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Franz Maget: "Die CSU ist immer noch von Männern dominiert" | BR24

© pa/dpa/Frank Leonhardt

März 2009: Der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget (r.) unterhält sich im Landtag mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).

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    Franz Maget: "Die CSU ist immer noch von Männern dominiert"

    Der langjährige bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget gratuliert der CSU zum 75. Geburtstag - mit kritischen Zwischentönen. Im BR24-Interview spricht Maget auch über Markus Söders geplante Modernisierung der Partei und die Rolle der Freien Wähler.

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    Herr Maget, die CSU feiert ihren 75. Geburtstag. Was wünschen Sie?

    Zunächst gratuliere ich natürlich. Die CSU ist eine außerordentlich erfolgreiche Partei. Allerdings würde es ihr auch mal gut tun, in die Opposition zu gehen und sich dort zu erneuern. Denn das ständige Ringen um den Machterhalt ist zwar das Markenzeichen der CSU - zur Demokratie würde aber auch in Bayern mal ein Machtwechsel gehören.

    Nach dem Gang in die Opposition sieht es für die CSU im Freistaat derzeit aber so gar nicht aus. Warum?

    Weil die Partei es immer gut verstanden hat, die aktuellen Probleme des Landes aufzugreifen. Dazu kommt: Die CSU ist gut organisiert - und kann sich im Übrigen auf eine teilweise exzellente bayerische Staatsverwaltung verlassen. Gerade in Krisenzeiten ist das sehr hilfreich.

    Sie waren lange SPD-Fraktionschef im Landtag, damit auch Oppositionsführer. Wie oft hatten Sie in dieser Zeit Alpträume, in denen CSU-Protagonisten vorkamen?

    Alpträume hatte ich in dieser Zeit eigentlich nie. Aber natürlich immer eine relativ intensive Auseinandersetzung mit der Mehrheitspartei.

    Was gefällt Ihnen an der CSU?

    Ich muss neidlos feststellen, dass es ein erfolgreiches Modell war, aus den Trümmern der konservativen Parteien der Weimarer Republik eine Partei zu schmieden, die ausschließlich auf Bayern begrenzt ist. Eine Regionalpartei, die den Menschen hier den Eindruck vermittelt, dass für ihre Interessen allein diese Partei die richtige Adresse ist. In Bayern macht genau das die Stärke der CSU aus. Über den Freistaat hinaus ist es gleichzeitig ihre Schwäche - weil sie dort nicht so viel Einfluss gewinnen kann wie eine bundesweit oder europäisch organisierte Partei.

    Und was missfällt Ihnen an der CSU?

    Es geht da nicht ums Gefallen, sondern um die Wirkung. Sagen wir mal so: Durch die guten Wahlergebnisse kann die CSU viele Mandate und lukrative Posten im ganzen Land vergeben. Das macht sie zu einer großen politischen Familie, in der man füreinander sorgt. Das führt aber auch zu Machtmissbrauch und Verfilzungen, weil die demokratische Kontrolle bei einer jahrzehntelang alleine regierenden Partei nicht ganz einfach ist. Ein Beispiel: Meines Wissens gehört kein einziger führender Ministerialbeamter in Bayern einer anderen Partei als der CSU an.

    Bei der Landtagswahl 2018 erreichten die Freien Wähler - der CSU in vielen Punkten vergleichsweise nahe - knapp zwölf Prozent. Werden sie den Christsozialen gefährlich?

    Nein. Die Freien Wähler sind zwar auf kommunaler Ebene teilweise eine Abspaltung der CSU. Ich glaube aber, dass ihre Regierungsbeteiligung nur eine Episode bleiben wird - genau wie bei der FDP in der vorletzten Legislatur.

    Maget: Söder kann CSU Modernisierung "verordnen"

    Seit gut eineinhalb Jahren ist Markus Söder CSU-Chef. Er hat sich unter anderem eine Erneuerung der Partei vorgenommen, auch durch eine Art "Ergrünung". Wie sehen Sie seine Arbeit bisher?

    Markus Söder will immer erkennen und verstehen, was die jeweilige Zeit von der CSU erfordert und auch abverlangt. Insofern sieht er natürlich genau, dass Bayern ein modernes Land ist, in dem man etwa die politische Beteiligung von Frauen zu einem großen Ziel machen muss.

    Im vergangenen Jahr lehnte die CSU-Basis beim Parteitag eine erweiterte Frauenquote ab - gegen den erklärten Willen von Söder und Generalsekretär Blume...

    Das liegt ein Stück weit an der Genetik dieser Partei, ein sehr traditionelles Frauen- und Familienbild zu pflegen. Die CSU ist immer noch eine von Männern dominierte politische Bewegung. Zum Machterhalt ohne Koalitionspartner reicht das aber nicht mehr. Deshalb lautet die große Frage der CSU: Wollen wir bleiben, was wir gerne sind - oder müssen wir uns leider auch an dieser Stelle verändern, um den Machterhalt zu sichern? Söder ist da natürlich der richtige Mann, weil sein Streben nach politischem Einfluss so stark ist, dass er seiner Partei auch eine solche Modernisierung als neue Medizin verordnen kann.

    In Söders Jugendzimmer hing ein Plakat von Franz Josef Strauß. Und bei Ihnen?

    Bei mir hingen Plakate von Musikern, bestenfalls von Fußballspielern. Aber wenn ich ein politisches Poster aufgehängt hätte, wäre es Willy Brandt gewesen. Denn wegen dessen Politik, die übrigens von der CSU heftig bekämpft wurde, bin ich in die SPD eingetreten.

    Um die bayerische SPD steht es aktuell nicht übermäßig gut, in Umfragen lag sie zuletzt dauerhaft unter zehn Prozent. Wollen Sie darüber reden?

    Ich halte nichts davon, dass aus der aktiven Politik ausgeschiedene Menschen unerbeten öffentliche Ratschläge erteilen. Aber weh tut mir das natürlich schon. Ich bin fest davon überzeugt, dass Deutschland die Sozialdemokratie braucht. Die SPD hat diesem Land immer gut getan.

    Franz Maget, 66, war von 2000 bis 2009 SPD-Fraktionschef im Bayerischen Landtag und damit auch Oppositionsführer. Als Abgeordneter gehörte er dem Landtag von 1990 bis 2013 an. Bei den Landtagswahlen 2003 und 2008 unterlag Maget als SPD-Spitzenkandidat den CSU-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber bzw. Günther Beckstein jeweils deutlich. 2016 wechselte Maget aufs diplomatische Parkett - und wurde für zwei Jahre Sozialreferent an der Deutschen Botschaft in Tunis und Kairo.

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