BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Sarah Beham
Bildrechte: BR/Sarah Beham

Gespannt wartet man in Ostbayern, ob das UNESCO-Welterbekomitee den Donaulimes zum Weltkulturerbe ernennt. Besonders aufgeregt ist man in der kleinen Gemeinde Künzing im Landkreis Deggendorf. Am Wochenende gab es noch keine Entscheidung.

9
Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Spannung in Ostbayern: Donaulimes bald Weltkulturerbe?

Gespannt wartet man in Ostbayern, ob das UNESCO-Welterbekomittee den Donaulimes zum Weltkulturerbe ernennt. Der römische Grenzwall zieht sich durch Niederbayern und die Oberpfalz. Am Wochenende gab es noch keine Entscheidung.

9
Per Mail sharen
Von
  • Sarah Beham

Bald könnte es heißen: Ein Teil der kleinen Gemeinde im niederbayerischen Künzing ist Weltkulturerbe. Denn das UNESCO-Welterbekomitee will auf seiner aktuellen Sitzung entscheiden, ob der Donaulimes mit insgesamt neun verschiedenen Stätten in Ostbayern Weltkulturerbe wird. Künzings Museumsleiter Roman Weindl ist aufgeregt, er hofft auf den Titel: "Es wäre eine tolle Sache, wenn wir als kleine Gemeinde Teil von so etwas Großem sind, da wären wir komplett aus dem Häuschen." Der Titel würde Künzing an der Donau mehr Tourismus und eine internationale Bedeutung bringen. Entscheidend für die Auswahl zum Weltkulturerbe ist der universeller Wert.

Amphitheater in Künzing bald schon Weltkulturerbe?

Konkret wurde in Künzing unter anderem das hölzerne Amphitheater nominiert. 2003 hat man Überreste im Boden davon gefunden. Eine absolute Sensation, wie Weindl sagt. In Deutschland gibt es nur zwei hölzerne Amphitheater am Limes – und eines davon ausgerechnet im kleinen Künzing an der Donau. Die Überreste des Amphitheaters finden sich im Boden, daher handelt es sich um ein Bodendenkmal. Doch die Gemeinde hat das Amphitheater mit Holzpfählen rekonstruiert. Besucher in Künzing können erahnen, dass die Menschen damals auf der Tribüne jubelten, während in der Arena Bären gekämpft haben. Dadurch wird Geschichte erlebbar.

© BR/Sarah Beham
Bildrechte: BR/Sarah Beham

So könnte es damals im Künzinger Amphitheater ausgesehen haben: Eine Playmobil-Ausstellung zeigt derzeit im Museum die Geschichte der Gemeinde.

Neun Stätten in Bayern als Welterbeteilstätte nominiert

Aber nicht nur das Amphitheater in Künzing wurde nominiert. In Bayern sind insgesamt neun Stätten als Welterbeteilstätten nominiert:

1. Bad Gögging – Heilbad (Stadt Neustadt an der Donau/Bad Gögging)

2. Eining-Weinberg – Wachtturm und Heiligtum (Stadt Neustadt an der Donau/Eining)

3. Weltenburg-Am Galget – Kleinkastell (Stadt Kelheim/Weltenburg)

4. Regensburg Großprüfening – Kastell und Vicus (Stadt Regensburg)

5. Regensburg Kumpfmühl – Kastell und Vicus (Stadt Regensburg)

6. Regensburg – Legionslager (Stadt Regensburg)

7. Straubing – Ostkastell und Kastell St. Peter (Stadt Straubing)

8. Künzing – Amphitheater und Vicus (Künzing)

9. Passau Altstadt – Kastell/Passau Boiotro – Kastell/Passau Haibach – Burgus (Stadt Passau)

Besucher, die auf den Spuren der Römer wandeln wollen, haben es heute leichter denn je: Fünf Museen in Bayern haben sich zu den "Römermuseen am Donaulimes" zusammengeschlossen, darunter Künzing, Kelheim, Regensburg, Straubing, Passau und Manching.

© BR
Bildrechte: BR

Welterbenominierungen in Ostbayern

Donaulimes: Von Bayern bis in die Slowakei - Ungarn nicht mehr dabei

Die Nominierung bezieht sich aber nicht nur auf Bayern. Insgesamt soll der westliche Teil des sogenannten Donaulimes – also die Grenze des römischen Reiches – auf die Liste. Deutschland, Österreich und die Slowakei haben gemeinsam den Antrag gestellt. Ungarn war anfangs auch dabei, ist aber aus dem Projekt ausgestiegen. Überall hier verläuft die Donau, die Grenze des römischen Reiches, die damals mit Kastellen, Wachtürmen und Festungen gesichert wurde.

Besonderheiten entlang der Donau: Römische Grenze sichern

Sebastian Sommer ist Vorsitzender der Deutschen Limeskommission und war die letzten Jahre damit beschäftigt, an dem Antrag für die Nominierung zu schreiben. Er wäre erleichtert, wenn es mit dem Titel klappt. Der Professor nennt drei Kriterien, die die Besonderheiten der Stätte entlang des Donaulimes ausmachen: Erstens werde durch die Kastelle und Wachtürme sichtbar, wie die Römer versucht haben, ihr Reich zu sichern. Zweitens stellen die Kastelle außergewöhnliche Planungsaspekte dar. Und drittens könnten durch diese Stätten sichtbar gemacht werden, wie die Römer auf die Topografie und Geografie sowie Gegner reagiert haben.

"Diese Plätze sind in der Lage, die Besonderheit dieser römischen Grenze des Flusses zu repräsentieren. Diese Flussgrenze hat über mehr als vier Jahrhunderte bestanden an der Donau und hatte eine ganz besondere Notwendigkeit, überwacht zu werden." Sebastian Sommer, Vorsitzender der Deutschen Limeskommission

Römerzeit: Donau als wilder Fluss

Man müsse sich die Donau anders vorstellen als heute. Früher war sie noch nicht begradigt, sondern ein wilder Fluss, der an einigen Stellen bis zu 20 Kilometer breit sein konnte. Das machte die Überwachung damals schwierig. Alle Plätze der Römer mit Kastellen sind nach Sommer aber strategisch geschickt gewählt worden zur Überwachung. Denn an diesen Stellen konnte die Donau über einen langen Abschnitt flussauf- und abwärts überblickt werden. Zudem diente die Donau als Kommunikationsweg: römische Flotten zur Überwachung, Handelsschiffe zur Belieferung.

Ostkastell in Straubing: Schätze aus Römerzeit

Im niederbayerischen Straubing gab es damals auch einen Römerhafen, heute noch transportieren hier Schiffe Waren. Die Straubinger sind echte Römerfans, es gibt auch Veranstaltungen dazu, dabei wird typisch römisch gegessen. In der Gäubodenstadt könnte unter anderem das Ostkastell zum Weltkulturerbe werden.

© Firma Arctron, Altenthann.

Straubing Ostkastell, Steinbauphase aus der Mitte des 2. Jh. n. Chr: 3D-Rekonstruktion für das Gäubodenmuseum Straubing.

© BR/Sarah Beham

Salve, Straubing: Die Straubinger sind echte Römerfans und zeigen das auch gerne bei Festen.

© BR/Sarah Beham

Die Römerschätze, wie Pfeile der damaligen Soldaten, sind im Gäubodenmuseum Straubing zu bewundern.

Heute kann man das Kastell nicht mehr sehen, Überreste davon befinden sich unter einem landwirtschaftlich genutzten Acker. Doch die gefundenen Römerschätze im Boden sind nun im Gäubodenmuseum der Stadt Straubing zu bewundern: Pfeile, Helme, Töpfe, Becher oder Spielsteine. Sie erzählen die Geschichte der rund 1.500 stationierten römischen Soldaten. Neben dem Militär haben etwa 6.000 Menschen in der Zivilsiedlung gelebt. Werkzeuge von Malern oder getöpfertes Geschirr zeugen vom zivilen Leben. Wie Museumsleiter Günther Moosbauer sagt, war Straubing damals einer der wichtigsten militärischen Standorte an der Donaugrenze. Auch er hofft auf den Titel, damit die Römerschätze in Ostbayern auch international bekannt und angesehen werden.

💡 UNESCO Weltkulturerbe:

Das Welterbe zählt zu den "unschätzbaren und unersetzlichen Gütern nicht nur jedes Volkes, sondern der ganzen Menschheit", schreibt die UNESCO zum Übereinkommen über den Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt von 1972. Über das Wochenende vom 24./25. Juli entscheidet das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (UNESCO) wieder, wer sich künftig auch mit der Auszeichnung als Welterbe schmücken darf - und damit zudem die Verpflichtung zur Bewahrung übernimmt.

Wegen der Corona-Pandemie war die 44. Sitzung des Welterbekomitees im chinesischen Fuzhou vor einem Jahr verschoben worden. Nun wird das Treffen zumindest online nachgeholt.

1.120 UNESCO-Welterbestätten in 167 Ländern weltweit machen die Geschichte der Menschheit und des Planeten erlebbar. 46 von ihnen befinden sich in Deutschland, wie beispielsweise das Augsburger Wassermanagement-System. Die bekanntesten Kultur- und Naturstätten sind unter anderem das Great Barrier Reef in Australien, der Nationalpark Serengeti in Tansania oder die Pyramiden von Gizeh in Ägypten.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!