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Es ist ein vorbildliches System das Bayern schwerstbehinderten Kindern und ihren Eltern bietet: In speziellen Förderschulen werden die Kinder von Logopäden, Physio- Ergotherapeuten und Pädagogen betreut.

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Soziale Träger in Not: CSU-Sozialpolitikerin Stamm sauer

In speziellen Förderschulen werden in Bayern Kinder und Jugendliche mit Behinderung von dort angestellten Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten betreut. Doch nun steht dieses bundesweit vorbildliche Fördersystem auf der Kippe.

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Von
  • Moritz M. Steinbacher

Soziale Träger wie Caritas, Pfennigparade, Lebenshilfe oder Blindeninstitutsstiftung haben nach eigener Aussage enorme Probleme, ihr bayernweites Therapienetzwerk an Förderschulen aufrecht zu erhalten. Da es sich dabei um ein rein bayerisches System handelt, bekommen die Träger keine Bundeshilfen.

Pandemie-bedingtes Defizit, keine Hilfen vom Bund

Das Corona-bedingte Defizit beläuft sich nach Schätzungen der Träger insgesamt mittlerweile auf bis zu rund acht Millionen Euro.

Da dieses Förderschul-System in Deutschland einzigartig ist und in anderen Bundesländern die Therapeuten von externen Praxen in die Schulen kommen, sind die bestehenden Rettungsschirme, die vom Bundesgesundheitsministerium entworfen wurden, nur auf Praxen und nicht auf Förderschulen mit dort angestellten Therapeuten ausgerichtet.

Träger suchen Gespräch mit Staatsregierung – ohne Erfolg

Um ihr Defizit nun zu verringern, verhandeln die bayerischen Träger mit Hilfe der ehemaligen Landtagspräsidentin und CSU-Sozialministerin Barbara Stamm seit einem Jahr mit der bayerischen Staatsregierung. Doch dort sieht sich keiner zuständig.

Ministerien verweisen gegenseitig aufeinander

Auf BR-Nachfrage verweist das bayerische Gesundheitsministerium auf das Sozial- sowie das Kultusministerium. Letzteres verweist auf das bayerische Arbeitsministerium, das ebenfalls beim Sozialministerium angesiedelt ist. Dort sieht man auf BR-Nachfrage eher wiederum das bayerische Gesundheits- sowie das Bundesgesundheitsministerium in der Pflicht. Außerdem heißt es, man befinde sich in Gesprächen. Das Bundesgesundheitsministerium verweist auf BR-Anfrage auf die bayerische Zuständigkeit.

Barbara Stamm sauer auf Staatsregierung

Barbara Stamm ist über das Verhalten der bayerischen Staatsregierung entsetzt. Stamm, die auch Vorsitzende der Lebenshilfe ist, sagte dem BR, sie finde es wörtlich "völlig daneben", dass man auf dem Rücken von schwerstbehinderten Kindern und von belasteten Familien, ein Zuständigkeits-Hin und -Her führe. Das müsse, so Stamm, sofort abgestellt werden.

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Barbara Stamm

Bundesweit einzigartiges System von Förderschulen

In den speziellen bayerischen Förderschulen schwerbehinderte Kinder neben Lehrkräften auch von Pädagogen, Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten betreut. Diese Förderung ist in den Schul- und Hortalltag integriert und bietet den Vorteil, dass alle Therapien an einem Ort stattfinden.

Therapeuten direkt bei den Trägern beschäftigt

Die Therapeuten sind direkt bei den Schulen angestellt und können somit auf die Bedürfnisse der Kinder direkt eingehen. Betrieben werden diese speziellen 50 Förderschulen bayernweit von sozialen Trägern wie der Caritas, Lebenshilfe oder der Pfennigparade.

Träger bleiben auf Kosten sitzen

Rund 4.500 Kinder und Jugendliche werden dort bayernweit beschult und therapiert. Die Leistungen der Therapeuten werden über einen bayerischen Rahmenvertrag mit den Krankenkassen abgerechnet.

Das Problem: Sind die Inzidenzen zu hoch, findet in den Förderschulen kein Unterricht statt, folglich auch keine Therapien. Dann bekommen die Träger von den Krankenkassen auch kein Geld.

Therapeuten könnten abwandern

Damit das einzigartige Therapienetzwerk auch nach den Schul-Lockdowns den schwerstbehinderten Kindern zur Verfügung steht, zahlen die Träger ihren Therapeuten weiterhin die Gehälter. Die könnten sonst abwandern – Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten sind heiß begehrt. Damit wären die über Jahre aufgebauten Therapiestrukturen verloren.

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