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Vergleiche zwischen der Spanischen Grippe und der Corona-Pandemie sind schwierig, Ähnlichkeiten aber trotzdem vorhanden.

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    Spanische Grippe versus Corona – zwei Pandemien im Vergleich

    Parallelen zwischen der Spanischen Grippe von 1918 und der aktuellen Corona-Pandemie zu ziehen - dieser Vergleich hinkt, so viel steht fest. Dennoch lassen sich Ähnlichkeiten feststellen, etwa bei den Maßnahmen in Nürnberg.

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    Von
    • Tobias Burkert

    Es war die letzte große Pandemie vor Corona: Vor hundert Jahren hielt die "Spanische Grippe" die Welt in Atem. In nur knapp zwei Jahren forderte sie zwischen 1918 und 1920 mehr als 50 Millionen Tote. Das Influenzavirus hatte sich damals über den gesamten Erdball verteilt, ein rasend schneller Verlauf.

    Im Ersten Weltkrieg brachten US-Soldaten die Seuche nach Europa. Spanische Grippe, so wurde die Seuche genannt, weil spanische Medien zuerst von ihr berichteten.

    Nürnberg vor allem von der zweiten Welle betroffen

    Auch Nürnberg blieb von der Spanischen Grippe nicht verschont. Im Stadtarchiv ist alles akribisch hinterlegt. Archivar Walter Bauernfeind sieht zumindest ansatzweise Parallelen zwischen den Pandemien von damals und heute: So wie Corona verlief auch die Spanische Grippe in unterschiedlich starken Wellen. Vor allem im Oktober und November 1918 flammte die Seuche stark auf und legte das gesellschaftliche Leben lahm, bundesweit und somit auch in Nürnberg.

    Ähnlich wie heute versuchte man auch damals zum Beispiel Schulschließungen so lange wie möglich zu vermeiden. Erst wurden nur die Mittelschulen mit älteren Schülern geschlossen. Da die Infektionszahlen weiter anstiegen, wurden kurz darauf dann doch alle Schulen geschlossen. Heute wie damals war das ein Mittel, um das Ansteckungsrisiko möglichst zu minimieren.

    Fast 3.000 Neuinfektionen in einer Woche

    Besonders hart traf es Nürnberg im Oktober 1918: Binnen einer Woche infizierten sich 2.800 Menschen mit dem Virus der Spanischen Grippe, ein Vielfaches natürlich im Vergleich zum aktuellen Corona-Inzidenzwert Nürnbergs.

    Medizinhistoriker: Völlig andere Ausgangssituation

    Kaum zu vergleichen seien Corona und die Spanische Grippe aus vielerlei Gründen, sagt der Erlanger Medizinhistoriker Karl-Heinz Leven. Er erforscht seit Jahrzehnten die Geschichte unterschiedlichster Seuchen und ist Professor am Erlanger Institut für Geschichte und Ethik der Medizin. Die Menschen seien 1918 ohnehin bereits geschwächt gewesen von einem mehrjährigen Weltkrieg, die Hygienestandards vor 100 Jahren seien schlecht gewesen und hätten der Spanischen Grippe quasi Tür und Tor geöffnet.

    Unterschiedliche Wahrnehmung in der Bevölkerung

    Das Influenzavirus H1N1 sei wesentlich ansteckender als das Coronavirus, zudem verliefen die Corona-Erkrankungen wesentlich milder. Außerdem sei die Spanische Grippe damals von den Menschen ganz anders wahrgenommen worden als die Corona-Pandemie heute: 1918 litt die Bevölkerung unter den Folgen des Krieges, Hungers- und Wohnungsnot, die Spanische Grippe wurde nicht in dem Maße als Krise wahrgenommen, wie es heute mit Corona der Fall sei.

    Angst vor einem ähnlichen Szenario wie bei der Spanischen Grippe vor 100 Jahren müsse niemand haben, mit Vernunft und Besonnenheit sei der Pandemie zu begegnen.

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