass 27 der 164 Vereine einen finanziellen Schaden in Höhe von insgesamt 533.000 Euro gemeldet haben.

Viele Vereine vor dem Aus

Die höchsten Einbußen sind Zerr zufolge im Spielbetrieb und in den Vereinsgaststätten zu verzeichnen. Mehrere Kreisvorsitzende teilen mit, dass die Verdopplung der Vereinspauschale durch den Freistaat zwar geholfen hat. "Allerdings ist das gerade für die Vereine, die eigene Liegenschaften und damit Fixkosten haben, nicht genug", so Klaus Greier, Kreisvorsitzender in Rhön-Grabfeld. Die Befürchtung der BLSV-Kreisvorsitzenden ist, dass viele Vereine die Corona-Pandemie nicht überstehen. "Der Vereinssport wird zwar nicht komplett verschwinden, jedoch wird es ein zusätzliches Vereinssterben geben", vermutet etwa Gerald Makowski, Kreisvorsitzender in den Haßbergen.

Hoffnung auf Ausnahmeregelung

Wie seine Kollegen hofft auch er darauf, dass die Vereine so schnell wie möglich wieder den normalen Betrieb starten können. Mit dieser Hoffnung sind die BLSV-Kreisvorsitzenden nicht allein. Auch der Würzburger Sportwissenschaftler Prof. Harald Lange fordert die Wiedereröffnung der Sportvereine. Gegenüber dem BR erklärte Lange, es gebe zwar gute Gründe für den Lockdown, es gebe aber auch gute Gründe für Ausnahmen. Dies gelte "vor allem dann, wenn bewehrte Hygienekonzepte vorliegen – und das ist beim Sport meist der Fall. Deshalb haben die Vereine das gute Recht zu sagen: Der Lockdown für den Breitensport ist ungerechtfertigt."

Mangelnde Bewegung im Lockdown

Der Hauptgrund, die Sportvereine wieder zu öffnen, sei ihr "massiver Beitrag" zur Bewegung und damit zur Volksgesundheit: "Nichts ist wichtiger als ein gesundes Immunsystem – gerade zu dieser Zeit." Nach den dunklen Wintermonaten und den Einschränkungen der Pandemie sei die Öffnung des Breitensports auch "in psychologischer Hinsicht unverzichtbar", so Lange. Deshalb müssten Sportvereine in die politische Wiedereröffnungsdebatte einbezogen werden, fordert der Sportwissenschaftler.

Zur aktuellen Lage im Sport und zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Vereinslandschaft wird sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Mittwoch im Landtag äußern.

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