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"Sonnenkönig Söder?" - Reaktionen auf Merkel-Besuch in Bayern | BR24

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Bildrechte: Peter Kneffel/Pool via Reuters

Bayerns Ministerpräsident Söder (l.) und Bundeskanzlerin Merkel (r.) am 14.07.20 auf der Insel Herrenchiemsee.

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    "Sonnenkönig Söder?" - Reaktionen auf Merkel-Besuch in Bayern

    Nach dem Treffen des bayerischen Kabinetts um Ministerpräsident Söder mit Kanzlerin Merkel auf Schloss Herrenchiemsee gibt es Kritik an der "Inszenierung". Während Vertreter von SPD, AfD und FDP ihren Unmut äußern, sieht ein CSU-Mann Söder gestärkt.

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    Von
    • Petr Jerabek
    • Maximilian Heim

    Die Bilder fanden weit über die Grenzen des Freistaats hinaus große Beachtung: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der als möglicher Unions-Kanzlerkandidat gehandelt wird, vor der prachtvollen Kulisse des König-Ludwig-Schlosses Herrenchiemsee. Nicht nur bayerische Zeitungen und Sender, sondern Medien in ganz Deutschland berichteten ausführlich über den Besuch Merkels bei Söder.

    Während der bayerische Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) die "prächtige Kulisse" des Schlosses als "einen würdigen Rahmen für dieses einmalige Ereignis" wertete, kommt von Vertretern anderer Parteien Kritik.

    SPD kritisiert Söders "Inszenierung vor herrschaftlicher Kulisse"

    Der SPD-Politiker Ralf Stegner bezeichnete das Treffen via Twitter als "große Bavaria 1 Bühnenshow" - mit "Ludwig II. 4.0, dem Söder Markus" und der "wieder umfragehochprozentigen Kanzlerin Angela Merkel", die von der CSU einst bis aufs Messer bekämpft worden sei. "Üppige Inszenierung – eine simple Botschaft: Ich will und kann Kanzler", schrieb der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Schleswig-Holstein.

    Bayerns SPD-Chefin Natascha Kohnen sagte der Münchner "Abendzeitung", die Inszenierung vor herrschaftlicher Kulisse sei schon immer Söders große Leidenschaft gewesen. "Für die Menschen in Bayern wäre es aber besser, wenn seine ungeteilte Aufmerksamkeit jetzt der Bewältigung der Krisenfolgen gelten würde."

    FDP: Was kostet es den Steuerzahler?

    Die parlamentarische Geschäftsführerin der FDP-Bundestagsfraktion, Bettina Stark-Watzinger, twitterte mit Blick auf die Söder-Merkel-Fotos aus Herrenchiemsee: "Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte." Sie selbst lebe lieber in einem "Land ohne Sonnenkönige, in dem die Regierung Zukunft gestalten möchte, statt sich im Glanz und Pomp der Vergangenheit zu inszenieren". Die FDP-Bundestagsabgeordnete Katharina Willkomm fragte indessen nach den Kosten des Treffens: "Was kostet den bayerischen Steuerzahler eigentlich eine Kabinettssitzung in Herrenchiemsee im Vergleich zu einer in München?"

    Der bayerische FDP-Fraktionschef Martin Hagen reagierte dagegen gelassen: "Ich sehe das eher unkritisch als Teil des Machtkampfs innerhalb der Union", sagte er der "Abendzeitung". Er glaube, dass Merkel mittlerweile Sympathien für Söder entwickelt habe. "Sie sind in der Krise zusammengerückt."

    AfD: Söder in königlichem Prunk

    Der AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart ärgerte sich über die Bilder von Herrenchiemsee. "Die Regierenden zeigen sich in königlichem Prunk, während der Bürger nicht mehr weiß, ob er seinen Arbeitsplatz behalten wird oder den Kredit wegen Corona demnächst noch bedienen kann!"

    Auch sein Fraktionskollege Ralf Stadler kritisierte, Söder habe Merkels Besuch als "selbsternannter 'Kronprinz' im prunkvollen Spiegelsaal des Schlosses" inszeniert, um der Kanzlerin seine Gefolgschaft zu versichern. Auf die Sorgen der demonstrierenden Bauern und den "Unmut ihrer Bürger" seien beide nicht eingegangen.

    CSU-Politiker Ramsauer sieht Söder gestärkt

    Nach Meinung des CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Ramsauer geht Söder gestärkt aus dem Treffen mit der Kanzlerin hervor. Merkel habe mit ihrem Besuch die Frage nach dem Unions-Kanzlerkandidaten bewusst angeheizt, sagte Ramsauer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Egal wie sie beantwortet wird: Es stärkt Söder, gegen ihn läuft in der deutschen Politik nichts mehr."

    Herrenchiemsee zeigt laut Ramsauer einerseits Merkels "Wertschätzung für Söder in der Kandidaten-Frage", Andererseits sei der Auftritt "ein Weckruf" an die drei Bewerber um den CDU-Vorsitz. Bisher haben der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und der Außenpolitik-Experte Nobert Röttgen ihre Kandidatur für den CDU-Vorsitz angekündigt - und möchten auch die Kanzlerkandidatur der Union. In Umfragen plädierte zuletzt eine Mehrheit der Bundesbürger für einen Kanzlerkandidaten Söder. Der CSU-Chef betont seit Monaten, sein Platz sei in Bayern - lässt allerdings Raum für Spekulationen.

    Söder und Merkel: "F.A.Z." sieht "weiteren Meilenstein"

    Geht man nach den meisten Kommentaren in deutschen Tageszeitungen, dürfte der gestrige Besuch der Bundeskanzlerin Söders etwaigen Kanzler-Plänen nicht geschadet haben. "Söder hat sich genau angesehen, wer alles Wahlen, Entscheidungen oder Sympathie verlor, der Merkel bekämpfte", schreibt die "Rhein-Zeitung". Deshalb habe der CSU-Chef eigene Absetzbewegungen über Bord geschmissen und sich an Merkels Seite gestellt. In Herrenchiemsee habe er nun den Ritterschlag bekommen - die Frage, ob Merkel ihm die Kanzlerkandidatur grundsätzlich zutraue, sei beantwortet.

    Noch ein bisschen weiter geht die "Frankfurter Allgemeine". Dass Merkel "als erste Bundeskanzlerin einem bayerischen Kabinett die Aufwartung macht" und das Schloss Herrenchiemsee als Kulisse ausgewählt wurde, solle als "weiterer Meilenstein auf dem Weg des CSU-Mannes in den politischen Olymp der Bundespolitik gelesen werden". Und im "Weser-Kurier" heißt es: "Die Kanzlerin adelt mit ihrem Besuch den CSU-Chef, ernennt ihn öffentlich zum Staatsmann. Unter denen, die sich nun um den CDU-Vorsitz und indirekt auch um die Kanzlerkandidatur bewerben, sieht sie niemanden, der als ihr Nachfolger taugen könnte. Söder traut sie es zu - und zeigt es jetzt auch".

    Zurückhaltender sieht es dagegen die "Süddeutsche Zeitung". Hier heißt es: "Auch wenn Söder am Ende - das ist derzeit noch immer die wahrscheinlichere Variante - nicht nach der Kanzlerschaft greifen sollte: Die neue Nähe zur beliebtesten Politikerin Deutschlands wird ihm auch in Bayern helfen."

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