Megabatterie in Lingen
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Am Gaskraftwerk Emsland in Niedersachsen betreibt RWE seit Januar eine Megabatterie (Container im Vordergrund). Was macht Bayern, fragt die SPD.

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SPD will Riesen-Batterien statt Atomkraftwerke

Die Landtags-SPD sieht in Bayern einen Nachholbedarf bei Energiespeichern. Ihr Vorschlag: an den bisherigen Kernkraftwerks-Standorten Großbatterien bauen. Woanders gibt es Ähnliches schon.

Auch wenn die Atomreaktoren stillgelegt sind, die dorthin führenden Stromleitungen bleiben fürs Erste bestehen. Deshalb wären nach Ansicht des bayerischen SPD-Chefs Florian von Brunn die Kraftwerksstandorte Grafenrheinfeld, Gundremmingen und Isar bei Landshut besonders gute Standorte für große Stromspeicher. "Heute sind schon Batteriespeicher mit vielen Hundert Megawatt Leistung möglich. Solche Speicher möchte ich so schnell wie möglich im Freistaat", so von Brunn.

Batterien gibt es schon an Kraftwerken in Brandenburg und NRW

Andere Bundesländer seien hier schon weiter, kritisiert die SPD. So hat der RWE-Konzern zu Beginn des Jahres so genannte Megabatterien ans Netz gebracht, an seinen Gaskraftwerksstandorten Lingen in Niedersachsen und Werne in Nordrhein-Westfalen. Die Gesamtleistung der gekoppelten Speicher beträgt 117 Megawatt.

Auch am Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe in der Lausitz steht seit zwei Jahren eine Groß-Batterie. Diese vom Leag-Konzern betriebene "Big Battery Lausitz" leistet 50 Megawatt. Bayern dagegen habe durch die Untätigkeit von CSU und Freien Wählern einen deutlichen Rückstand beim Bau von großen Batteriespeichern, kritisiert von Brunn.

Speicher für Sonnenstrom in der Mittagszeit

Das müsse sich ändern, damit künftig mehr Sonnenstrom genützt werden könne. Vor allem in den Mittagsstunden produziert die zunehmende Zahl an Solarparks inzwischen teils mehr Strom, als zeitgleich genutzt und durch Leitungen abtransportiert werden kann.

Batterien eignen sich dazu, Strom für einige Stunden zu speichern und beispielsweise nach Einbruch der Dunkelheit wieder abzugeben. Der Freistaat solle Großbatterien mit verbilligten Krediten und Bürgschaften unterstützen, fordert SPD-Chef von Brunn.

Aiwanger setzt auf ein Wasserstoff-Programm

Bayerns Energieminister Hubert Aiwanger (FW) setzt indes auf dezentrale Strom-Speicherung in Form von Wasserstoff. Dazu sollen über die Fläche des Freistaats verteilt ab diesem Jahr 50 regionale Elektrolyse-Anlagen zur Wasserstoffproduktion entstehen. Deren Leistung beträgt jeweils mindestens ein Megawatt Leistung. Sie werden mit insgesamt 150 Millionen Euro bezuschusst.

Wasserstoff eignet sich besonders zur langfristigen Speicherung von Strom, auch über Monate. Der Wirkungsgrad ist deutlich schlechter als bei Batterien, und wenn der Elektrolyseur abhängig vom jeweiligen Stromangebot nur wenige Stunden täglich betrieben werden kann, verteuert das den produzierten Wasserstoff.

Großbatterie in Franken am Netz

Großbatterien entstehen in Bayern ebenfalls, wenn auch bisher nicht an den bisherigen Kernkraftwerks-Standorten. In Franken ging vor wenigen Tagen die so genannte "Batteriespeicherkette Nordbayern“ in Betrieb – initiiert unter anderem vom österreichischen Verbund-Konzern.

Die beiden Speicherstandorte in Diespeck (Landkreis Neustadt an der Aisch) und Iphofen (Landkreis Kitzingen) bieten nach Angaben des bayerischen Wirtschaftsministeriums eine Gesamtleistung von 42 Megawatt.

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