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Bildrechte: picture-alliance / Rainer Hackenberg

Leiterin des Nürnberger Spiezeugmuseums, Karin Falkenberg

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Spielzeugmuseum Nürnberg: Aktion gegen rassistisches Spielzeug

Jahrelang stand unbemerkt rassistisches Spielzeug in der Ausstellung des Nürnberger Spielzeugmuseums. Inzwischen hat das Museum auf Beschwerden reagiert und setzt sich nun in einer Sonderschau mit den kritisierten Objekten auseinander.

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Von
  • Michael Reiner

Ausgangpunkt für die Aktion gegen rassistisches Spielzeug war die Beschwerde eine Besucherin aus den Vereinigten Staaten vor einigen Jahren, sagt die Leiterin des Nürnberger Spiezeugmuseums, Karin Falkenberg. Die Frau prangerte an, dass die Aufziehfigur "Alabama Coon Jigger" ohne irgendeinen Kommentar oder eine Einordnung im Museum ausgestellt war. "Sie sagte, dass wir Rassismus zeigen würden, der alle Menschen mit afroamerikanischen Wurzeln verletzen würde", erinnert sich Falkenberg. Das Museum veranstaltet zum Thema eine Online-Diskussion im Rahmen der Wochen gegen Rassismus.

Umstrittene Blechfigur aus Nürnberg

Die Museumschefin begann zu recherchieren. Die Blechfigur wurde nach der Jahrhundertwende von der Nürnberger Firma Ernst-Paul Lehmann gefertigt. Sie zeigt einen schwarzen Mann, der durch ein Federwerk zum Tanzen gebracht werden kann. Den rassistischen Hintergrund habe sie als "weiße Deutsche ohne Rassismus-Erfahrung" nicht dechiffrieren können, so Falkenberg.

Hilfe beim Erkennen von Rassismus

Schon der Name "Coon Jigger" sei ein Schimpfwort. Und der ehemalige Sklave, der zur Belustigung seiner weißen Herren tanzen muss, sei ein rassistisches Motiv. Daraufhin durchforsteten sie und ihr Team den Bestand des Museums nach weiteren Objekten, die rassistisch, herabwürdigend und diskriminierend sind. Dazu bekamen sie Hilfe von außen. "Ohne den Kontakt zur Schwarzen Community können wir das nicht erkennen", sagt Falkenberg.

Sieben Objekte werden nicht mehr gezeigt

Sieben Objekte hat das Museums-Team inzwischen herausgepickt, die nicht mehr wie bisher gezeigt werden. Dazu gehört etwa auch eine Blechspardose aus Nürnberger Produktion. Sie zeigt den Kopf eines Schwarzen mit aufgerissenem Mund. "Als die Sklaverei abgeschafft worden war, mussten die schwarzen Menschen ja bezahlt werden. Die Spardose zeigt sie als Geldfresser der Weißen", ordnet die Museums-Chefin das Objekt zeitgeschichtlich ein.

Sonderschau beleuchtet Hintergründe

In einer Sonderschau, die im Sommer geplant ist, sollen die Hintergründe der rassistischen Spielwaren beleuchtet werden. "Die Objekte werden nicht mehr eins zu eins gezeigt", sagt Falkenberg. Das Museum will sich künstlerisch mit ihnen auseinandersetzen, die Stücke dekonstruieren und Zusammenhänge herstellen. Später werden diese Darstellungen in die Dauerausstellung übernommen. Außerdem wird es entsprechende Triggerwarnungen geben.

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