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Spektakuläre archäologische Funde im Polder Sulzbach | BR24

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In Niederbayern wird die Donau ausgebaut, um den Hochwasserschutz zu verbessern. Bei Grabungen nahe Mariaposching kamen Gegenstände und Überreste von 5.000 Jahre alten Siedlungen zum Vorschein.

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Spektakuläre archäologische Funde im Polder Sulzbach

Vor den im Juni begonnenen Hochwasserschutz-Baumaßnahmen im Polder Sulzbach (Lkr. Straubing-Bogen) wurden auf dem Baufeld archäologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei wurden bisher rund 600 spektakuläre historische Funde zu Tage gefördert.

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Von
  • Sarah Beham
  • BR24 Redaktion

Im Zuge des Donauausbaus in Niederbayern haben Archäologen bei Ausgrabungen mehrere Hundert Funde aus fast 5.000 Jahren Menschheitsgeschichte aufgedeckt. Diese Funde am Polder Sulzbach bei Mariaposching (Lkr. Straubing-Bogen) stammen aus verschiedenen Epochen und sind sehr gut erhalten.

Funde aus vier verschiedenen Epochen

Die Funde stammen aus vier unterschiedlichen Epochen, was ungewöhnlich ist: Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit und frühes Mittelalter. Sie weisen zudem einen außergewöhnlich guten Erhaltungszustand auf. Sie reichen von Bestattungen und Gräbern mit Skeletten über Gruben mit Alltagsgegenständen wie Kämmen, Keramik, Werkzeugen und Waffen bis zu baulichen Überresten von Siedlungen.

Bisher völlig unbekannte Siedlung der Karolingerzeit

Bisher völlig unbekannt war eine Siedlung der Karolingerzeit (800 – 1000 n. Chr.) und ein wohl zugehöriger Friedhof in der Gegend südlich von Lenzing - auf beides sind die Archäologen gestoßen. Neben Hausgrundrissen fanden sie auch Gruben mit verziegeltem Material, die als Öfen genutzt wurden.

© Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Ein Werkzeug

© Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Ein Krug

© Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Ein Kamm

"Keine Zukunft ohne Vergangenheit"

Kunstminister Bernd Sibler äußerte sich zum Fund: "Es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit. Deshalb freue ich mich sehr, dass im Polder Sulzbach ein wertvolles Stück niederbayerischer Vergangenheit freigelegt wurde. Über Jahrhunderte lagen diese archäologischen Schätze im Boden verborgen. Nun lassen sie uns in die reiche Geschichte des Freistaats eintauchen und davon lernen."

Archäologen fühlen sich in Arbeit bestätigt

Auf 80 Hektar Baustelle legten die Archäologen vorab fest, wo gegraben werden sollte. Dass man im Polder Sulzbach direkt an der Donau auf etwas stoßen werde – damit haben sie gerechnet, wie Stefanie Berg vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sagt. Sie fühlt sich in ihrer Arbeit bestätigt, sie sind richtig gelegen. Das Wichtigste: Man habe so gut erhaltene und seltene Funde ausgegraben, die auch für Laien interessant sind.

Gräber, Skelette und gut erhaltene Werkzeuge gefunden

Oft hätten Archäologen mit Vorurteilen zu kämpfen, "die kommen schon wieder, was machen die eigentlich den ganzen Tag", so Berg. Doch jetzt könne man der Öffentlichkeit Gräber, Skelette und gut erhaltene Werkzeuge zeigen. "Das ist wirklich überraschend und ist nur zu vergleichen mit den Altsiedellandschaften, Ingolstädter Becken. Einzigartig sind Vogelplastiken aus der Eisenzeit – wir haben nicht nur Alltagsgegenstände, sondern Dinge, die mit Ritualen oder Religionen zusammenhängen. Wir haben die Gräber mit den Kupferdolchen, einen kleinen Goldring. Die Leute hatten einen gewissen Wohlstand – es ist etwas Besonderes."

© BR/Sarah Beham

Die Bauarbeiten für den Polder laufen

Funde kommen wohl in die Staatssammlung nach München

Derzeit werden die Funde dokumentiert und gereinigt, um im Anschluss sortiert und geordnet zu werden. Sie kommen wohl in die archäologische und anthropologische Staatssammlung nach München. Im Zuge des Donauausbaus finden noch in den nächsten Jahren weitere archäologische Ausgrabungen statt. Die Archäologen sind sich sicher, dass sie auf weitere Funde stoßen werden.

Keine Verzögerungen beim Hochwasserschutz

Die Ausgrabungen im Polder Sulzbach im Landkreis Straubing Bogen haben keinen Einfluss auf die Baumaßnahmen – die Bauarbeiten verzögern sich nicht. Archäologische Ausgrabungen werden bei derart großen Baustellen immer mit einberechnet. Bereits seit vergangenem Jahr fanden die archäologischen Ausgrabungen im Polder statt. Bei den Baumaßnahmen im Polder Sulzbach werden zwei große Deiche ins Landesinnere rückverlegt und fünf Schöpfwerke neu errichtet. Damit soll der Hochwasserschutz für die Bevölkerung verbessert werden.

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