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Sparerfrust - Immer mehr Banken verlangen Negativzinsen | BR24

© picture-alliance/dpa

Zahlen statt Zinsen

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    Sparerfrust - Immer mehr Banken verlangen Negativzinsen

    Harte Zeiten für Sparer - wer sein Geld zur Bank bringt, wird dafür oft nicht mehr belohnt, im Gegenteil. Die Geldhäuser verlangen immer häufiger Zinsen für Giro- oder Tagesgeldkonten. Kunden können sich aber dagegen wehren.

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    Wenn Kinder mit prall gefüllten Sparschweinen in die Bankfilialen kommen, dann ist wieder Weltspartag. Der Nachwuchs soll dabei den verantwortungsvollen Umgang mit Geld lernen. Doch der Sinn des Sparens erschließt sich heutzutage nicht mehr unmittelbar. Durch die Nullzinspolitik fehlt der Rückenwind, der das Guthaben auf dem Konto automatisch wachsen lässt. Nun kommt sogar vermehrt Gegenwind auf. Denn immer mehr Banken fordern Strafzinsen von den Kunden, wenn sie größere Summen auf ihren Konten haben.

    Immer mehr Banken verlangen Strafzinsen

    Eine aktuelle Untersuchung des Finanzportals "biallo" in Schondorf am Ammersee zeigt: Die Zahl der Banken, die Strafzinsen von Privatkunden verlangt, hat sich binnen eines Jahres mehr als versechsfacht, von 30 auf 190. Der durchschnittliche Betrag ab dem Zinsen kassiert werden, sinkt gleichzeitig immer weiter ab. Waren früher erst Kontostände über 500.000 Euro oder einer Million betroffen, gibt es mittlerweile Banken, die schon ab 25.000 Euro, in seltenen Fällen bereits ab dem ersten Cent ein Verwahrentgelt fordern. Die Negativzinsen kommen immer stärker beim Otto-Normal-Verbraucher an.

    Auch Geldhäuser leiden unter der Nullzinspolitik

    Das Problem der Banken? Es gibt zu viel Geld und zu wenig Investitionsmöglichkeiten. Denn anders als in der Vergangenheit bekommen Banken keine Zinsen, wenn sie Geld bei der Zentralbank parken, sondern sie müssen stattdessen welche bezahlen. Das soll die Banken veranlassen, Kredite zu vergeben, um damit die Wirtschaft anzukurbeln. Doch gerade in Zeiten von Corona zögern viele Kreditinstitute, weil das Ausfallrisiko bei Unternehmen deutlich gestiegen ist. Die Banken wollen sich aber auch vor Neukunden schützen, die ihr Geld lediglich auf einem Konto anlegen, aber sonst keine Geschäftsbeziehungen unterhalten wollen, sagt Sebastian Schick, Chefredakteur des Finanzportals. Denn sie verursachen für die Geldhäuser nur Kosten.

    Kunden können sich wehren

    Vor allem Bestandskunden können sich allerdings wehren. Die Banken dürfen ihnen das Verwahrentgelt nicht einfach berechnen, sondern die Kunden müssen dem auch zustimmen. Das hat das Landgericht Tübingen entschieden. Meist lädt die Bank zu einem Gespräch und versucht eine gemeinsame Lösung zu finden, etwa durch die Umschichtung von Geld in Aktienfonds. Die Bank verdient daran, und auch der Kunde kann profitieren. Allerdings sollte man sich nicht überreden lassen, aus Angst, sein Girokonto zu verlieren. "Es gibt noch viele Anbieter auf dem Markt, die ein kostenloses Girokonto anbieten, und der Wechsel ist viel einfacher als früher", sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern.

    Chancen für Sparer: Die richtigen Anlagen wählen

    Ganz ungewollt kann so allerdings ein Dominoeffekt entstehen. Wenn zu viele Kunden wegen Negativzinsen zu einer neuen Bank wechseln, wird diese wahrscheinlich selbst irgendwann Strafzinsen erheben, sagt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts in München. Er glaubt, dass sich der Trend erst umkehren dürfte, wenn es gelingt, die Rezession zu überwinden und die Zinsen generell wieder steigen.

    Für viele Bürger kann das Verwahrentgelt aber auch positive Effekte haben. Experten kritisieren schon lange, dass zu viel Geld auf niedrig verzinsten Konten liegt, wo es durch Inflation jedes Jahr entwertet wird. Wer sich dagegen aktiv mit seinen Finanzen auseinandersetzt und die richtige Anlage wählt, kann von deutlich höheren Renditen profitieren.

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