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Streit um Tierheim in Neuburg-Schrobenhausen | BR24

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Eigentlich ein Glücksfall: Der Tierschutzverein Neuburg-Schrobenhausen erbt ein Gebäude und 8.000 Quadratmeter Grund. Die verstorbene Vorbesitzerin wollte, dass ihr Eigentum dem Tierschutz zugute kommt. Doch Anlieger sehen das wohl anders.

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Streit um Tierheim in Neuburg-Schrobenhausen

Der Tierschutzverein Neuburg-Schrobenhausen hat ein Haus mit Garten in einer Wohnsiedlung vererbt bekommen. Der Verein will dort ein Refugium für Kleintiere aufbauen. Nun wehren sich die Anwohner gegen den Tierschutz in der Nachbarschaft.

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Vor wenigen Tagen bekam Gerd Schmidt vom Tierschutzverein Neuburg-Schrobenhausen einen Anruf von den Handwerkern, die er beauftragt hatte. Sie können das Gebäude, das sie gerade umbauen, nicht erreichen, weil ein neuer Zaun die Zufahrt versperrt. Gerd Schmidt kann es kaum glauben:

"Jetzt hat man uns diesen Zaun gezogen und wir haben jetzt nur noch diesen etwa etwa 50 Zentimeter breiten Zugang. Das ist für mich schon ein bisschen grotesk und lässt sich auch nicht nachvollziehen." Gerd Schmidt, Tierschutzverein Neuburg-Schrobenhausen

Das Problem: die Zufahrt ist ein öffentlich gewidmeter Privatweg, der nicht dem Verein gehört.

"Die ganzen Bauarbeiten sind ja genehmigt. Die ganze Nutzungsänderung durch die Stadt Ingolstadt ist ja genehmigt. Wir dürfen also ganz hochoffiziell Umbaumaßnahmen vornehmen." Gerd Schmidt

Doch weil der Weg versperrt ist, können nun weder Feuerwehr, noch Rettungsdienste oder auch die Handwerker das Haus nicht mit dem Auto erreichen. Baumaterialien können sie auch nicht anliefern.

Refugium für bedrohte Tierarten

Über den 50 Zentimeter breiten Fußweg rechts vom Zaun betreten wir gemeinsam mit Gerd Schmidt nun das Gelände des Tierschutzvereins – es ist riesig, eine etwas in die Jahre gekommene Villa steht darauf. Und im Inneren ist das Haus bereits frisch gestrichen, Käfige für Tiere sind im Aufbau – Glasscheiben sollen eingebaut werden, doch genau die können die Handwerker derzeit nicht anliefern. Rund 70.000 Euro und hunderte ehrenamtliche Arbeitsstunden hat der Tierschutzverein bereits investiert.

"Hier in dem Bereich sollten eigentlich Räume entstehen, in denen später mal Kleintiere und alte Katzen untergebracht werden. Kleintiere vor allem, die zu bedrohten Tierarten gehören, Igel zum Überwintern, verletzte Fledermäuse." Gerd Schmidt

Auch alle Fenster im Haus sind bereits neu. Draußen, in dem riesigen Garten, sollen ältere Hunde ihre letzten Monate und Jahre im Leben verbringen können.

Nachbarn sorgen sich um ihre Ruhe

Doch das versuchen die Eigentümer von Wochenendhäusern sowie Landwirte in der Umgebung zu verhindern. Sie haben gegen die Baugenehmigung der Stadt Ingolstadt geklagt. Ein Interview wollen die Gegner dem Bayerischen Rundfunk nicht geben. Einer der Nachbarn erzählt am Zaun, dass sie Sorge um ihre Ruhe und den Zustand ihrer Privatstraße habe.

Gerd Schmidt weiß auch von Kaufinteressen. Schließlich ist das 8.000-Quadratmeter-Gelände herrlich.

"Es ist eine traumhafte Idylle und ich kann natürlich verstehen, dass da Begehrlichkeiten geweckt werden. Aber in erster Linie ist es eben für Tierschutz gedacht." Gerd Schmidt

Die tierliebe Vorbesitzerin hat ihre eigenen Hunde im Garten beerdigt. Und sie hat auf dem Gelände einst eine Minigolfanlage betrieben.

Heute ist das Gelände ein Refugium für die Natur und soll dem Artenschutz zugute kommen. Gerd Schmidt kann nicht verstehen, was die Anwohner gegen den Tierschutz haben und warum sie auf seine Gesprächsangebote nicht eingehen. Jetzt muss er warten, bis das Gericht entscheidet.