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Sollen Moosburger Kriegsgefangenenbaracken weichen? | BR24

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Im Oktober 1939 kamen die ersten polnischen Kriegsgefangenen nach Moosburg in ein Gefangenenlager, das einmal das größte in ganz Deutschland werden sollte. Noch heute stehen Baracken aus dieser Zeit in der Stadt - womöglich aber nicht mehr lange.

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Sollen Moosburger Kriegsgefangenenbaracken weichen?

Im Oktober 1939 kamen die ersten polnischen Kriegsgefangenen nach Moosburg in ein Gefangenenlager, das einmal das größte in ganz Deutschland werden sollte. Noch heute stehen Baracken aus dieser Zeit in der Stadt - womöglich aber nicht mehr lange.

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In Moosburg im Landkreis Freising befand sich während des Zweiten Weltkriegs das vermutlich größte Kriegsgefangenenlager in Deutschland, das Stalag VIIA. Fachleute wissen zu schätzen, wie viel von der originalen Bausubstanz des Lagers sich noch erhalten hat: drei Wachmannschaftsbaracken und eine Häftlingsbaracke, teils wenig verändert seit Kriegsende. Die Stadt aber will die Baracken abreißen: sie braucht das Grundstück für eine dringend nötige Erweiterung der Schulen.

Stadtrat: "Pflicht der Stadt, Relikte als Erinnerungsort zu erhalten"

Der Moosburger Stadtrat Erwin Köhler hat das Kriegsende noch als kleiner Junge erlebt. Er erinnert sich, wie die Kriegsgefangenen aus dem Stalag Moosburg am Haus seiner Eltern vorbeigetrieben worden sind, und wie einige einfach im Straßengraben liegen blieben. Für ihn erwächst daraus die Verpflichtung, zum Frieden zu mahnen. Und genau das, glaubt er, könnte in den drei verbliebenen Baracken des Kriegsgefangenenlagers in Moosburg passieren: Ausstellungen, die zeigen, wie das Leben im Lager war. Erst kürzlich waren Vertreter eines Architekturbüros aus Berlin in Moosburg und waren begeistert von dem, was hier noch steht – einzigartig sei das, so etwas gebe es in Deutschland nicht mehr, haben sie Köhler geschrieben.

„[Ich] bin also wirklich der Überzeugung, es ist Pflicht und Schuldigkeit der Stadt, diese Relikte, die noch da sind, so zu entwickeln und zu erhalten, dass Moosburg zu einem Erinnerungsort wird für diese Geschichten.“ Erwin Köhler, Stadtrat in Moosburg

Baracken sollen für Schulerweiterung weichen

Die Baracken aber sind vom Abriss bedroht. Rings um das Grundstück, auf dem sie stehen, befinden sich drei Schulen – und die platzen aus allen Nähten. Die Stadt möchte anstelle der Baracken gern eine Mensa für diese Schulen bauen und Sportanlagen - beides würde dringend gebraucht.

Dafür müsste eine der Baracken komplett weichen, eine zweite könnte möglicherweise in die Neubauten integriert werden. In eine dritte, kleinere, käme ein Museum über das Kriegsgefangenenlager.

Bürgermeisterin Anita Meinelt hält das für vertretbar – im Moment stehen die Baracken ohnehin leer, und es gibt kein Konzept, was man mit ihnen anfangen könnte.

„Ich glaube nicht, dass nur wenn man Gebäude stehen lässt, dass das was mit Erhalt von Geschichte zu tun hat.“ Bürgermeisterin Anita Meinelt

Noch stehen Baracken unter Denkmalschutz

In den Baracken waren bis vor einigen Jahren Obdachlose untergebracht, in einer hat es zwischenzeitlich gebrannt – heute sind sie in einem schlechten Zustand. Eine vierte Baracke, eine frühere Häftlingsunterkunft, steht kurz vor dem Einsturz und müsste dringend vor dem Winter noch gesichert werden, auch sie gehört der Stadt.

Ein Erinnerungsort hätte auch Besucher. Nach Moosburg kommen jeden Sommer viele Gäste aus der ganzen Welt, darunter viele Nachfahren von ehemaligen Kriegsgefangenen, die auf den Spuren ihrer Ahnen durch Europa reisen. Um sie kümmert sich der Stalag-Verein, die Stadt hat auch ein kleines Museum eingerichtet. Denn von keinem Kriegsgefangenenlager haben sich so viele Fotos und Kunstwerke von Gefangenen erhalten wie in Moosburg.

Die Zeit drängt. Noch stehen die Baracken unter Denkmalschutz, die Stadt verhandelt aber schon mit dem Landesamt für Denkmalschutz, inwieweit der aufgehoben werden könnte. Moosburger, die die Baracken erhalten wollen, fürchten, die Verantwortlichen wollten sich einfach des „alten Graffels“ entledigen.

Eines stimmt aber auch: wenn die Schulerweiterung nicht auf das Baracken-Grundstück kommt, verzögert sie sich um viele Jahre, denn dann muss ganz neu geplant werden.

© Stalag-Museum Moosburg

Original-Foto aus dem Kriegsgefangenenlager Stalag VIIa in Moosburg.

© Stalag-Museum Moosburg

Original-Foto aus dem Kriegsgefangenenlager Stalag VIIa in Moosburg.

© Stalag-Museum Moosburg

Original-Foto aus dem Kriegsgefangenenlager Stalag VIIa in Moosburg.