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Spekulationsobjekt Wohnung: Gemeinden kämpfen gegen Leerstand | BR24

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Wohnraum ist knapp - auch in Oberfranken. Viele Häuser stehen leer, müssen aber dringend saniert werden. Wenn solche Anwesen jedoch als Spekulationsobjekte von Investmentfirmen dienen, bringt das so manche Gemeinde in die Bredouille.

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Spekulationsobjekt Wohnung: Gemeinden kämpfen gegen Leerstand

Wohnraum ist knapp - auch in Oberfranken. Viele Häuser stehen leer, müssen aber dringend saniert werden. Wenn solche Immobilien jedoch als Spekulationsobjekte von Investmentfirmen dienen, bringt das so manche Gemeinde in die Bredouille.

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Die Wände sind feucht und schimmelig, der Putz bröckelt von der Wand. Die ehemalige Porzellinersiedlung in Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel ist das Sorgenkind von Bürgermeister Florian Leupold. Die acht Gebäude gehören der Immobilienfirma "Van der Horst". Die lässt die Häuser seit Jahren verfallen.

Eigentümer will nicht verkaufen

Die Häuser im Fichtelgebirge sind Beispiele für Wohnraum, der neu geschaffen werde könnte. Der Eigentürmer macht diesem Plan allerdings einen Strich durch die Rechnung. Seit seinem Amtsantritt 2014 kämpft Bürgermeister Florian Leupold bereits darum, dass Schäden an den Häusern, die in den 1960er Jahren gebaut wurden, repariert werden – allerdings vergeblich.

"Da wurde mir zugesichert, dass die Anwesen saniert werden, da wir dringend – nicht nur bei uns in der Stadt, sondern allgemein in der Region – Wohnraum benötigen." Florian Leupold, Bürgermeister Marktleuthen

Pläne für barrierefreies Wohnen

Mit Unterstützung der Regierung von Oberfranken wollte die Stadt Markleuthen die Häuser für insgesamt rund 1,5 Millionen Euro kaufen. Darin sollten barrierefreie Wohnungen für Senioren eingerichtet werden. Die Immobilienfirma lehnte das Angebot jedoch ab und beharrt weiterhin darauf, die Häuser sanieren zu wollen.

Weil man für den Auftrag keine Handwerker finden würde, scheitere das Vorhaben aber, teilte man dem Bürgermeister mit. Bürgermeister Leupold glaubte das aber nicht. Er wurde selbst aktiv und nahm Kontakt zu drei Handwerksbetrieben auf. Diese erklärten sich bereit, den Auftrag durchzuführen. Somit sollte sich die Immobilienfirma bei ihnen melden – das tat sie jedoch bis heute nicht.

Mehr als 50 Wohnungen in Schönwald

Auch im nahegelegenen Schönwald hat die Immobilienfirma eine handvoll Häuser mit insgesamt 52 Wohnungen. Die Häuser verfallen und stehen weitgehend leer. Trotzdem will die Firma diese nicht verkaufen. Der örtliche Bürgermeister Klaus Jaschke befürchtet, dass die Immobilien reine Spekulationsobjekte für die Firma seien. Er vermutet, dass Steuerabschreibung dabei ein Grund sei.

Die Firma "Van der Horst" hat sich trotz mehrfacher Anfrage des Bayerischen Rundfunks bislang nicht zu diesem Thema geäußert.

Weiteres Beispiel: Haus in der Bamberger Sandstraße

Ein ähnliches Beispiel gibt es in der Welterbe-Stadt Bamberg. In der belebten Sandstraße im Kneipenviertel fällt ein Gebäude besonders auf: Ein Altbau, der schon seit fünf Monaten von außen mit Holzbalken gesichert ist. Das Haus ist akut einsturzgefährdet.

Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 2013 von einer Investorengruppe aus der Nähe von Hannover gekauft. Diese wollte das Haus zum großen Teil abreißen. Teile der Fassade und der unteren Geschosse sollten erhalten bleiben, teilte eine Sprecherin im September auf Anfrage mit.

Im Erdgeschoss sollten Gewerbeeinheiten und im oberen Teil Wohnungen entstehen. Die Stadt Bamberg lehnte den Teilabriss ab. Baureferent Thomas Beese sah noch "einiges an Substanz" in dem alten Haus.

Unterstützung durch öffentlichen Druck

Ankaufsversuche von Seiten der Stadt waren vergangenes Jahr zunächst gescheitert. Die Preisvorstellungen der Investorengruppe waren laut Stadt zu hoch.

Der öffentliche Druck wurde in den letzten Monaten allerdings sehr groß. Schließlich war Bamberg doch noch erfolgreich: Vor einigen Wochen konnte sich die Stadt mit der Investorengruppe auf einen Kaufpreis einigen, der deutlich unter dem ersten Gebot lag.

Der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke spricht von einer wichtigen Entscheidung für das Welterbe: "Denn wir wollten diesem spekulativen Handeln ein Ende setzen. Wir hatten ja Anfangs eine Kaufsumme vom 1,3 Millionen im Raum, jetzt sind wir bei 550.000 Euro. Wir haben also deutliche Fortschritte erzielt und da war die öffentliche Begleitmusik sehr hilfreich."

Somit zahlte sich die entschlossene Haltung der Stadt aus. Nun soll das einsturzgefährdete Gebäude saniert werden.

"Schutzgemeinschaft Alt Bamberg" gegen den Verfall

Martin Lorber von der "Schutzgemeinschaft Alt Bamberg" hatte vergangenes Jahr sogar eine Online-Petition gestartet. Er forderte die Investorengruppe zu einer Sanierung auf. Er will damit verhindern, dass Denkmäler und das Erbe der Vorfahren kaputt gemacht werden.

Auch ein zweites Gebäude in der Unteren Königstraße gehört laut Grundbuch noch der Investorengruppe. Diese Immobilie verfällt ebenfalls und steht leer. Die Stadt Bamberg möchte auch dieses Gebäude noch kaufen.

Bis jetzt wurden fast 1.700 Unterschriften von der "Schutzgemeinschaft Alt Bamberg" für die Sanierung gesammelt. Bis Mitte Januar läuft die Online-Petition noch. Dann will Martin Lorber persönlich Richtung Hannover aufbrechen und der Investorengruppe die Unterschriften übergeben.

Sendung

Rundschau

Von
  • Sandra Jozipovic
  • Marc Neupert
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