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Wer auf der Suche nach einer Wohnung ist, musste schon vor Corona eine 3G-Regel befolgen: Geld, Geduld und eine Menge Glück.

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Sozialer Wohnungsbau vor großen Herausforderungen

Die mögliche Ampelkoalition hat sich in Sachen Wohnungsbau hohe Ziele gesetzt. 400.000 neue Wohnungen sollen in Deutschland jährlich entstehen, 100.000 davon sozial gefördert. Der Verband Bayerischer Wohnungsunternehmen begrüßt diese Ziele.

Von
Maximilian AlbrechtMaximilian Albrecht
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Die Mitglieder des Verbands Bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) verfolgen die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und FDP mit besonderer Aufmerksamkeit. Was sie sich von ihnen erhoffen, teilten sie am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Nürnberg mit. Dabei erklärte Verbandsdirektor Hans Maier, ihm machten "die Ergebnisse der Sondierungsgespräche und der Start der Koalitionsverhandlungen Hoffnung".

Bezahlbares Wohnen als Thema der Koalitionsverhandlungen

Denn auch bezahlbares Wohnen ist zentrales Thema der Gespräche. Eine Tatsache, die den Verband freut, schließlich hat sich der VdW sozial orientiertes Wohnen auf die Fahne geschrieben, wie er sagt. Klar ist allerdings auch, dass sich die geplanten 400.000 neuen Wohnungen nicht von selbst bauen. Ganz im Gegenteil: Um die durchaus ehrgeizigen Ziele zu erreichen, gilt es einige Hürden zu überwinden. Der Direktor des VdW Bayern, Hans Maier, hat dabei vor allem die Finanzierung im Blick: "Im Jahr 2020 sind mit damals noch 1,5 Milliarden Euro Bundesmitteln 30.000 Sozialwohnungen gebaut worden."

Fünf Milliarden Euro nötig

Übertragen auf die Ziele der Ampelkoalition heißt das: Für den Bau von jährlich 100.000 Sozialwohnungen bräuchte es ein Fördervolumen von rund fünf Milliarden Euro. Ob am Ende wirklich so viel Geld zur Verfügung stehen wird, ist aktuell noch völlig unklar. Die genaue Größe des Fördertopfs ist dem Sondierungspapier nämlich nicht zu entnehmen. Ob es 2022 wirklich die benötigten Fördermittel von fünf Milliarden Euro geben wird, bezweifelt Maier, er sei aber "zuversichtlich, dass es ein bisschen mehr gibt" als im vergangenen Jahr.

Die drei Parteien wollen laut den Sondierungsergebnissen durch "serielles Bauen, Digitalisierung, Entbürokratisierung und Standardisierung die Kosten für den Wohnungsbau senken." Maßnahmen, die auch der Verband dringend einfordert, denn laute einer Pressemitteilung haben sich die Baukosten "seit dem Jahr 2000 um rund 80 Prozent verteuert". Hinzu kommt ein Engpass an bezahlbarem Baugrund, der es zusätzlich erschwert, kostengünstige Wohnungen zu bauen. Hier will der Verband in Zukunft die Ballungsräume wie München oder Nürnberg entlasten und den Fokus auch auf das Umland setzen.

Spekulationen mit geförderten Wohnungen unterbinden

Scharfe Kritik äußert Hans Maier am Trend, Sozialbauten als Spekulationsobjekte zu nutzen: "Das ist ein Thema, dass wir mittlerweile haben, dass auch geförderte Wohnungsbestände verkauft werden und dann diese Verkaufspreise dazu führen, dass die Mieten wieder angepasst werden." Dieses Geschäftsmodell sei durch niedrige Kapitalmarktzinsen attraktiv geworden, treibt die Mieten der Sozialwohnungen aber in die Höhe. Das sei natürlich nicht Sinn der Sache. Der VdW Bayern hofft auf schnelles Handeln der Politik und schlägt in seiner Pressemitteilung eine "Haltefrist, ein limitiertes Vorkaufsrecht für Kommunen bei Weiterveräußerung oder eine Verlängerung der Bindungsdauer von aktuell 25 auf 40 Jahre" vor.

Bezahlbare Mieten trotz Klimaschutz

Auf dem Weg zur Klimaneutralität steht der Gebäudesektor in einer zentralen Rolle. Diese Tatsache soll aber nicht dazu führen, dass die Mietpreise für die Bewohner steigen. Die Wohnungswirtschaft sieht eine mögliche Lösung für soziale CO₂-Neutralität in der Gebäudeversorgung durch erneuerbare Energien. Bei Neubauten sollen deshalb Energiequellen wie Photovoltaikanlagen auf Dächern zum Standard werden. "Aber die Vermarktung der auf den Dächern gewonnenen Energie muss deutlich vereinfacht werden", so Maier. Auch hier sieht der Verbandsdirektor die Bundesregierung in der Pflicht. Einen klimaneutralen Gebäudebestand rein durch Maßnahmen an der Gebäudehülle hält der Verband für unerreichbar.

Verband besteht seit 1909

Der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen wurde 1909 gegründet und setzt sich seitdem für bezahlbares Wohnen im Freistaat ein. Die Verbandsmitglieder stehen laut eigenen Angaben für eine sozialorientierte Unternehmensphilosophie und sind auf ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit ausgerichtet.

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