Kirchturm von der Schutzengelkirche in Eichstätt.
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Kirche in Eichstätt

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Sommerhitze: Taugen Kirchen als kühle Orte zum Erholen?

Wegen der Hitze sollen die Kirchen auch als Kälteraum geöffnet werden. Das fordert die Diakonie und die EKD, Bundesgesundheitsminister Lauterbach schließt sich dem Vorschlag an. Manche Kirchen sind dafür auch geeignet, andere weniger.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Vor einigen Tagen machte ein Tweet von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die Runde: Kirchen sollten als Kälteräume geöffnet sein. Das hatte vergangene Woche schon die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Annette Kurschus gefordert. "Kirchen sind durch ihre bauliche Beschaffenheit und ohne den Einsatz von Kühltechnik häufig die kühlsten Orte in Stadt und Land. In den bevorstehenden Sommertagen können diese Gebäude Menschen Schutz vor Hitze bieten."

Auch die Diakonie hat sich der Forderung angeschlossen. In den evangelischen Kirchengemeinden ist es nicht immer selbstverständlich, dass Kirchen auch werktags offen sind. Viele katholische Gemeinden dagegen reagieren auf die Forderung des Gesundheitsministers mit dem Hinweis, ihre Kirchen wären sowieso offen. Die Forderung von Karl Lauterbach sei längst erfüllt, heißt es zum Beispiel aus dem Bistum Augsburg.

Sorge vor Vandalismus und Diebstahl

Allerdings, so heißt es aus dem Bistum Regensburg, sei die tägliche Öffnung der Kirchen auch eine Herausforderung. Denn in vielen Kirchen sind Kunst- und Wertgegenstände, die beaufsichtigt werden müssten. "Vor dem Hintergrund des steigenden Aufkommens von Vandalismus und Diebstahl geht das nicht ohne Aufsichtspersonal", so das Bistum Regensburg auf Nachfrage von BR24.

Weihwasserbecken keine Wasserspender

Und das Bistum Augsburg weist darauf hin, dass Weihwasserbecken keine Wasserspender sind. Genau das haben sie in der Münchner Kirche Sankt Michael aber schon gesehen, erzählt eine Messnerin, wenn auch nur ganz selten. Sie habe Besucherinnen und Besucher erlebt, die sich wegen der hohen Temperaturen vor der Kirche dann im Weihwasserbecken in der Kirche die Hände anfeuchten wollten.

  • Zum Artikel: Coole Kirchen: Gotteshäuser als Ort der Abkühlung

Kirchen zum Abkühlen nicht nur in Deutschland

Kirchen sind aufgrund ihrer dicken Wände und der Architektur meistens relativ kühl. Denn in Kirchen ist so viel Luftmasse, dass diese sehr lange braucht, um sich aufzuheizen. Reinhard Kürzinger ist der Leiter der Wallfahrts- und Tourismuspastoral im Bistum Eichstätt und auch er kennt den Wunsch, sich in Kirchen "abzukühlen": "Kirchen laden gerne dazu ein, bei dieser Hitze in einem kühlen Raum eine Ruhepause einzulegen und sich zu erholen. Gerade wer eher selten eine Kirche von innen sieht, kann so vielleicht den Raum neu für sich entdecken. Ich kenne das auch aus Rom, da gehe ich gerne bei der Hitze in eine kühle Kirche und genieße die Ruhe."

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Öffnungszeiten der Kirche Sankt Matthäus in München

Besonders kühle Kirchen in Bayern

Besonders kühle Kirchen in Bayern sind zum Beispiel das Stift Haug in Würzburg oder die Schutzengelkirche in Eichstätt. Im Würzburger Stift Haug friert im Winter regelmäßig das Weihwasser fest und auch im Sommer ist es dort immer sehr kühl. Und auch in der Schutzengelkirche in Eichstätt ist es sehr kalt. Im Keller wurden im Sommer schon mal acht Grad gemessen.

Trinkwasserspender an oder neben Kirchen sind bisher wohl nur seltene Fälle. Der Passauer Dom wird gerade umgebaut, und dort soll im Innenhof zukünftig ein Trinkwasserspender aufgebaut werden.

Wechsel zwischen kalt und warm als spirituelle Erfahrung

Der Wechsel zwischen der Hitze draußen und der kühlenden Kirche drinnen könne sogar eine spirituelle Erfahrung sein, so das Bistum Passau weiter: "Man kann offen werden für den Raum und die göttliche Fülle darin. Wer eine Kirche betritt, der entflieht oft auch der Hektik der Welt und schafft sich eine Auszeit in kraftspendender Ruhe."

Lorenzkirche Nürnberg: Nicht mehr so kühl

Doch nicht alle Kirchen sind wirklich kühl. Moderne Kirchen wie die evangelische Bischofskirche St. Matthäus in München etwa heizen sich im Sommer auf. Aber auch die gotische Nürnberger Lorenzkirche mitten in der Innenstadt ist definitiv kein Kälteraum. Tourismusseelsorger Martin Depner erzählt, dass es in der Lorenzkirche derzeit tagsüber 26 Grad habe. Die Mauern der 750 Jahre alten Kirche hätten den Innenraum zwar lange kühl gehalten, aber die vielen, vielen Menschen, die dieses Jahr etwa beim Evangelischen Kirchentag durch die Kirche gegangen seien, hätten den Kirchenraum schon sehr aufgeheizt. Trotzdem sei die Kirche immer noch "ein Ort der Ruhe", wie Martin Depner sagt. Und immer noch sei es zumindest an manchen Tagen – im Vergleich zu draußen – relativ kühl.

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