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Solidaritätskundgebung nach Großbrand in Waldkraiburg | BR24

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Hartmuth Lang vom Netzwerk "Mühldorf ist bunt e.V." am 02.05.2020 bei der Solidaritätskundgebung in Waldkraiburg.

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    Solidaritätskundgebung nach Großbrand in Waldkraiburg

    Gemeinsam für ein tolerantes und offenes Waldkraiburg – dafür haben sich am Samstag Teilnehmer einer Kundgebung stark gemacht. "Mühldorf ist bunt" rief nach dem mutmaßlichen Brandanschlag zu Solidarität mit den betroffenen Geschäftsleuten auf.

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    Von
    • Nadine Cibu

    Nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf ein türkisches Lebensmittelgeschäft in Waldkraiburg haben rund 50 Menschen an einer Solidaritätskundgebung am Sartrouville-Platz teilgenommen. Wegen der coronabedingten Kontaktbeschränkungen war die Teilnehmerzahl begrenzt. Am Rande des abgesperrten Bereichs fanden sich dennoch Zuschauer ein.

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    Teilnehmer der Solidaritätskundgebung in Waldkraiburg am 02.05.2020

    "In den Anfängen liegt die Gefahr"

    Organisiert wurde die Veranstaltung vom Netzwerk "Mühldorf ist bunt e.V.". Mit dabei waren auch Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch sowie Vertreter des Vereins "Türkische Islamische Gemeinde zu Waldkraiburg". Hartmuth Lang von "Mühldorf ist bunt" erinnerte die Teilnehmer daran, dass die Stadt Waldkraiburg nach dem Zweiten Weltkrieg durch Vertriebene entstanden und durch stetigen Zuzug gewachsen sei. Lang ermutigte besonders auch die türkische Gemeinde, auf sich aufmerksam zu machen.

    "Verschweigen Sie keinen Vorfall, auch wenn er noch so klein ist. In den Anfängen liegt die Gefahr." Hartmuth Lang von "Mühldorf ist bunt"

    Auch Betroffene nehmen an Kundgebung teil

    Auch der Besitzer einer Waldkraiburger Pizzeria, Serdar Artuk, dessen Scheibe wenige Tage vor dem Brand eingeschlagen wurde, nahm an der Kundgebung teil. Er vermute, dass der Anschlag "von rechts" komme, so Artuk. "Man kriegt Zukunftsangst, dass Deutschland wie früher wird." Dennoch sei dies nur die erste Reaktion gewesen, mittlerweile fühle sich der Restaurantbesitzer wieder besser.

    "Ich habe Vertrauen in den Deutschen Rechtsstaat. Sie (die Polizei) unternehmen etwas. Sie nehmen das total ernst und das gibt uns Sicherheit.“ Serdar Artuk, Restaurantbesitzer

    "Diese Angst kann man schlecht in Worte fassen"

    Einen anderen Eindruck erweckte Ahmet Baskent, Vorstand der türkisch-islamischen Gemeinde DITIB in Waldkraiburg. Er sei heute hier, um ein Zeichen zu setzen und Solidarität zu zeigen. "Wir von der Gemeinde sind sehr verunsichert, weil bis jetzt ist nichts geklärt", sagt Baskent. "Bis jetzt haben wir solche Dinge wie den Brand immer nur im Fernsehen gesehen. Und jetzt betrifft es uns selbst. Diese Angst und das Unverständnis kann man schlecht in Worte fassen." Der Geschädigte des Obst- und Gemüseladens wollte sich nicht äußern.

    SOKO ermittelt "in alle Richtungen"

    Aktuell ermittelt die Sonderkommission "Prager" der Kripo Mühldorf unter der Leitung der "Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus" (ZET) der Generalstaatsanwaltschaft München in alle Richtungen. Es gibt laut Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Martin Emig, aktuell keine neuen Erkenntnisse.

    Belohnung für Hinweise

    Martin Emig betont, dass sich Opfer an die Polizei wenden könnten, um auch einen seelischen Beistand zu erhalten. Die Ermittler bitten weiter um Mithilfe der Bevölkerung. 3.000 Euro Belohnung wurden für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung der Tat führen.

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