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Ungeklärte Morde in Bayern

Der Mord an Michaela Eisch geht dem ehemaligen BR-Polizeireporter Oliver Bendixen nicht aus dem Kopf. Am 17. Mai 1985 wurde die 8-jährige in München das letzte Mal lebend gesehen. Mit einem unbekannten Mann. 29 Tage später fand man ihre Leiche. Sie war vergewaltigt und getötet worden. Der Fall geht Bendixen auch deshalb nicht aus dem Kopf, weil er während seiner 40-jährigen Tätigkeit als Polizeireporter der vermutlich einzige nicht geklärte Mord an einem Kind in München gewesen war. Die Aufklärungsquote bei Mord ist relativ hoch – verglichen mit anderen Verbrechen. 2017 lag sie in Bayern bei 97 %.

Insgesamt 189 Mordfälle und Mordversuche warten in Bayern noch auf ihre Aufklärung. Das ist eines der Ergebnisse einer parlamentarischen Anfrage der Landtags-SPD. SPD-Fraktionschef Rinderspacher fordert nun spezielle Polizei-Einheiten für diese Cold Cases.

Auch wenn es bisher keine Spezialeinheit gibt, rollen die Beamten Ermittlungen immer wieder auf: Dank neuer Technik hatte man im Fall Michaela Eisch eine DNA Spur gefunden. 2011 gab es einen Massengentest. Doch der Test blieb ergebnislos.

"Die Polizei sucht noch weiter, der Fall ist noch nicht abgeschlossen, immer noch nicht im Aktenbestand der Münchner Polizei verschwunden." Oliver Bendixen, ehemaliger BR-Polizeireporter

Manche Mordfälle werden erst nach Jahren gelöst

Nach Jahren erfolgreich waren die Beamten allerdings im Mordfall an einer irischen Studentin 1991. Sie war in München vergewaltigt und ermordet worden. Oliver Bendixen erinnert sich, dass 12 Jahre später ein Mann wegen verschiedener Körperverletzungsdelikte in Bremerhaven festgenommen wurde. Man hatte ihm eine Speichelprobe abgenommen. Er war der Täter! Bayerische Ermittler hätten sogar als erste begonnen, Altfälle immer wieder aufzurollen, sagt Oliver Bendixen. Nur passiert das eben bisher nicht in einer Speziellen Einheit. Sein Meinung dazu:

"Beamte in so eine Sonderheit zu stecken, die sich nur um alte unaufgeklärte Fälle kümmern, das führt meiner Meinung zu riesen Frust bei diesen Ermittlern, die vor einer schier aussichtslosen Aufgabe stehen und unter Umständen jahrelang überhaupt keine Erfolgserlebnisse mehr haben." Oliver Bendixen, ehemaliger BR-Polizeireporter

Der SPD sieht das anders, sie befürchtet, dass sich die Polizei durch die erhebliche Arbeitsbelastung im Alltag kaum um Altfälle kümmern könne. Rinderspacher schlägt vor, bei allen zehn Polizeipräsidien in Bayern Spezialeinheiten für ungelöste Mordfälle zu schaffen und diese mit neuem Personal auszustatten. "Wir dürfen keine Anstrengungen unterlassen, die Strafverfolgung so effektiv wie möglich zu machen“, so Rinderspacher. Dabei verweist er auf andere Bundesländer wie Hamburg oder Nordrhein-Westfalen, die bereits dabei wären, solche Einheiten einzurichten.