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Forscher: Sportplätze drittgrößte Quelle für Mikroplastik | BR24

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Der Kunstrasen auf vielen Sportplätzen ist nach Erkenntnissen des Fraunhofer-Institutes die drittgrößte Quelle von Mikroplastik in Deutschland. Jährlich sollen so 11.000 Tonnen kleinste Kunststoff-Teilchen in die Umwelt gelangen.

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Forscher: Sportplätze drittgrößte Quelle für Mikroplastik

Sportvereine schwärmen von Kunstrasen. Doch dessen Anteil am Mikroplastik in der Umwelt ist Forschern zufolge deutlich größer als bislang angenommen. Für einige bayerische Gemeinden wird die Anschaffung eines neuen Kunstrasens zur Gewissensfrage.

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Ihr Rasen ist das ganze Jahr über grün: Die Fußballer des 1. SC Gröbenzell trainieren auf Kunstrasen. Einer der beiden Kunstrasenplätze soll nun erneuert werden. "Wir freuen uns sehr darüber", sagt Trainer Frank Reichelt. "Der Platz ist, soweit ich weiß, 17 oder 18 Jahre alt, und irgendwann einfach mal abgenutzt. Es war an der Zeit, da was zu ändern und das macht die Gemeinde jetzt."

Doch nicht alle in Gröbenzell sind begeistert von dem geplanten Kunstrasenplatz. Gemeinderätin Monika Baumüller von den Grünen kritisiert, dass durch Kunstrasen Mikroplastik in die Umwelt gelangen könnte. "Nicht weit entfernt von dem Fußballfeld sind unsere Bäche. Wir wollen unbedingt verhindern, dass dort Mikroplastik hineinkommt", sagt sie.

💡 Was ist Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden kleinste Plastikpartikel und -fasern – feste und unlösliche Kunststoffe – bezeichnet, die in Länge, Breite und Durchmesser zwischen wenigen Mikrometern bis unter fünf Millimeter liegen. Es wird unterteilt in primäres Mikroplastik wie sogenannte Basispellets, das Grundmaterial für die Plastikproduktion und Kunststoffe in der Kosmetik sowie in sekundäres Mikroplastik, das beim Zerfallen größerer Plastikteile entsteht. (Erklärt von Anja Bühling, BR24-Wissen)

Durch Sportplätze deutlich mehr Mikroplastik als durch Kosmetik

Problematisch sind weniger die Plastikgrashalme, sondern vor allem das Kunststoff-Granulat, mit dem der Kunstrasen aufgefüllt ist. Durch Abrieb und Verwehungen kommen kleinste Plastikteile in die Umwelt - und damit letzten Endes auch in unsere Nahrungskette. In welchem Ausmaß das geschieht, haben nun Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts "Umsicht" in Oberhausen erforscht.

Nach BR-Informationen haben sie in einer neuen Berechnung Sportplätze erstmals als drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland ausgemacht. Den größten Anteil daran haben vor allem die Fußball-Kunstrasenplätze. Den Wissenschaftlern zufolge gelangen in Deutschland durch Sportplätze rund 11.000 Tonnen Mikroplastik im Jahr in die Umwelt. Das wäre siebenmal so viel wie durch Kosmetikprodukte.

Bauamt Gröbenzell nimmt Bedenken ernst

Der bayerische Kunstrasenhersteller Polytan aus Burgheim kritisiert die hohen Zahlen des Fraunhofer-Instituts. Diese seien nicht belastbar, heißt es in einer Broschüre. Die Firma arbeite zudem an neuen Gummigranulaten, die "wesentlich besser im Rasen liegen" blieben.

Auch in Gröbenzell ist die Firma Polytan schon beauftragt - ursprünglich für ein Granulat aus alten Autoreifen. Doch seit der Diskussion um das Mikroplastik prüft das Bauamt Gröbenzell nun, welche Alternativen es zum herkömmlichen Kunstrasen gibt. im Gespräch ist beispielsweise natürlich abbaubarer Kork-Rasen, wie ihn der Zweitligist Greuther Fürth im Einsatz hat. Oder auch ein Hybridrasen - bei dem Naturrasen mit Kunstfasern verwoben wird. "Ich fände es cool, wenn wir eine hochwertige Lösung hinbekommen. Und die Lösung mit dem Hybridrasen wäre schon charmant", sagt Baumamtsleiter Markus Groß.

Alternativen gibt es, sind aber umstritten

Experte Rainer Ernst, der als Landschaftsarchitekt schon viele Fußball-Stadien in Deutschland ausgestattet hat, sieht den Hybridrasen allerdings nicht ganz so positiv: "Meine Erfahrung ist, dass der Hybridrasen im Winter auch einfrieren kann", sagt er.

Der Vorteil des Kunstrasens, der ja das ganze Jahr bespielbar ist, wäre also zunichte. Außerdem hält Ernst auch die Entsorgung für problematisch. "Da sind organische Elemente und Kunststoff eng miteinander verwoben - wo aber entsorgen das dann die Vereine?", fragt er. Er rät eher zu Korkrasen. Der werde zwar in den Förderrichtlinien nicht explizit erwähnt. "Aber ich habe noch nie erlebt, dass ein Korkrasen nicht auch gefördert wurde, wenn man es ordentlich begründet hat", so Ernst.

Bauamtsleiter Markus Groß wiederum ist vom Korkrasen noch nicht richtig überzeugt: "Ich habe auch schon einige Argumente dagegen gehört: Schimmel zum Beispiel. "Diesen Donnerstag will er die verschiedenen Alternativen zum Kunstrasen im Gemeinderat in Gröbenzell vorstellen. Danach könnte es schon zu einer Abstimmung kommen.

In anderen Gemeinden in Bayern hat es bereits ähnliche Diskussionen gegeben: In Deggendorf zum Beispiel und auch in Titting im Altmühltal. Dort hat sich der Fußballverein erst kürzlich gegen den Kunstrasen mit Kunststoffgranulat entschieden. Der Platz liegt oberhalb der örtlichen Trinkwasserversorgung, neben dem Wasserschutzgebiet. Einer der Sponsoren, die örtliche Brauerei, hatte Sorgen wegen des Mikroplastiks angemeldet.

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Immer grün und ganzjährig bespielbar: Sportvereine schwärmen von Kunstrasen. Doch dessen Anteil am Mikroplastik in der Umwelt ist offenbar deutlich größer als bislang angenommen. Das legen neue Berechnungen des Fraunhofer-Instituts nahe.

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