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Immer häufiger melden sich in Bayerns Impfzentren Personen, die ihre Zweitimpfung verschieben wollen. Gründe sind nicht selten Reisen oder andere Freizeittermine. Die Anfragen sorgen für viel Mehrarbeit - und bei Organisatoren für Kopfschütteln.

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"Gründe machen sprachlos": Viele Zweitimpfungen verschoben

Immer häufiger melden sich in Bayerns Impfzentren Personen, die ihre Zweitimpfung verschieben wollen. Gründe sind nicht selten Reisen oder andere Freizeittermine. Die Anfragen sorgen für viel Mehrarbeit - und bei Organisatoren für Kopfschütteln.

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Von
  • Erich Wartusch
  • Zara Kroiß
  • Mathias Flasskamp
  • Mirjam Kottmann

"Ich muss ein Haus auf Sylt bauen" - mit dieser Begründung versuchte ein Mann, dessen Zweitimpfung bevorstand, am Impfzentrum in Haar bei München, seinen Termin zu verschieben. Ein Wunsch, dem man dort nicht nachkommen konnte. Derartige Anfragen sind kein Einzelfall in bayerischen Impfzentren.

Ärger über ausbleibende Stornierungen

Im Raum Bamberg fallen etwa zehn Prozent der Zweitimpfungen aus, weil die Impflinge sich beim Hausarzt einen Termin besorgen und sich dann aber nicht beim Impfportal austragen. Andere würden einfach nicht auf Impfvorschläge reagieren. Eine Klage, die man auch aus den Impfzentren in den Landkreisen Regen oder Tirschenreuth hört.

Die Lage in anderen Ländern ist jedoch noch gravierender: In Schweden befürchten die Impfzentren, demnächst Impfstoffe wegwerfen zu müssen. Als Beispiel nannte das Impfzentrum in Kista nördlich von Stockholm, wurden in der vergangenen Woche am Sonntag nur 68 Prozent und am Montag nur 40 Prozent der verfügbaren Termine wahrgenommen.

Wählerisch bei Zweitimpfung

Viele Impfzentren klagen darüber, dass die Termine für die Zweitimpfung nicht eingehalten werden oder zahlreiche Nachfragen zu möglichen Verschiebungen eintrudeln. Eva Arbinger, Leiterin des Impfzentrums Rottal-Inn, schätzt, dass rund 15 bis 20 Prozent der Impfberechtigten im Landkreis mit dem zweiten Impftermin nicht einverstanden seien und ihn verschieben wollen. Auch das Impfzentrum der Stadt Regensburg beklagt den großen Aufwand durch Umbuchungen.

"Die vielen Anfragen zu Verschiebungen stören und behindern den Impfablauf immens. Das bedeutet eine irre Logistik, Termine neu zu justieren." Juliane von Roenne-Styra, Sprecherin der Stadt Regensburg

Verschiebungsgründe machen "sprachlos"

Die Gründe, warum Zweitimpfungen zu einem anderen Zeitpunkt erwünscht sind, benennt das Rottaler Impfzentrum: Urlaubsreisen, Hochzeiten, Fortbildungen, Dienstreisen oder andere Freizeittermine. Auffällig sei, sagt Leiterin Eva Arbinger, dass es gerade bei Terminen um die Pfingstzeit herum der Fall ist.

Die Stadt Weiden spricht von angegebenen Gründen, "die sprachlos machen". In Regensburg will man künftig nur noch medizinische oder berufliche Gründe gelten lassen. Alle anderen Gründe, wie Urlaubsplanung oder private Feiern, würden nicht mehr akzeptiert.

Pfingsten im Fokus

Auch wenn für viele offenbar die Pfingstferien ein neuralgischer Termin sind, bis zu dem die Impfungen abgeschlossen sein sollten, bleiben Reisen voraussichtlich weiterhin nur die Ausnahme. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU) hofft auf Inlandsreisen ab Juni. Pfingsten aber sieht er skeptisch: "Das wird in vielen Urlaubsregionen leider wieder ins Wasser fallen."

Probleme auch bei Erstimpfungen

Ein weiteres Problem sind Leute, die nicht zu Impfungen erscheinen. Die Münchener Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek berichtet beispielsweise, dass am Impfzentrum ihrer Stadt etwa fünf Prozent der Menschen, die mit Astrazeneca geimpft werden sollten, nicht gekommen sind. Bei den anderen Impfstoffen seien es weniger als ein Prozent.

Lücken in der Kartei

Zurek berichtet aber von einem anderen Problem: Es seien viele Menschen über das Portal BAYIMCO angemeldet und in den Priorisierungsgruppen 1 und 2 längst an der Reihe. 12.000 bzw. 48.000 Menschen hätten in diesen beiden Gruppen jedoch laut Zurek keinen Impftermin beantragt. Dies sei vor allem problematisch, wenn es darum geht, wie viel Impfstoff künftig noch benötigt wird. Die Gesundheitsreferentin appelliert an die Menschen, die ihre Impfung bereits beim Hausarzt oder auf anderem Wege erhalten haben, ihren Account bei dem Portal zu löschen.

  • Interaktive Karte: Hier stehen die Impfzentren in Bayern
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