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Stadtsparkasse München fürchtet Negativzinsen für Privatanleger | BR24

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Die Stadtsparkasse München hält Negativzinsen auf Bankguthaben für immer wahrscheinlicher. Bisher haben nur kleinere Banken Negativzinsen für Privatkunden eingeführt.

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Stadtsparkasse München fürchtet Negativzinsen für Privatanleger

Laut der Stadtsparkasse München, der größten Sparkasse Bayerns, drohen Sparern möglicherweise Negativzinsen. Laut Bankchef Fleischer könnte es Freibeträge geben, Guthaben bis 100.000 Euro sollen so von Abgaben verschont bleiben.

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Der Chef der Stadtsparkasse München, Ralf Fleischer begründete das im Interview mit dem "Münchner Merkur" mit der Finanzpolitik der Europäischen Zentralbank. Sollte der Einlagezins der EZB wie angekündigt noch weiter sinken, dann kämen Banken nicht umhin, dies auch dem Kunden in Rechnung zu stellen.

Sparkasse München zahlte 13 Millionen Euro Negativzinsen

Allein im vergangenen Jahr, so Fleischer, habe die Stadtsparkasse Negativzinsen in Höhe von 13 Millionen Euro bezahlt. Das könne man irgendwann nicht mehr abfangen, so Fleischer weiter. Sollte die Bank für ihre Privatkunden ebenfalls Negativzinsen einführen, soll es laut Fleischer Freibeträge geben. Dann könnten Guthaben bis 100.000 Euro von Abgaben verschont bleiben.

Ist der Sparer der Dumme?

Laut einer Studie der DZ Bank (Genossenschaftliche Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken) kostet die Niedrigzinsphase die Sparer richtig viel Geld. In den vergangenen zehn Jahren haben die Privathaushalte so einen Zinsverlust von 648 Milliarden Euro erlitten. Die Einsparung durch günstige Konsumentenkredite und Immobilienfinanzierungen belaufen sich hingegen auf nur 290 Milliarden Euro. Umgerechnet heißt das: Ein Minus von 100 Millionen Euro am Tag.

Die EZB bestimmt die Richtung

Die EZB setzt den Leitzins in der Eurozone fest und bestimmt so maßgeblich das Zinsniveau. Seit 2008 sank der EZB-Leitzinssatz fast kontinuierlich von damals 4,25 Prozent auf heute 0 Prozent. Der sogenannte Einlagensatz, den Geschäftsbanken zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken, beträgt derzeit minus 0,4 Prozent. Zu den offensichtlichsten Folgen gehören die immer geringeren Zinserträge für Sparer und Geldanleger, sie gleichen nicht einmal mehr die Inflationsrate aus. Im Gegenteil.

Einer der Hauptgründe für die Niedrigzinspolitik der EZB ist, dass dadurch die Unternehmen günstig an Kredite kommen sollen. So soll die Wirtschaft angekurbelt werden. Doch das geschieht nicht in dem Ausmaß, denn insbesondere in Deutschland geht es vielen Unternehmen so gut, dass sie ihre Investitionen selbst finanzieren können.

Negativzinsen gibt es bereits für Sparer – auch in Bayern

Im Moment trifft es meist Sparer mit einem Guthaben oberhalb von 500.000 Euro. So verlangt die Nassauische Sparkasse bereits seit 1. Juli einen Negativzins für wohlhabende Sparer. Die Baden-Württembergische Bank erwägt es ebenfalls. Eine aktuelle Umfrage von biallo.de unter gut 1.200 Banken und Sparkassen zeigt: Negativzinsen für Privatkunden sind längst kein Tabu mehr. Von knapp 170 Geldhäusern erheben 30 ein sogenanntes Verwahrentgelt für Privatkunden, zum Teil schon ab 100.000 Euro. So zum Beispiel die Raiffaisenbank Gmund. Sie verlangt von Sparern ab 100.000 Euro auf Tages- und Girokonten bereits einen Negativzins von 0,4 Prozent.

Nach der Umfrage von biallo.de gibt auch die Sparkasse Bamberg an, 0,4 Prozent Strafzins für Einlagen ab zwei Millionen Euro auf Girokonto und Tagesgeld zu erheben. Ebenso die Sparkasse Coburg-Lichtenfels (Sichteinlagen im Millionenbereich auf Giro- und Geldmarktkonto), die V-Bank München ab 500.000 Euro, die VR-Bank Landsberg-Ammersee ab 300.000 Euro auf Giro- und Tagesgeldkonto. Die Volksbank Raiffeisenbank Starnberg-Herrsching-Landsberg trifft individuelle Vereinbarungen mit ihren Kunden.

Auch die Kommunen im Freistaat sind betroffen

Die Plattform biallo.de ist ein Zusammenschluss von unter anderem 40 Journalisten und Datenbank-Mitarbeitern, die seit 15 Jahren besteht. Die Recherchen des Verbundes haben ergeben, dass auch Kommunen bereits Negativzinsen zahlen müssen. So verlangt nach Angaben von biallo die Kreissparkasse Augsburg und die Raiffeisenbank im Oberland bereits Minuszinsen in Höhe von 0,4 Prozent von Kommunen ab einer Million Euro Guthaben; die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg bereits ab einer Summe von 250.000 Euro. Von der Erhebung von Negativzinsen sind natürlich auch die Unternehmen stark betroffen.

Der Verband der Sparkassen fordert schon lange Ausgleich

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Grioverbandes, sieht in dem Vorgehen der EZB ein Signal, ihre Geldpolitik noch expansiver zu gestalten. Seiner Ansicht nach helfe eine weitere monetäre Flutung nicht mehr, um Investitionen und Konjunktur anzuregen, zementiere aber die Lähmung der Geld- und Kapitalmärkte.

"Ein weiteres Anhalten oder eine Verschärfung der Negativzinsen wird für die Wirtschaft und für jeden in diesem Land deutlich spürbar werden. Angesichts der Erfahrungen in Japan können wir nur davor warnen, die langfristig negativen Effekte zu unterschätzen." Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Grioverbandes
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Laut der Stadtsparkasse München drohen Sparern möglicherweise Negativzinsen. Laut Bankchef Fleischer könnte es Freibeträge geben, Guthaben bis 100.000 Euro sollen so von Abgaben verschont bleiben. Der Grund sei die Finanzpolitik der EZB.