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Sozialministerin Trautner: Jeder Bürger ist "systemrelevant" | BR24

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Lockdown: Sozialministerin erklärt Lage ab Montag

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Sozialministerin Trautner: Jeder Bürger ist "systemrelevant"

Corona belastet Kinder massiv, verändert die Arbeitswelt und schürt Zukunftsängste. Jetzt wurde auch noch der Lockdown verlängert und es gelten strengere Kontaktregeln. Anlass für ein #BR24Live mit Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU).

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Von
  • Ulrich Trebbin

Bayern verschärft den Lockdown ab kommendem Montag noch einmal ein Stück. Vor allem die Regel, dass sich Menschen in Corona-Hotspots ab einer Inzidenz von 200 nur noch 15 Kilometer weit vom Heimatort entfernen dürfen, hat bei vielen BR24-Usern für Unsicherheit und Diskussion gesorgt.

Viele Fragen zu den neuen Corona-Regeln, die BR24-User über mehrere Stunden lang stellen konnten, hat die bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Carolina Trautner, in einem #BR24 Live beantwortet.

Weitere Kontaktbeschränkung: Nur noch eine Person

Um die Gelegenheiten für Ansteckungen mit dem Coronavirus einzudämmen, darf sich ab Montag nur noch eine einzelne Person mit einem anderen Haushalt treffen oder diesen besuchen. Hier gibt es laut Trautner jedoch zwei Ausnahmen: Kinder unter drei Jahren sind ebenso von der Regel ausgenommen wie die unentgeltliche Familienbetreuung.

Schließlich dürfe jede Familie mit einer weiteren Familie eine Betreuungsgemeinschaft bilden, das heißt, hier dürfen auch mehrere Personen der beiden Hausstände zusammen sein. Das kann zum Beispiel eine Nachbarfamilie sein oder auch die Großeltern. Deshalb dürfe eine Mutter, die ihre fünfjährige Tochter bei Oma und Opa abgibt, auch mit in die Wohnung kommen, erläuterte die Sozialministerin. Wenn man sich allerdings die Großeltern als Kontaktfamilie ausgesucht habe, dürfe man nicht noch eine Nachbarfamilie mit hinzunehmen.

Kinder: Notbetreuung für alle, die sie brauchen

Da die Schulen und Kitas mindestens bis Ende Januar geschlossen sind, schaffen es aber viele Familien auch mithilfe einer Betreuungsgemeinschaft nicht, gleichzeitig zur Arbeit zu gehen und die Kinder zu betreuen. Deshalb hat der Freistaat eine Notbetreuung ermöglicht für jede und jeden, der oder die sie braucht.

Schließlich ist laut Sozialministerin Carolina Trautner jeder Bürger und jede Bürgerin "systemrelevant". Deshalb dürfe jeder, der sein Kind zur Notbetreuung bringen will, das auch tun. Die Eltern sollten selbst einschätzen, ob sie ein dringender Fall seien. Eines stellte Trautner klar: Wer im Homeoffice arbeitet und keine Betreuung für sein Kind hat, ist in jedem Fall ein Notfall. Denn Homeoffice und gleichzeitig auf kleine Kindern aufpassen, sei nicht möglich.

15-Kilometer-Grenze in Hotspots nach Augenmaß

Die 15-Kilometer-Grenze soll laut Sozialministerin Carolina Trautner nicht das alltägliche Leben erschweren, sondern die touristischen Ausflüge verhindern, die in den letzten Wochen stark zugenommen haben. Wer also einkaufen gehen muss oder Angehörige besucht, darf das nach Augenmaß auch dann weiter tun, selbst wenn er dazu etwas weiter weg fahren muss, so Trautner.

In jedem Fall beginne der 15-Kilometer-Radius nicht an der Haustür, sondern an der Gemeindegrenze.

Flächendeckende Tests in Kitas nicht notwendig

Einige BR24-User fragten nach, warum die Staatsregierung in den Kitas keine flächendeckenden Tests angeordnet habe. Die Sozialministerin sagte dazu, dass die Tests tief in Nase und Rachen für kleine Kinder sehr schmerzhaft und unangenehm seien. Außerdem hätten nur sehr wenige Kitas im Sommer und Herbst wegen Corona-Fällen schließen müssen. Trautner betonte aber, dass die Erzieher und Erzieherinnen der Kitas schon vor und auch nach der Sommerpause die Möglichkeit zu kostenlosen Tests gehabt hätten.

Trautner räumte ein, dass Kita-Kinder durch die Pandemie belastet und zum Beispiel traurig seien, wenn sie nicht viele Kinder zum Spielen treffen dürften. Trotzdem sei die Erfahrung, dass gerade Kinder sich an die Situation gut angepasst haben und sich auch schnell auf neue Regeln einstellen.

Politik will Arbeitgebern Homeoffice nicht aufzwingen

Einige User wollten wissen, warum die Politik nicht von den Arbeitgebern verlangt habe, so viel Homeoffice wie möglich anzubieten. Warum müssten Arbeitgeber etwa nicht nachweisen, dass Homeoffice in ihrem Betrieb nicht möglich sei.

Die Arbeitsministerin erläuterte, dass sehr viele bayerische Arbeitgeber in den letzten Monaten eine Vielzahl von Arbeitsplätzen auf Homeoffice umgestellt hätten. Ihrer Ansicht nach funktioniert die Ermöglichung von Homeoffice am besten, wenn man keinen Zwang ausübt, sondern auf Freiwilligkeit setzt. Der Trend zum Homeoffice wird ihrer Meinung nach auch weitergehen.

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Prüfungen an Hochschulen auch online möglich

Auf die Frage, ob Prüfungsklausuren an Hochschulen nicht ein großes Ansteckungsrisiko seien, wenn zum Beispiel über 100 Menschen in einem Raum die Prüfungsaufgaben bearbeiten, hieß es aus dem Wissenschaftsministerium, dass in Bayern auch Onlineprüfungen rechtlich möglich seien. Es bleibe den Universitäten überlassen, welche Form der Prüfung sie wählen. Sollten sie sich für Präsenzprüfungen entscheiden, seien aber auch die notwendigen Hygienemaßnahmen zu treffen.

Wo stehen wir in drei Wochen?

Auf die natürlich sehr wichtige Frage der BR24-User, wie die Lage Ende Januar aussehen wird und ob der Lockdown dann aufgehoben werden kann, hatte Carolina Trauntner verständlicherweise keine Antwort. Sie hoffe aber sehr, dass die verschärften Maßnahmen greifen. Ihr sei bewusst, dass sie im Alltag eine Belastung darstellen. Sie sei aber sicher, dass sich die Lage bessern werde, wenn "jeder gut mitmacht und nicht nur nach dem Schlupfloch sucht".

Wenn die Politik Ende Januar bei der Beurteilung der Corona-Lage zu dem Schluss komme, dass man die Maßnahmen wieder lockern könne, werde sie sich dafür einsetzen, dass die Kitas bei der Öffnung an erster Stelle stehen, so Carolina Trautner.

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Im Rahmen einer Regierungserklärung stellte Ministerpräsident Söder die neuen Corona-Maßnahmen vor. Dabei stellte er auch klar, dass Kleinkinder von den Kontaktbeschränkungen ausgenommen werden.

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