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Bad Grönenbach: Behörden monierten Kot, Futtermangel und Gewalt | BR24

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Im Unterallgäu sind inzwischen drei Großbetriebe in den Verdacht geraten, gegen den Tierschutz verstoßen zu haben. Eine Antwort der Staatsregierung an die Landtags-SPD enthält bislang unbekannte Einzelheiten.

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Bad Grönenbach: Behörden monierten Kot, Futtermangel und Gewalt

Ein Tierschützer-Video löste einen Skandal in Bad Grönenbach aus. Eine Anfrage der SPD brachte nun Details amtlicher Kontrollen an die Öffentlichkeit. Es geht um die medizinische Versorgung der Tiere, Verunreinigungen mit Kot und Urin sowie Gewalt.

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Kot- und Urinansammlung, nicht- oder nicht ausreichend behandelte Tiere, Rinder, die Wasser und Futter nicht erreichen können: Diese und weitere Verstöße stellten Veterinäre in einem der größten Milchviehbetriebe Bayerns in Bad Grönenbach im Allgäu fest. Mehrere Landtagsabgeordnete der SPD forderten von der Staatsregierung eine Auflistung der Kontrollen zwischen 2014 und 2019 an. Der Abgeordnete Florian von Brunn zeigte sich nach Erhalt der Antwort bestürzt. Das Schreiben der Staatsregierung liegt dem Bayerischen Rundfunk vor.

Video bringt Betrieb in Bad Grönenbach in die Schlagzeilen

Der Betrieb in Bad Grönenbach, der vor allem Kühe hält, war durch Videoaufnahmen von Tierschützern in die Schlagzeilen geraten. Nach nun bekannt gewordenen Angaben der Staatsregierung stellten die Kontrollbehörden in den Ställen des Betriebs in der Gemeinde im Unterallgäu seit Mitte 2018 Verstöße gegen den Tierschutz fest. An einem weiteren Standort in Heimertingen gab es Ende 2016 protokollierte Verstöße.

Veterinäre beanstanden seit Mitte 2018 Verstöße gegen den Tierschutz

In Bad Grönenbach beanstandeten die Behörden nach Angaben der Staatsregierung im Juli 2018 zunächst, dass das Verhältnis von Tieren zu Liegeplätzen nicht ausreiche und verlangten ein schriftliches Konzept. Bei weiteren Kontrollen hielten die Veterinäre zu einem Jungrind fest: "Es ist nicht ausreichend, dieses Tier in der Krankenbucht zu separieren und sich selbst zu überlassen." Im Juni 2019 beanstandeten die Kontrolleure, dass "festliegenden oder lahmenden Tieren" kein Futter oder Wasser in erreichbare Nähe gebracht wurde. Die Kontrolleure forderten, den Standbereich am Futtertisch für die übrigen Tiere von großen "Kot- und Urinansammlungen" zu reinigen. Wenige Tage später verlangten die Veterinäre bei einer weiteren Kontrolle, festliegende Kühe künftig nicht mehr mit einem Nasengriff umzulagern. Solche Zwangsmaßnahmen seien ausschließlich kurzzeitig anzuwenden - etwa bei einer Injektion oder einer Blutentnahme.

Verschmutzung mit Kot Ende 2016 in Heimertingen beanstandet

Erste Verstöße hatten Veterinäre Ende 2016 am Standort Heimertingen festgehalten. Dort wurde neben einer zu hohen Zahl an Tieren in der Jungrinderbucht festgestellt, dass Stall und Rinder mit Kot verschmutzt waren. Es wurde angeordnet, einen Kotschieber instandzusetzen sowie den Stall zu reinigen.

Florian von Brunn attackiert Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach

Der Landtagsabgeordnete Florian von Brunn (SPD) zeigte sich bestürzt und macht dem Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach schwere Vorwürfe: "Was mich wirklich am meisten schockiert hat, war, dass offensichtlich kranke Tiere, ohne Futter und Wasser liegen gelassen wurden - und man ihnen auch nicht den Gnadentod gewährt", sagte von Brunn dem Bayerischen Rundfunk. Er unterstellt dem Landwirt, es sei darum gegangen, Kosten zu sparen.

Von Brunn: Landratsamt hätte früher einschreiten müssen

Florian von Brunn kritisiert auch das Landratsamt Unterallgäu. Zu lange sei nicht eingeschritten worden. Er wundere sich, warum das Landratsamt nicht früher Anzeige erstattet habe. Von Brunn erklärte: "Also ich verstehe nicht: Wenn man auf der einen Seite über Personalmangel klagt im Landratsamt - warum man dann nicht die Spezialeinheit Tierschutz des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zu Hilfe holt."

Landräte im Allgäu sehen Amtstierärzte überfordert

Hintergrund der Kritik des SPD-Abgeordneten ist ein Brandbrief der Landräte im Allgäu. Gemeinsam klagten sie in der vergangenen Woche in dem Schreiben an Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) über eine Überlastung ihrer Amtstierärzte und forderten, die Veterinärämter dringend personell zu verstärken.

Drei Bauernhöfe in Bad Grönenbach im Visier der Ermittler

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen drei Bauernhöfe aus Bad Grönenbach. Filmaufnahmen von Tierschützern hatten zunächst einen der größten Milchviehbetriebe Bayerns in der Gemeinde im Unterallgäu schwer belastet. Daraus entwickelte sich ein Tierschutzskandal, in dessen Folge drei landwirtschaftliche Betriebe von Amtstierärzten kontrolliert und von der Polizei durchsucht wurden.