Rettungsschwimmer DLRG
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Rettungsschwimmer der DLRG bei einer Übung

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Sommer, Sonne, Badeunfälle: Hochsaison für die DLRG

60 Menschen sind im vergangenen Jahr in Bayern ertrunken, die meisten im Sommer. Das Team der DLRG Würzburg bereitet sich derzeit kurz vor den bayerischen Schulferien auf Notfälle in der Hochsaison vor.

Immer wieder taucht ein Kopf auf, dann ein Arm. Kein Hilfeschrei ist zu hören: Ein sogenanntes "stilles Ertrinken" wird nachgestellt. Die Übung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Main wirkt täuschend echt. Sándor Miczi spielt den Ertrinkenden. Sein Kollege Christoph Graf-Hadry koordiniert den Einsatz. Wenn jemand zu ertrinken droht, ist das für Außenstehende oft schwer zu erkennen.

"Es ist nicht wie im Film, dass da jemand um Hilfe schreit und wie wild mit den Armen fuchtelt." DLRG- Einsatzleiter Christoph Graf-Hadry

Die Personen hätten dann schlichtweg keine Kraft mehr. Deshalb sei es umso wichtiger, auf Mitmenschen aufzupassen und rücksichtsvoll im und am Wasser unterwegs zu sein. Die Lebensretter raten: Rechtzeitig eingreifen und Hilfe holen sowie den Notruf über die 112 wählen. Das könne Leben retten.

Achtung: Boote und Alkohol passen nicht zusammen

Strömungsretter Tim Frieß ist seit seinem 12. Lebensjahr bei der DLRG. Mittlerweile leitet der 21-jährige Student den Bereich "Ausbildung" in Würzburg. Er ist spezialisiert auf Einsätze im Hochwasser und in reißenden Flüssen. Er übt nun, seinen Kollegen im Wasser effizient und schnell zu retten.

Für Einsätze der Retter sorgen oft sogenannte Party- oder Grillboote. Solche Gefährte bis 15 PS dürfen ab 18 Jahren ohne Führerschein gefahren werden. Technisches Unwissen ist das eine. Zum anderen sei oft auch Alkohol auf dem Wasser im Spiel, weiß Strömungsretter Tim Frieß aus Erfahrung. Dann könnten viele Leute mit der Verantwortung, die sie auf einer Wasserschifffahrtsstraße wie dem Main haben, nicht mehr umgehen.

Hohe Sogwirkung von Schiffen

Für Gefahren sorgt auch die Sogwirkung von großen Schiffen, sowie die Hitze im Sommer. Wer beispielsweise als Stand-Up-Paddler zu stark erhitzt ist und ins Wasser fällt, kann einen Schock bekommen.

"Da kann auch ein geübter Schwimmer gesundheitlich so Probleme bekommen, dass er einfach untergeht." Christoph Graf-Hadry, DLRG Würzburg

Vom versunkenen Auto im Main bis hin zu im Schnitt zwei Leichenbergungen im Jahr – die Arbeit fordert die Würzburger Helferinnen und Helfer oft heraus.

Wer im Freien unterwegs ist, sollte leichte Kleidung tragen, viel trinken und körperliche Anstrengungen soweit wie möglich vermeiden. Sonst drohe eine Hitzeerschöpfung bis hin zum Hitzschlag. Schwimmer sollten sich abkühlen, bevor sie ins Wasser gehen und nur in Gewässer springen, die frei und tief genug sind.

Immer weniger Kinder können sicher schwimmen

Laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft kann mehr als die Hälfte aller Kinder am Ende der Grundschulzeit nicht sicher schwimmen. Es bestehe enormer Nachholbedarf. Gleichzeitig sind Schwimmlernkurse oft ausgebucht, Schwimmbäder wegen der Energiekrise geschlossen oder sanierungsbedürftig. Dazu fehlt ausgebildetes Personal. Viele Familien warten derzeit bis zu eineinhalb Jahre auf einen Platz im Anfängerkurs.

"Schwimmen ist eine Kulturtechnik wie das Lesen, Schreiben und Rechnen. Jedes Kind muss das bis zum Ende der Grundschule sicher beherrschen können." Ute Vogt, Präsidentin der DLRG

Über die DLRG

Die DLRG ist mit über 1,7 Millionen Mitgliedern und Förderern die größte Wasserrettungsorganisation der Welt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1913 hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die DLRG ist der größte private Anbieter in der Schwimmausbildung und die Nummer eins in der Rettungsschwimmausbildung in Deutschland. Von 1950 bis 2020 hat sie über 22,7 Millionen Schwimmprüfungen und fast fünf Millionen Rettungsschwimmprüfungen abgenommen. In rund 2.000 Gliederungen leisten die ehrenamtlichen Helfer pro Jahr fast rund sechs Millionen Stunden freiwillige Arbeit für die Menschen in Deutschland.

Die Kernaufgaben der DLRG sind die Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung, die Aufklärung über Wassergefahren sowie der Wasserrettungsdienst. Rund 41.000 Mitglieder wachen jährlich etwa über zwei Millionen Stunden über die Sicherheit von Badegästen und Wassersportlern.

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